Filmkritik zu After Midnight

After Midnight - Hank (Jeremy Garder) besitzt einen Jagdtrieb
After Midnight - Hank (Jeremy Garder) besitzt einen Jagdtrieb © 2020 Meteor Film GmbH

Die Kritik:

After Midnight (aka Something Else) Bluray Cover
After Midnight (aka Something Else) Bluray Cover © 2020 Meteor Film GmbH


After Midnight – Die Liebe ist ein Monster“ ist ein auf zahlreichen Filmfestivals ausgezeichneten Drama zwischen Romantik und Horror. Wobei der Horror hier recht kleingeschrieben wird und das Monster eher als Metapher herhalten muss. Doch dazu später mehr. Mastermind Jeremy Gardner ist als Hauptdarsteller und Regisseur verantwortlich für diesen Genrezwitter. Jener liebt das Independent-Kino. Sein Film „Ben & Mickey vs. the Dead“ wurde mit ganz ähnlichen Mitteln gedreht. Mit After Midnight dürfte er nun noch deutlich mehr Aufmerksamkeit und sicherlich auch Anerkennung erhalten. Der Film erscheint am 29.05.2020 auf DVD, Blu-ray sowie im Mediabook. Letzteres (mit recht coolem Artwork) gab es zu Rezenzionszwecken leider nicht, drum wollen wir hier die reine Blu-ray in der Filmkritik besprechen.

Wir lernen Hank (Jeremy Garder) und Abby (Brea Grant) als sehr fröhliches Paar kennen. Zu ihrem Geburtstag lädt Hank sie in sein abgelegenes Häuschen ein. Es wird geschwatzt, gespaßt und billiger Wein getrunken und die beiden lassen es sich gut gehen. Den Zuschauer trifft es dann genauso wie Hank völlig unerwartet, als Abby eines Tages verschwindet und nur einen knappen Abschiedsbrief hinterlässt. Zwischen depressiven Phasen und Selbstvorwürfen verwahrlost der Zurückgelassene in seinem Heim. Und schlimmer noch: Nachts wird er Opfer von Angriffen eines monströsen Wesens, das an der Tür kratzt und geräuschvoll sein Anwesen durchstreift. Wird er paranoid oder ist die Bedrohung echt?

After Midnight - Abby (Brea Grant) verschwindet
After Midnight – Abby (Brea Grant) verschwindet © 2020 Meteor Film GmbH

Wie angesprochen bleibt der Horror hier ziemlich lange versteckt. Das Gegrunze der Kreatur an der Tür und am Haus weckt dann auch nur mäßiges Interesse daran. Es spricht einfach recht viel gegen einen Fantasy-Grusel. Zu sehr steht die (gekippte) Beziehung der Protagonisten im Vordergrund, die in ausführlichen Rückblenden erzählt wird. Das geschieht angenehm locker, unterbricht den Erzählfluss aber auch mal. Zu Teilen fragt man sich in welcher Zeitebene man sich gerade befindet, auch wenn die Nebenfiguren auftauchen. Bei denen kann Sidekick Wade (Henry Zebrowski) mit ungewollt trocken-albernem Humor punkten. Man darf gespannt sein, wann dieser mal eine Hauptrolle ergattert.

Während der eigentlichen Story fragt man sich in vielen Momenten, was nun hinter dem Film stecken mag. Einen kleinen Teil seiner Parabel verrät der Film gleich in seiner deutschen Subheadline. Ob das Monster nun etwas weiter gedacht die Unfähigkeit zu lieben, Eifersucht oder etwas Ähnliches ausdrückt, bleibt jedem selbst überlassen. Richtig stark wird After Midnight gegen Ende, wenn auf unkitschige Art und Weise Verständnis für jede Figur aufgebracht wird. Während eines schönen Karaoke-Songs darf vergeben werden, bevor unerwartet doch noch einmal das Monster die Bühne betritt.

Bild:

Das Bild besticht vor allem in den hellen Szenen (das sind die positiven Rückblenden). In den dunklen Momenten (die Gegenwart, als Hank depressiv zurückgelassen wurde) und bei Nacht lässt sich etwas mehr Unschärfe erkennen, was vor allem bei längeren Standbildern auffällt. Dennoch ist das Bild insgesamt noch als sehr gut zu beschreiben.

Ton:

Hier läuten aus den soften Rückblenden häufig akustische, krachende Signale Hanks harte Gegenwart ein. Der Soundtrack fällt recht stimmig aus und die Dialoge sind gut vernehmbar. Etwas unpassend wirkt hingegen der deutsche Synchronsprecher der Hauptfigur.

Extras:

Hier gibt es auf der Blu-ray neben dem Trailer nur noch (unter „Einstellungen“) einen Audiokommentar von Jeremy Gardner und Christia Stella als Co-Regisseur.

Blu-ray-Kritik
  • 7/10
    Film - 7/10
  • 8/10
    Bild - 8/10
  • 8/10
    Ton - 8/10
  • 3/10
    Extras - 3/10
7/10

Kurzfassung

Im Gesamtgefüge recht interessanter Genre-Zwitter.

Fazit:

After Midnight überzeugt mit authentischen Figuren und einem guten Schauspiel. Während der netten Romanze sowie der harten Trennung bleibt der Horror ziemlich auf der Strecke. Gleichzeitig werden große Fragen über das moderne Männerbild oder eine Identitätslosigkeit gestellt, was den Film noch einmal auf eine andere Eben hebt.


von Nicolas Wenger

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