Die Biene Maja – Die Honigspiele: Interview mit Andrea Sawatzki

Sandy Kolbuch und Andrea Sawatzki

Andrea Sawatzki, geboren im bayerischen Kochel am See, zählt zu den meistbeschäftigten und wandlungsfähigsten Schauspielerinnen Deutschlands. Nach ihrem Schauspielstudium sammelte sie erste Bühnenerfahrung an den Münchner Kammerspielen. Von 1988 bis 1992 folgten Stücke an Theatern in Stuttgart, Wilhelmshaven und München. Nach ihrem Kinodebüt in Dieter Dorns Theaterverfilmung FAUST – VOM HIMMEL DURCH DIE WELT ZUR HÖLLE (1988) wirkte sie in Fernsehserien und Krimireihen wie „Wolffs Revier“, „Der Fahnder“, „Auf Achse“ und „Tatort“ mit. […weiter ganz unten]


blengaone: Für Sie war es nicht die erste Synchronrolle…

Andrea Sawatzki: Ich habe mich sehr gefreut, als das Angebot kam, weil sich diese Rolle noch einmal sehr von den Rollen, die ich bisher gesprochen habe, unterscheidet. Ich werde gerade in den Kinderfilmen – sowohl Animation, als auch Kinofilme wie „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft!“ – als Antagonistin besetzt. Das macht großen Spaß.

blengaone: Wäre eine Rolle als Heldin weniger spannend für Sie?

AS: Das kann man so nicht sagen, aber in diesem Film sind die Helden eindeutig nicht in meiner Altersklasse…Dafür steht die Antagonistin als treibende Kraft ziemlich im Vordergrund weil sie alle schikaniert. Die Kaiserin bei „Die Biene Maja – Die Honigspiele“ ist also nicht die Heldin, hat aber sehr viel Spaß gemacht und da kommt es manchmal gar nicht auf die Größe der Rolle an, sondern auf die Energie, die die Figur mitbringt.

blengaone: Die Rolle ist sehr kraftvoll, durch die Arroganz, die die Kaiserin zur Schau stellt. Dies kommt durch die Stimme sehr schön zum Tragen, was den Kindern in der Filmvorführung Angst eingejagt hat.

AS: Wirklich? Ach wie schön. Optimal.

blengaone: Haben Sie sich in irgendeiner Art und Weise auf die Rolle vorbereitet?

AS: Wenn man selbst Kinder hat, kennt man alle Grimms Märchen. Irgendwann fand die Diskussion statt, ob Kinder überhaupt Märchen gucken bzw hören oder lesen dürfen oder ob es ihnen zu große Angst macht und sie bei der psychischen Entwicklung negativ beeinflusst. Unsere Kinder haben die Märchen mit den bösen Hexen und Geistern immer sehr gerne gehört. Und es hat ihnen nicht geschadet, im Gegenteil. Märchen öffnen den Kindern die Augen für die Realität, die ja nicht immer rosig ist…Deswegen macht es auch Spaß, so eine böse Figur zu sprechen und zu spielen. Den Kindern darf nicht vorenthalten werden, dass es so böse Figuren und Menschen gibt. In Folge einer Geschichte oder eines Films sehen sie, wie sich die Schwächeren gegenüber den Bösen zur Wehr setzen können. Für die Erziehung finde ich das ganz wichtig. Es ist gut, wenn sie Angst haben. Sie müssen aber auch sehen, dass Biene Maja durch ihre Klugheit und Naivität zum Ziel kommt.

blengaone: Der Animationsfilm funktioniert für alle Altersklassen. Je älter die Kinder sind, desto mehr Hintergrund verstehen sie.

AS: Der Hinweis, dass der Schlüssel zum Erfolg ist, auf sich selbst zu hören, ist für Kinder sehr wichtig.

blengaone: Wenn man genauer über den Film nachdenkt, drängen sich politische Verweise auf. Gerade, wenn man sich die politischen Zustände in den USA ansieht, lassen sich Ähnlichkeiten zwischen der Kaiserin und Donald Trump erkennen.

AS: Ja, das ist gut. Das habe ich bisher noch gar nicht so übertragen. Aber es stimmt, ich bin quasi Miss Trump (lacht).

blengaone: Ihre Kinder sind mittlerweile groß. Schauen Sie sich dennoch mit ihnen zusammen den Film an?

AS: Ich glaube eher nicht. Sie schauen sich eh nicht alle unsere Filme an, was wir okay finden. Es gibt andere Kinderfilme, wie „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft!“ – den sie bisher auch nicht gesehen haben – da haben sie zumindest versprochen, ihn sich anzusehen. Sie sind jetzt 15 und 18 und haben ihr eigenes Leben und wollen auch beide nicht in unsere Fußstapfen treten. Wir haben andere Themen, über die wir uns unterhalten.

blengaone: Haben Sie eine Beziehung zur Biene Maja?

AS: Meine Söhne sind schon damit aufgewachsen. Als sie noch klein waren, haben sie fern geguckt. Da lief die Biene Maja oft und sie fanden sie immer ganz cool. Es ist schön, dass in dieser schnelllebigen Zeit, wo die Kinder mit Eindrücken überflutet werden, die allermeisten Kinder die Biene Maja wirklich noch kennen.

blengaone: Können Sie schon etwas über ihre kommenden Projekte verraten?

AS: Am 26. Februar lief „Südstadt“ im ZDF, der neue Film des Regisseurs Matti Geschonneck der mir sehr am Herzen liegt. Das ist ein Film über drei Paare, die einer Hausgemeinschaft leben. Anke Engelke, Matthias Matschke, Bettina Lamprecht, Alexander Hörbe, Dominic Raacke und ich spielen die drei Paare am Beziehungslimit. Demnächst kommt die dritte „Bundschuh“-Verfilmung mit dem Titel „Ihr seid natürlich eingeladen“, basierend auf meinen Roman, im ZDF. Voraussichtlich im Frühherbst erscheint dann „Bella Germania“, dies ist ein Dreiteiler über drei Generationen italienischer Einwanderer und deren deutsche Familienangehörige und „Scheidung für Anfänger“ haben mein Mann Christian und ich gerade erst gemeinsam für die DEGETO abgedreht. Das ist für uns eine sehr schöne Geschichte gewesen, weil wir so lange nicht mehr miteinander gedreht haben. Es ist eine schöne schwarze Scheidungsgeschichte mit einem grandiosen Rosenkrieg, was sehr viel Spaß gemacht hat.

weiter zur Biografie: Sawatzki spielte im Mehrteiler „Das Schwein – Eine deutsche Karriere“ (1995) an der Seite von Götz George, in Dieter Wedels Sechsteiler „Der König von St. Pauli“ (1998) und in Heinrich Breloers „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ (2001). Von 1995 bis 1998 war sie zudem in der Fernsehserie „A. S. – Gefahr ist sein Geschäft“ zu sehen. Ihre Kinorollen umfassen Parts in Katja von Garniers BANDITS (1997), Wolfgang Beckers DAS LEBEN IST EINE BAUSTELLE (1997), Rainer Kaufmanns DIE APOTHEKERIN (1997), Oliver Hirschbiegels DAS EXPERIMENT (2001) und Joseph Vilsmaiers LEO UND CLAIRE (2001). Von 2002 bis 2010 löste Sawatzki als Frankfurter „Tatort“-Kommissarin Charlotte Sänger insgesamt 18 Fälle, an der Seite von Jörg Schüttauf als Kommissar Fritz Dellwo. Für ausgewählte „Tatort“-Folgen erhielten Sawatzki und Schüttauf unter anderem den AdolfGrimme-Preis und den Hessischen Fernsehpreis. Den Deutschen Comedypreis für die Beste Schauspielerin nahm Andrea Sawatzki für ihre Rolle in der Fernsehserie „Arme Millionäre“ entgegen. Beim World Film Festival in Montreal wurde sie für ihre Rolle im Fernsehfilm „Der andere Junge“ (2007) erneut als Beste Schauspielerin ausgezeichnet. Den Bayerischen Fernsehpreis für die Beste Schauspielerin gewann sie dank ihrer Leistung in Thomas Bergers Komödie „Bella Vita“ (2010). Unter Doris Dörries Regie spielte Sawatzki 2010 in der sechsteiligen ZDF-Serie „Klimawechsel“. Von 2010 bis 2014 verkörperte sie in der ebenfalls sechsteiligen ZDF-Reihe „Bella“ die Hausfrau Isabella Jung. In der internationalen Serie „Borgia“ (2011) spielte sie die Rolle der Adriana De Mila. Es folgten Hauptrollen in der Mediensatire „Das große Comeback“ (2011) und der Tragikomödie „Zwei verlorene Schafe“ (2016). Außerdem übernahm sie Hauptrollen in den Komödien „Tief durchatmen, die Familie kommt“ (2015) und „Von Erholung war nie die Rede“ (2017), die beide auf ihren eigenen Romanen basierten. Andrea Sawatzkis Debütroman „Ein allzu braves Mädchen“ erschien 2013, weitere Romane sind „Der Blick fremder Augen“ (2015) und „Ihr seid natürlich eingeladen“ (2016), letzterer wurde ebenfalls für das Fernsehen verfilmt. Mit ihrer Stimme prägt Andrea Sawatzki seit 2004 zahlreiche Hörbücher mit Werken unter anderem von Donna Leon und Jasper Fforde. Im Jahr 2009 wurde sie mit dem Deutschen Vorlesepreis ausgezeichnet. Als Synchronsprecherin war sie u.a. bereits bei DER FANTASTISCHE MR. FOX (2010) und DER GESTIEFELTE KATER (2011) tätig. Für ihre Rolle in letzterem gewann sie 2012 den Deutschen Animationssprecherpreis. Zu ihren aktuellen Kinoprojekten gehören Nicolas Wackerbarths CASTING (2017) und HILFE, ICH HABE MEINE ELTERN GESCHRUMPFT (2018).

von Sandy Kolbuch

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