Yes, Chef – Filmkritik zum Geheimtipp

Stephen Graham spielt den Chefkoch Andy
Stephen Graham spielt den Chefkoch Andy © 2024 PLAION PICTURES

Die Kritik:

Yes-Chef Blu-ray
Yes Chef Blu-ray © 2024 PLAION PICTURES

Yes, Chef“ wurde auf dramatische Weise kurz vor dem Covid-Lockdown gedreht. Trotzdem kommen wir hierzulande erst jetzt (genauer gesagt ab dem 25.04.2024) in den Genuss des Films. Basierend auf einer Kurzgeschichte thematisiert das Drama den Stress aller Mitarbeiter in einem Luxusrestaurant. Wir haben eine Blu-ray gesichtet und haben Film, Bild, Ton und Extras in der Rezension.

Inhalt: Kurz vor Weihnachten brummt der Laden in einem Londoner Nobelrestaurant. Stephen Graham spielt als Chefkoch Andy die Hauptrolle. Gestresst und völlig übermüdet muss er die Küche im Griff haben, seine Ex-Frau will ständig etwas und er hat den Schwimm-Wettbewerb seines Sohnes verpasst. Als er in der Küche ankommt, erfährt er, dass ein Gesundheitsinspektor den Betrieb herabgestuft hat und die Vorräte für den überbuchten Abend viel zu knapp bemessen sind. Zusammen mit seiner Crew muss Andy durchhalten. Dazu kommen die anspruchsvollen, teils unfairen Gäste mit Sonderwünschen und unter ihnen auch noch Andys Mentor samt Restaurantkritikerin.

Yes-Chef - Nur zwei der schwierigen Gäste
Yes Chef – Nur zwei der schwierigen Gäste © 2024 PLAION PICTURES

Die große Kunst des Films ist, dass er ohne Schnitt auskommt. Was das von den Machern vor und hinter der Kamera abverlangte, kann man sich vorstellen. Herausgekommen ist eine absolute Perle von Film. Vom ersten Moment an fühlen wir uns komplett in das Geschehen mit reingezogen und begleiten die spannendsten Szenerien des Abends. Regisseur Philip Barantini gönnt uns dabei kaum Verschnaufpausen – genauso wenig wie den Angestellten im Restaurant.

Dabei ist „Yes, Chef“ so spannend, dass er hie und da sogar als Thriller angepriesen wird. Der deutsche Titel mutet etwas fragwürdig an: Andy wird von seinen Angestellten zwar tatsächlich so angesprochen, doch so erweckt der Titel doch irgendwie Kritik an der Person oder seinem etwaigen zu strengem Führungsstil. Bei all dem Stress, dem Andy ausgesetzt ist, agiert er zwar mal etwas ruppig, doch spätestens mit seinen späteren Entschuldigungen zeigt sich sein liebevolles und (am Ende auch noch tragisches) Gesicht. Gespielt wird das ganz hervorragend von Stephen Graham. Vinette Robinson, Ray Panthaki und Hannah Walters sind in weiteren sehr guten Rollen zu sehen. Im Original heißt der Streifen übrigens „Boiling Point“ (zu deutsch: Siedepunkt) was besser gefällt und einen Wortwitz bzw. sogar kleine Metapher offenbart.

Die 90 Minuten vergehen wie im Flug. Es ist beinahe unglaublich wie mitreißend so ein Abend im Restaurant sein kann. Da fragt man sich unwillkürlich, warum wir dauernd Superhelden, Cops und Gangster in Spielfilmen zu sehen bekommen, wenn ein Drama über Köche und Servicekräfte so mitreißend gestaltet werden kann. Die Vermutung: Diese vermeintlich interessanteren Jobs geben einfach eine gewisse Grundspannung mit. Darauf verlassen sich die Macher einfach zu gerne und letztlich zählt, was den Zuschauer lockt. Ein Glück dass wir „Yes, Chef“ immerhin mit Verspätung und dank Plaoin Pictures hierzulande im Heimkino zu Gesicht bekommen haben.

Wenn man am Film etwas kritisieren will, dann die doch recht vielen Themen und Schicksale (Stress in der Arbeit natürlich, aber auch Sucht, Familie, Rassismus, Sexismus, Freundschaft und noch so viel mehr), die behandelt werden und fast jeder ist betroffen. Das wird allerdings so authentisch mit lebensechten Figuren rübergebracht, dass das nicht weiter ins Gewicht fällt.

Bild:

Dass der Film ohne Schnitt gedreht wurde, ist mehr als nur ein nettes Gimmick. Diese Herangehensweise ist ein Geheimnis des Erfolgs, wieso wir uns so gut in den Film verlieren. Die Kamera schwenkt nach einer Szene der Figur hinterher und bleibt bei einer anderen spannenden Momentaufnahme hängen. Dank dem tollen Timing fügt sich der Film nahtlos zu dem zusammen, was er ist – auch auf optischer Ebene ein echtes Highlight. Das Restaurant ist interessant ausgeleuchtet, mit schummrigen Licht zeichnet es einerseits eine edle Atmosphäre im Luxusrestaurant, andererseits kann es auch bedrückend wirken.

Ton:

Wie komplex der Ton im Film ohne Schnitt ist, wird z.B. in den Extras erläutert. Auch dank dem Ton bekommen wir einen realistischen Eindruck einer jeder Szenerie, wenn stimmig der Geräuschpegel im Hintergrund zu hören ist. Störend ist das dagegen zu keiner Zeit. Eine einwandfreie Synchronisation, sehr echt wirkende Dialoge und ein zurückhaltender Soundtrack komplettieren das Ganze.

Extras:

Das Bonusmaterial fällt ordentlich aus. Nebst Trailer gibt es drei Interviews (mit den Produzenten und dem Drehbuchautor) und ein Making Of. Hier lernen wir viel über den schwierigen Dreh. Weil der Lockdown vor der Tür stand, gab es erheblichen Zeitdruck. Dass das auch noch bei einem Film ohne Schnitt so gut funktioniert hat, verdient den höchsten Respekt. Ferner gibt es Insights über das kleine Budget, das Casting, dem vorangegangenen Kurzfilm, kleinere Pannen und viel mehr.

Blu-ray Wertung
  • 10/10
    Film - 10/10
  • 10/10
    Bild - 10/10
  • 8/10
    Ton - 8/10
  • 5/10
    Extras - 5/10
9.5/10

Zusammenfassung

Spannendes, berührendes und tiefschürfendes Thriller-Drama.

Fazit:

„Yes, Chef“ kommt ganz ohne Schnitt und vermutlich sogar teils improvisiert daher. Die lebensnahen und hervorragend gespielten Figuren ergänzen dieses tolle Konzept. Ein absoluter Geheimtipp abseits der so vielen typischen Superhelden- und Gangsterfilme.


von Nicolas Wenger

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