Solo: A Star Wars Story – 4K UHD Kritik: Besser als sein Ruf?

Alden Ehrenreich ist Han Solo und Joonas Suotamo ist Chewbacca in SOLO: A STAR WARS STORY.
Alden Ehrenreich ist Han Solo und Joonas Suotamo ist Chewbacca in SOLO: A STAR WARS STORY. © Lucasfilm Ltd

Die Kritik:

Solo: A Star Wars Story (4K Ultra HD) Cover
Solo: A Star Wars Story (4K Ultra HD) Cover© Lucasfilm Ltd

Dass es nicht alle Filmproduktionen leicht haben, ist schon länger bekannt und hat man zuletzt immer wieder mit den DC-Comicverfilmungen zu spüren bekommen. Da wird immer wieder von Darstellern gesprochen, welche dem Projekt den Rücken kehren möchten, Regisseure werden ausgetauscht, der Komponist wird durch einen anderen ersetzt oder die Produktionskosten explodieren, da man aufwendige Nachdrehs machen muss, da die Testscreenings nicht die erhoffte Reaktion beim Publikum ausgelöst hat. Wie gesagt, dass so etwas immer wieder einmal vorkommt, kennt man bereits – allerdings nicht bei einem Star Wars-Film! Wobei an dieser Stelle aber auch gesagt werden muss, dass es Disney mit ʻSolo: A Star Wars Storyʻ sicherlich nicht leicht hatte, denn einen adäquaten Ersatz für Harrison Ford alias Han Solo zu finden, ist eigentlich unmöglich. Dass die Wahl am Ende auf Alden Ehrenreich fiel, der sich gegen 3.000 Mitbewerber für die Rolle durchsetzte, kam bei den Fans auch nicht unbedingt gut an. Fasst man alle negativen News rund um den Produktionsprozess nun kurz zusammen, steht unterm Strich folgendes: Die zwei Regisseure Phil Lord (ʻ21 Jump Streetʻ) und Chris Miller (ʻ22 Jump Streetʻ) wurden noch während der laufenden Produktion von Produzentin Kathleen Kennedy wegen angeblich kreativer Differenzen gefeuert und anschließend durch Ron Howard (ʻInfernoʻ) ersetzt. Selbiges wiederfuhr dem für den Schnitt zuständigen Chris Dickens (ʻShaun of the Deadʻ), dessen Arbeit später durch Pietro Scalia (ʻAlien Covenantʻ) beendet wurde. Hauptdarsteller Alden Ehrenreich bekam einen Schauspielcoach ans Set gestellt, da er den Ansprüchen an die Rolle nicht gerecht wurde – all das hatte wiederum zur Folge, dass der eigentliche Film zu 80% neugedreht werden musste. Dass der geplante Starttermin des Films, der am Ende natürlich weit mehr Produktionskosten verschlang als letztlich kalkuliert wurde, überhaupt gehalten werden konnte, grenzt deshalb eigentlich an ein Wunder – ein Wunder das nun seinen Weg auf DVD, Blu-ray, Blu-ray 3D und 4K UHD gefunden hat.

Han Solo (Alden Ehrenreich) und Chewbacca (Joonas Suotamo) in SOLO: A STAR WARS STORY
Han Solo (Alden Ehrenreich) und Chewbacca (Joonas Suotamo) in SOLO: A STAR WARS STORY. © Lucasfilm Ltd

ʻSolo: A Star Wars Storyʻ erzählt eine klassische Origin-Geschichte, die zeitlich sogar noch vor ʻStar Wars: Eine neue Hoffnungʻ angesiedelt ist: Nach der Machtübernahme und Kontrolle durch das galaktische Imperium herrschen finstere Zeiten in der Galaxis – so auch auf dem Planeten Corellia. Auf dieser überaus wichtigen Kernwelt hat allerdings das Verbrechersyndikat White Worms einen großen Einfluss, dessen bösherzige Lady Proxima in der Unterwelt das Sagen hat. Dort, in den Armenvierteln der Hauptstadt Coronet lebt der junge Han (Alden Ehrenreich), gemeinsam mit seiner Freundin Qi’ra, die sich dort mit kleineren Jobs über Wasser halten, jedoch beide einen großen Traum haben: Dem tristen Leben auf Corellia zu entfliehen und mit einem eigenen Raumschiff die Galaxis zu bereisen. Eines Tages scheint dieser Traum in greifbarer Nähe, als Han in den Besitz einer kleinen Menge des überaus wertvollen Hyperraum-Treibstoffs Coaxium kommt, das er auf dem Schwarzmarkt anbietet um sich auf diese Weise die Flucht vom Planeten zu erkaufen. Doch das Vorhaben misslingt und nur Han gelingt die Flucht – allerdings muss er sich dazu beim Imperium als Pilot verpflichten. Nachdem er drei Jahre wiederwillig an der imperialen Akademie gedient hat und ihm eine unehrenhafte Entlassung droht, sieht er eine allerletzte Chance, um seine eigene Haut zu retten und seine zurückgebliebene Freundin doch noch von Corellia zu retten: Er muss sich dem Gauner Tobias Beckett (Woody Harrelson) und seiner Crew anschließen, um gemeinsam mit diesen einen großen Coaxium-Coup durchzuziehen – dabei lernt er seinen späteren Sidekick, den Wookie Chewbacca (Joonas Suotamo) kennen und trifft auch auf den Glücksspieler Lando Calrissian (Donald Glover), gegen den er sich in einem Sabacc-Spiel beweisen muss…

Chewbacca (Joonas Suotamo) in SOLO: A STAR WARS STORY
Chewbacca (Joonas Suotamo) in SOLO: A STAR WARS STORY. © Lucasfilm Ltd

So beschwerlich sich die Einleitung sicherlich lesen ließ, so kann aber vorab Entwarnung gegeben werden, denn ʻSolo: A Star Wars Storyʻ ist deutlich besser als der Ruf, der ihm – vor allem während der Produktionsphase – vorauseilte. Und ja, der Film ist sicherlich für Disney ein wirtschaftlicher Flop und zählt zudem auch zum schlechtesten Spielfilm des gesamten Franchise. Unterm Strich zählen für den Cineasten und Fan der Saga aber keine Zahlen, sondern das Endergebnis und das kann sich definitiv sehen lassen. Das Drehbuch von Lawrence und Jonathan Kasdan ist durchaus kreativ, die Darsteller überzeugen nahezu allesamt in ihren Rollen und auch Alden Ehrenreich liefert nach einer kurzen Eingewöhnungsphase eine lobenswerte Performance als Han Solo ab. Schauspielkollege Woody Harrelson, der hier als Schurke Tobias Beckett, der auch gleichermaßen als eine Art Mentor-Figur von Han gesehen werden kann, spielt den jüngeren Harrison Ford-Ersatz zwar gnadenlos an die Wand, dennoch stimmt die Chemie zwischen den Charakteren. Ebenfalls einen guten Job liefert Thandie Newton als Becketts Partnerin Val ab, genauso wie Donald Glover als Lando Calrissian, der die Figur wirklich aalglatt rüberbringt und hier wie die Faust aufs Auge passt. Chewbacca bekommt hier ebenfalls einige sehr gute Momente spendiert und kann einmal mehr zeigen, aus welchem Holz er geschnitzt ist und welche Kräfte in ihm schlummern. Etwas blass hingegen wirken Emilia Clarke als Hans Love-Interest Qi’ra, die mehr zu sein scheint, als sie vorgibt sowie Paul Bettany als Bösewicht Dryden Vos, der an der Spitze des Verbrechersyndikats Crimson Dawn steht.

Woody Harrelson ist Beckett und Alden Ehrenreich ist Han Solo in SOLO: A STAR WARS STORY
Woody Harrelson ist Beckett und Alden Ehrenreich ist Han Solo in SOLO: A STAR WARS STORY. © Lucasfilm Ltd

Dass die zwei letztgenannten Charaktere aber nicht so gut rüberkommen wie der Rest des Cast ist nicht weiter tragisch, denn dank zahlreicher neuer Kreaturen, Spezies sowie Figuren, zu denen unter anderem Becketts Pilot Rio Durant (Jon Favreau), die mysteriöse Figur Enfys Nest (Erin Kellyman) oder Droiden-Frau L3-37 (Phoebe Waller-Bridge), die sich kämpferisch für die Rechte von Droiden aller Art einsetzt, zählen. Aber es gibt nicht nur jede Menge neue Figuren zu sehen, sondern auch unbekannte Welten zu entdecken. Unter anderem verschlägt es die Abenteurer neben Corellia nämlich auch auf den Planeten Mimban, die schneebedeckte Welt von Vandor-1, den Wüstenplaneten Savareen sowie in die Gewürzminen von Kessel, wo Han später mit dem Millennium Falken, den er sich Widerwillen von Lando geborgt hat, auch noch den Kessel-Run, den sogenannten Kossal-Flug, in weniger als 12 Parsecs durch den gefährlichen akkadesischen Mahlstrom absolvieren wird. Langweilig wird es während der insgesamt 135 Minuten jedenfalls nicht, wobei aber auch gesagt werden muss, das der Film eigentlich ein Ende hat, das sich Optionen für weitere Abenteuer offen hält – nur ob wir diese jemals zu sehen bekommen, bleibt nach dem schlechten Einspielergebnis eher fraglich.

Bild:

Die 4K UHD von ʻSolo: A Star Wars Storyʻ ist eins und das ist dunkel, sogar ziemlich dunkel. Gerade zu Beginn des Films auf Corellia herrscht ziemliche Düsternis, weshalb man sogar Schwierigkeiten hat, einzelne Details in den Gesichtern der Protagonisten zu erkennen. Besser wird es zwar in helleren Abschnitten auf Vandor-1 oder dem Wüstenplaneten Savareen, aber auch dort, halten sich die eigentlichen Vorzüge des Ultra HD-Medium in Grenzen. Durch den Einsatz von HDR präsentiert sich das Bild, dem hier erfreulicherweise sogar ein natives 4K-Master spendiert wurde, ohnehin etwas dunkler, was sich hier aber als Nachteil erweist, da durch den Einsatz diverser Filter – die zwar allesamt als Stilmittel des Films auch bewusst so eingesetzt wurden, das Gesamtergebnis eher ernüchternd ausfällt. Der für den Test eingesetzte 4K-OLED aus dem Hause Sony (KD-65A1) ist ohnehin schon kein Helligkeitsmonster im direkten Vergleich zur aktuellen QLED-Konkurrenz, aber für das Review wurde extra der Raum abgedunkelt, was allerdings dann auch offenbarte, das selbst der Schwarzwert der 4K-Scheibe nicht optimal, sondern oftmals zu hell ausgefallen ist. Das Beste an der 4K-Disc ist folglich das Hauptmenü des Films, das unmissverständlich klarmacht, wie der Film hätte aussehen können. Hier muss deshalb ganz klar gesagt werden, dass man deshalb das Full-HD-Bild der beiliegenden Blu-ray bevorzugen sollte. Dieses hat zwar mit den gleichen Schwächen zu kämpfen, liefert dafür aber ein etwas helleres und somit stimmigeres Gesamtbild ab.

Ton:

Lando Calrissian (Donald Glover) in SOLO: A STAR WARS STORY.
Lando Calrissian (Donald Glover) in SOLO: A STAR WARS STORY. © Lucasfilm Ltd

Disney bleibt sich hier einmal mehr seiner aktuellen Veröffentlichungspolitik treu und liefert den deutschen Ton als Dolby Digital Plus 7.1-Mix, der erneut auf eine feste Datenrate von 1.0 Mbps begrenzt ist. Auf der 4K UHD hingegen wird eine zeitgemäße Abmischung in Dolby Atmos aufgefahren, welcher ein Dolby TrueHD 7.1-Kern zugrunde liegt und mit einer variablen Bitrate aufwartet. Hier hätten es aber gerne ein paar richtig gute Effekte von oben mehr sein dürfen, denn die obere Ton-Ebene wird leider nicht adäquat genug ausgenutzt und bleibt deshalb hinter ihren technischen Möglichkeiten zurück. Richtig gut und räumlich klingen beide Tonspuren aber dennoch, wenn auch gesagt werden muss, dass sich der Originalton etwas knackiger anhört und auch die kräftigeren Bässe während der Actionsequenzen abfeuert. Das Balancing ist wiederrum sehr ausgewogen und sorgt dafür, dass stets sämtliche Dialoge klar und verständlich wiedergegeben werden. Weitere auf der 4K UHD-Disc enthaltene Tonspuren sind Italienisch, Französisch und Japanisch in Dolby Digital Plus 7.1 sowie auf Blu-ray der englische Originalton in DTS-HD Master Audio 7.1 und Polnisch als Dolby Digital 5.1-Mix.

Extras:

Die Extras zum Film, welche in HD vorliegen und auch deutsch untertitelt wurden, sind allesamt auf einer dritten Disc untergebracht und teilen sich wie folgt auf:

▪ Solo: Regisseur & Darsteller an einem Tisch (21:44 min.)
▪ Kasdan und Kasdan (7:50 min.)
▪ Redesign des Millennium Falken (5:36 min.)
▪ Flucht von Corellia (9:59 min.)
▪ Der Zugüberfall (14:30 min.)
▪ Team Chewie (6:41 min.)
▪ Wie man Droide wird: L3-37 (5:06 min.)
▪ Gauner, Droiden, Kreaturen und Kartenspiele: Willkommen in Fort Ypso (8:02 min.)
▪ In den Mahlstrom: Der Kossal-Flug (8:28 min.)
▪ Zusätzliche Szenen (15:13 min.)
– Bei Lady Proxima (1:16 min.)
– Verfolgungsjagd auf Corellia (1:39 min.)
– Han Solo: Imperialer Kadett (1:54 min.)
– Die Schlacht von Mimban: Erweitert (1:58 min.)
– Han gegen Chewie: Erweitert (5:29 min.)
– Schneeballschlacht (0:44 min.)
– Begegnung mit Dryden: Erweitert (1:10 min.)
– Coaxium (0:36 min.)

Qi'ra (Emilia Clarke) in SOLO: A STAR WARS STORY.
Qi’ra (Emilia Clarke) in SOLO: A STAR WARS STORY. © Lucasfilm Ltd

Das enthaltene Bonusmaterial hat eine ungefähre Laufzeit von 45 Minuten und liefert in vielen Featurettes jede Menge sehenswerte Beiträge rund um die Entstehung der Produktion. Angefangen bei einem runden Tisch, an dem alle wichtigen Darsteller sowie der Regisseur des Films zu Wort kommen, über die gemeinsame von Lawrence Kasdan und seinem Sohn Jonathan, welche sich beide für die Umsetzung des Drehbuchs verantwortlich zeichneten bis hin zur Neugestaltung des Millennium Falken, gibt es hier allerhand Wissenswertes zu sehen. Die übrigen Beiträge setzen sich unter anderem mit der Vergangenheit Han Solos auseinander, zeigen die aufwendige Umsetzung der Zugüberfall-Sequenz oder befassen sich mit dem zotteligen Wookie und dessen vollständig in Handarbeit hergestellten Kostüms. Ebenfalls enthalten ist ein sehenswerter Beitrag über Landos Droiden L3-37, für dessen Aufnahmen sich Darstellerin Phoebe Waller-Bridge den Greenscreen-Anzug überziehen musste und es wird auch ein Einblick ins Setdesign von Fort Ypso sowie die Umsetzung des legendären Kossal-Flugs im Mahlstrom gewährt. Zum Schluss gibt es noch acht zusätzliche Szenen zu sehen, die es nicht in den fertigen Film geschafft haben.

Fazit:

Schon im Kino hat mich ʻSolo: A Star Wars Storyʻ positiv überrascht und mir eindrucksvoll bewiesen, dass der Film weitaus besser ist, als der Ruf der ihm vorauseilt. Schuld am mäßigen Erfolg dürfte aber nicht nur die schlechte Publicity in den Medien alleine gewesen sein, sondern die knallharte Kino-Konkurrenz, welche mit ʻAvengers: Infinity Warʻ nur knapp vier Wochen früher in den deutschen Lichtspielhäusern anlief. Aber wie ich bereits vorab erwähnte, spielen Zahlen für den Cineasten und Fan der Saga keine tragende Rolle, was zählt ist letztlich das Endergebnis und das kann sich definitiv sehen lassen. Der Film bietet nämlich spannende und gleichermaßen spaßige Unterhaltung, fährt tolle neue Charaktere auf und lässt uns dank neuer Welten noch tiefer in die weit entfernte Galaxis eintauchen. Ein kleines Ärgernis ist bei der Blu-ray- und 4K-Umsetzung eigentlich nur das etwas zu dunkle Bild, bei dem leider keine echtes HD- beziehungsweise UHD-Feeling aufkommen will. Aber dennoch: Ein Pflichtprogramm für Science-Fiction- und Star Wars-Fans.


von Roland Nicolai


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