Everest – Ein Yeti will hoch hinaus – Filmkritik: Buddykomödie der besonderen Art

Everest in DreamWorks Animation and Pearl Studio’s Abominable, written and directed by Jill Culton.

Die Kritik:

everest – Poster © 2019 DreamWorks Animation LLC. All Rights Reserved.

Liebe, Vertrauen und Geborgenheit ist das höchste Gut des Lebens. Ein jeder strebt danach – bewusst und unbewusst. Gefahr, Angst und Ausweglosigkeit können gemeinsam besser ertragen werden, was auch der zauberhafte Animationsfilm “Everest – Ein Yeti will hoch hinaus“ zeigt.
Dreamworks, die Macher von “Shrek“, “Madagascar“ und “Drachenzähmen leicht gemacht“, vereinen in ihrem neusten Werk erneut eine Gruppe ungleicher Individuen in einem Abenteuer, das sie nur gemeinsam bestehen können.

Im Fokus der Geschichte steht die 14-jährige Yi (deutsche Stimme: Nilam Farooq), die sich nach dem Tod ihres Vaters immer mehr zurückzieht. Ihre Mutter und Großmutter kommen kaum noch an sie heran. Heimlich verdient sie Geld, um eines Tages ihre Geburtsstadt Shanghai verlassen zu können und die Reisen zu unternehmen, die ihr Vater immer plante.

Yi (Nilam Farooq) mit ihrer Mutter und Großmutter, Nai Nai

Auf dem Dach ihres Wohnhauses hat sie sich eine Ruhestätte gebaut, wo sie heimlich auf der Geige ihres Vaters spielt. Eines Tages entdeckt sie dort einen Yeti, der kurz zuvor aus einem geheimen Versuchslabor entkommen ist. Während Zoologin Dr. Zara, im Auftrag des reichen Tiersammlers Mr. Burnish, mit ihrer Armee auf der Suche nach der “Bestie“ ist, freundet sich Yi mit dem Wesen an. Schnell findet sie heraus, dass der Yeti in großer Gefahr schwebt. Als er sehnsüchtig ein Plakat des Everest bestaunt, ist sich Yi sicher, dass dort seine Heimat ist. Kurzerhand entscheidet das Mädchen, dass es dem weißen Riesen, den sie fortan Everest nennt, zu Seinesgleichen zurückbringen will.

Yi und Everest

Unfreiwillig weiht sie Nachbarsjunge Jin (Julien Bam) und dessen kleinen Cousin Peng in ihr Geheimnis ein. Gemeinsam mit ihnen begibt sie sich auf eine Odyssee quer durch China. Die drei Freunde und der Yeti lernen sich während der beschwerlichen Reise kennen. Bald vertrauen sich alle vier blind und trotzen allen Problemen. Doch Dr. Zara ist ihnen dicht auf den Fersen…

Dr. Zara

Dreamworks ist mit “Everest – Ein Yeti will hoch hinaus“ ein einfühlsamer und zugleich amüsanter Animationsfilm gelungen, der auch ernste Töne anschlägt. Die Geschichte thematisiert den Verlust eines geliebten Menschen und zeigt, wie Yi mit der Trauer um ihren Vater umzugehen lernt. Zugleich muss der Yeti sich fernab seiner Familie in der Welt der Menschen durchsetzen und um sein Leben kämpfen. Yi und Yeti stammen aus unterschiedlichen Welten und sind sich doch so ähnlich. Sie beide hatten einst Hoffnungen, die durch einen Zwischenfall zerstört wurden. Doch je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto mehr erfahren sie über den anderen. Im Zusammensein lernen sie aber auch sich selbst neu zu entdecken. Beide schöpfen wieder Mut und Hoffnung, während sie ein unglaubliches Abenteuer erleben.

Burnish

Zugleich reißt der Film an, wie sich die Menschen über andere Individuen erheben und sie bezwingen wollen. Die Macht der Menschen über die Tierwelt wird in der Figur von Mr. Burnish gebündelt. Als selbsternannter Tiersammler will er alles besitzen, was einzigartig und selten ist. Seien es die sonderbaren “Hup-Schlangen“, die im Laufe des Films mehrfach erscheinen, oder der seltene Yeti. Das Verhalten des Sammlers übersteigt alle Grenzen – sowohl ethische, als auch moralische, und wird dadurch selbst für die Kinder im Kinosaal als falsches Verhalten erkannt. Dennoch ist Mr. Burnish nicht der wahre Bösewicht der Geschichte. Diese Position nimmt eine andere Figur ein, wodurch die Geschichte einen unerwarteten Wendepunkt erreicht.

Yi, Peng und Everest

Die Geschichte ist spannend und gefällt mit den vielen Wendungen und Überraschungen. Einzigartig wird der Film jedoch durch seinen grandiosen Look. Sei es die Stadt Shanghai, die Bergwelt des Everest oder der Ritt durch die Wolken, jede einzelne Szene überrascht mit unglaublichen Kulissen, die wie ein Postkartenmotiv wirken. Getaucht in kühle Farben oder leuchtende Pastelltöne, das Farbspektrum scheint schier unendlich. In diesen gigantischen, detailreichen Kulissen fügen sich die Figuren naht-frei ein. Yi und ihre Freunde entsprechen mit ihrem Aussehen perfekt dem Handlungsort, ohne als Stereotype wahrgenommen zu werden. Die tierischen Figuren und besonders der Yeti mit seinen strahlend blauen Augen erobern die Zuschauer im Sturm.

Everest und Yi

Untermalt wird das Ganze immer wieder von den seichten Melodien von Komponist Rupert Gregson-Williams (“Wonder Woman“), die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung ziehen. Das Geigenspiel rührt zu Tränen und verdeutlicht die Gefühle der Figuren besser, als tausend Worte es hätten können. Doch trotz der ernsteren Momente wirkt der Film zu keinem Moment beklemmend oder trübsinnig. Ganz im Gegenteil. Die vielen heiteren Momente, die größtenteils dem tapsigen Yeti zu verdanken sind, sprühen vor Lebensfreude und laden zum Lachen und Schmunzeln ein.

Yi und Everest

Zauberhafter Animationsfilm, der berührt.
8/10

Summary

Die Freundschaft zwischen Mensch und Tier wird auf berührende Art und Weise zelebriert.

Fazit:

Mit “Everest – Ein Yeti will hoch hinaus“ haben die Macher einen berührenden, lustigen und optisch gigantischen Film geschaffen, der die gesamte Familie verzaubert. Für Tierfreunde, Abenteurer, Weltentdecker und Freunde der Animationsfilme vereint dieser Film alles, was man auf der Leinwand erwarten kann.


von Sandy Kolbuch

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