Good Time – Blu-ray Kritik: Rasanter Thriller mit Elektrobeats

Good Time: Connie (Robert Pattinson)
Good Time: Connie (Robert Pattinson) © temperclayfilm

Die Kritik:

Nick (Benny Safdie) und Connie (Robert Pattinson) beim Raubüberfall © Temperclayfilm
Nick (Benny Safdie) und Connie (Robert Pattinson) beim Raubüberfall © Temperclayfilm

Good Time macht seinen Namen alle Ehre. Denn für den Zuschauer ist dieser Film wahrlich eine gute Zeit. Der Streifen ist zwar kein Feel-Good-Movie, doch ein absolut sehenswerter und spannender Thriller mit einem Robert Pattinson in der Hauptrolle, der die beste Performance seiner Karriere hinlegte und die Handlung auf einer Weise auf den Schultern trägt, wie man es von ihm nicht erwartet hätte. Zur Story sei gesagt, dass in den ersten 15 Minuten des Films ein Banküberfall misslingt und dabei Connies Bruder Nick von der Polizei verhaftet wird. Connie, gespielt von Robert Pattinson, möchte so schnell wie möglich seinen geistig zurückgebliebenen Bruder Nikas aus dem Knast holen und hierfür eine Kaution zahlen.

Connie (Robert Pattinson) auf der Flucht vor der Polizei © Temperclayfilm
Connie (Robert Pattinson) auf der Flucht vor der Polizei © Temperclayfilm

Der Film erzählt dabei die Geschichte einer Nacht wie Connie versucht auf illegalen und gefährlichen Wegen das Geld baldmöglichst aufzutreiben. Gespielt wird Nikas von einem der Safdie-Brüder, nämlich Benny Safdie. Die Brüder Josh und Benny Safdie führten bei diesem Film Regie und machten einen grandiosen Job. Der Film ist visuell ganz speziell und als Gesamtwerk einzigartig. Der Film besitzt ein unglaublich hohes Erzähltempo und nimmt kaum eine Auszeit. Bis auf die ersten und letzten Minuten des Films ist man ständig in Bewegung und lässt den Zuschauer keine Pausen zum Durchatmen. Der Schnitt und die Kameraarbeit sind die treibenden Kräfte des Films aus technischer Sicht. Denn durch das klasse Editing und die starke Kameraführung erzeugt der Film einen unglaublichen Flow und eine visuelle und erzählerische Dynamik, die für eine besondere Spannung und Kurzweiligkeit sorgt. Dabei übertreibt der Film nie. Er bleibt in seinen Actionsequenzen stets bodenständig und authentisch. und ufert nicht in übertriebene und spektakuläre Szenen aus. Erzählerisch findet er seinen Klimax in der Mitte des Films. Danach lässt die Intensität nach und es fühlt sich ein wenig in die Länge gezogen an, weswegen der Film keine höhere Bewertung erhält. Dennoch bleibt er spannend und unvorhersehbar und hat ein Ende, dass einen zufrieden stellt und konsequent ist.

Connie (Robert Pattinson) © Temperclayfilm
Connie (Robert Pattinson) © Temperclayfilm

Schauspielerisch überzeugt jeder Darsteller. Benny Safdie, der den geistig zurückgebliebenen Nick spielt, macht einen wirklich starken Job. Er spielt hier in seinen wenigen Szenen sehr demütig und glaubhaft und versucht erst gar nicht sich in den Vordergrund zu spielen, um den Kinozuschauern zu zeigen, dass er toll spielen kann. Dies sorgt für eine besondere Authentizität, die man ihm hochanrechnen muss, da er sowohl als Regisseur und als Darsteller souverän agierte. Buddy Duress, dessen Figur später im Film eine wichtige Rolle spielt und der allein optisch, ohne ihm nahe zu treten, perfekt für diese Rolle passt und man das Gefühl hat, er ist in Wirklichkeit womöglich auch im Drogen-Milieu unterwegs, agiert vor allem im Zusammenspiel mit Robert Pattinson schlichtweg großartig und haucht dieser Nebenfigur unglaublich viel Leben ein. Jener Robert Pattinson stiehlt hier zwar niemandem die Show so wirklich, doch ist die treibende Kraft auf schauspielerischer Ebene in Good Time. Stress, Zeitdruck und die Nerven, die ihm die ganze Sache kosten – all dies schafft er in seinem Schauspiel gekonnt auszudrücken. Man weiß nie so recht, ob man ihm die Daumen drücken will, da er zum einen nur seinem Bruder helfen möchte, jedoch auch ihn ausnutzt und nur wegen ihm überhaupt im Gefängnis hockt. Die technische Komponente wurde vorhin angerissen. Der Film ist visuell extrem dynamisch und hat einen schönen Erzählfluss. Hektik und Geschwindigkeit werden hier nicht durch eine Wackelkamera oder unnötig schnellen Schnitten künstlich erzeugt. Es ist ein starkes Zusammenspiel zwischen dem Schnitt, der Kamera und den visuell betörenden Bildern in einer kriminellen Unterwelt. Das Ganze wird durch ganz besondere Techno-Klänge und Beats, die den Film gefühlt zu einem illegalen Party-Drogen-Action-Trip lassen werden. Der Soundtrack ist sehr hervorstechend und teilweise gewöhnungsbedürftig, aber passt sehr gut in die Szenerie rein.

Bild:

Das Bild besitzt in einigen Stellen extrem viel Filmkorn. Bei manchen dunklen Aufnahmen ist das Bild leider sehr kriselig und unscharf. Nichtsdestotrotz überzeugt das Bild mit satten Farben und ist bis auf wenige Aufnahmen ebenfalls sehr scharf.

Ton:

Der Ton ist ohne Zweifel erhaben. Dabei sind es vor allem die klaren musikalischen Klänge mit dem markanten Techno-Sound, die einen schönen Raumklang besitzen und für eine elektrisierende Atmosphäre sorgen. Darüber hinaus sind ebenfalls die Dialoge kristallklar, die Synchronisation gelungen und auch das gelungene Sounddesign des Films kommt hier durch die starke Tonqualität der Blu-ray zur Geltung. Die 5.1-DTS-HD-Master-Kodierung überzeugt in vollen Zügen.

Extras:

Bei den Extras gibt es lediglich ein kurzes Interview mit den beiden Regisseuren, den Safdie-Brüdern, und ein 5-minütiges Interview mit Hauptdarsteller Robert Pattinson.

 

Fazit:

Der Film bietet tolle Darsteller bei denen vor allem Robert Pattinson sein wahres schauspielerisches Talent aufzeigt. Darüber hinaus ist der Film visuell und technisch eine Augenweide und bietet einen Thriller hohem Erzähltempo, bizarrem Soundtrack und bis auf eine Dursstrecke in der zweiten Hälfte des Filmes ein intensives Erlebnis.


von Morteza Wakilian


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