Colette – Filmkritik: Temperamentvolles Biopic

Colette am Schreibtisch (Keira Knightley)
Colette am Schreibtisch (Keira Knightley) © DCM

Die Kritik:

Als Sidonie-Gabrielle Colette (Keira Knightley) den Pariser Gelehrten Henry Gauthier-Villars (Dominic West) heiratet, der unter dem Pseudonym „Willy“ bekannt geworden ist, entführt dieser die junge Frau aus ihrem beschaulichen Dasein auf dem französischen Land in die belebten Straßen des Paris der Jahrhundertwende.
Colette gewöhnt sich schnell an ihr neues Leben und wird in die intellektuelle, literarische und künstlerische Welt ihres Gatten hineingezogen. Willy betreibt eine kleine Redaktion, in der eine Handvoll Ghostwriter unter seinem Pseudonym Geschichten verfassen.

Colette (Keira Knightley) und Willy (Dominic West)
Colette (Keira Knightley) und Willy (Dominic West)
© DCM

Als die Verkaufszahlen nicht mehr stimmen und das Geld knapp wird, weil Willy so gar nicht mit Geld umzugehen weiß, stellt er kurzerhand seine Frau ebenfalls als „Geist“ an. Sie verfasst einen halb-autobiografischen Roman über ein 15-jähriges Mädchen vom Land namens Claudine. Nach der Veröffentlichung avanciert das Buch nicht nur zum Bestseller, sondern zu einem kulturellen Phänomen, das als Grundlage für die Definition eines neuen Archetypen der Moderne gilt: dem Teenager.
Willy und Colette werden berühmt und lassen ihr Privatleben und einige abenteuerliche Sexskandale in die darauffolgenden Claudine-Romane mit einfließen. Willy, ein Marketing-Genie, nutzt die Marke „Claudine“, um zusätzlich Merchandise zu verkaufen. Das Geschäft boomt – doch zwischen Willy und Colette kriselt es. Zwar nicht zum ersten Mal, doch langsam durchschaut Colette die herrische Art ihres Mannes, mit welcher er seit Anfang an versucht sie in Zaum zu halten, um durch ihre Geschichten weiter an Geld und Ruhm zu gelangen.

Der Film „COLETTE“ von Regisseur Wash Westmoreland (Still Alice – mein Leben ohne Gestern) erzählt die wahre Geschichte einer der wichtigsten französischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts – Sidonie-Gabrielle Claudine Colette.

Doch nicht ihre ganze Geschichte, denn die Drehbuchautoren Wash Westmoreland und Richard Glatzer (bis 2015) sowie Rebecca Lenkiewicz haben sich für diese Filmbiografie auf den wichtigsten Teil ihres Lebens konzentriert. Westmoreland und Glatzer reisten bereits im Sommer 2001 nach Frankreich, um dort den ersten Entwurf ihres damals noch mit „Colette and Willy“ betitelten Drehbuchs zu verfassen. In dieser Zeit lernten sie auch Colettes Enkelin kennen und hatten durch ihre Unterstützung die Möglichkeit noch viel tiefer in ihr Leben und ihre Werke einzutauchen. Auf dem langen Weg zur Spielfilmgeschichte (fast 17 Jahre mit Unterbrechungen) mussten die Autoren Kleinigkeiten aus ihrem komplexen Leben anpassen, damit die Geschichte als Film gut funktioniert. Ein im Grunde unumgänglicher Schritt, der dem Produkt aber nicht geschadet hat.

Die Famile Colette
Die Famile Colette © DCM

Im Zentrum von „Colette“ steht die Ehe zwischen ihr und Willy, die alle Phasen einer Beziehung druchläuft und in besonderem öffentlichen Licht steht. Das Spiel zwischen den Hauptfgiguren Dominic West (Tomb Raider, 300) als Henry Gauthier-Villars alias Willy und Keira Knightley (Der Nussknacker und die vier Reiche, Fluch der Karibik) als die 14 Jahre jüngere Colette ist wahnsinnig authentisch, ehrlich und irgendwie auch bizarr. Eine Art Hassliebe, die zuletzt nur noch durch die „Claudine“-Bücher lebt und atmet. Beide Schauspieler spielen ihre Rollen mit einem grandiosen Feingefühl, welches auch dem Zuschauer nicht verborgen bleiben wird. Lediglich die Erotikszenen mit Frauen wirken bei Knightley noch ein wenig künstlich.

Inhaltliche Kleinigkeiten könnten außerdem beim Zuschauer vorübergehend für Verwirrung sorgen, stören dennoch kaum den Fluss. Doch das Ehe-Drama und die Entwicklung Colettes, von der liebevollen und eifersüchtigen Ehefrau zum Protegé Willys und ihre darauf folgende Emanzipation, wird allerdings in 112 Minuten so detailliert beleuchtet, dass es dem ein oder anderen auch zu viel werden könnte bzw. zu langatmig.

Nichtsdestotrotz kann man bei diesem Biopic von einer wirklich gelungenen Inszenierung sprechen und einer überzeugenden Keira Knightley, die einer Frau alle Ehre macht, die in Frankreich als erste ein Staatsbegräbnis erhielt.

Filmwertung
7/10

Kurzfassung

Temperamentvolle, sehr interessante biografische Geschichte.

Fazit:

„Colette“ ist eine temperamentvolle, sehr interessante biografische Geschichte, die von ihren Darstellern lebt und vor allem die Fans der herausragenden Schriftstellerin Sidonie-Gabrielle Claudine Colette begeistern wird.


von Aline Nickel

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