Tenet: Filmkritik zum Actionthriller von Christopher Nolan

John David Washington und Robert Pattinson in Tenet
John David Washington und Robert Pattinson in Tenet © Warner Bros.

Die Kritik:

Tenet - Poster
Tenet – Poster © 2020 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.

Nach mehrfachen Verschiebungen startet nun endlich Christopher Nolans neuer Film „TENET“ in den deutschen Kinos. Dabei geht es um einen Protagonisten, welcher den Untergang der Welt verhindern muss. Nolan typisch spielt Zeit abermals eine entscheidende Rolle dabei. Doch ist der „TENET“ nun die langersehnte Hoffnung nach der Corona-Durststrecke oder sollte man sich den Kauf der Kinokarte lieber sparen? Dies und noch mehr erfahrt ihr nun in meiner Kritik.

Der Protagonist (John David Washington) muss eine folgenschwere Entscheidung treffen. Entweder opfert er sein Leben oder er verrät seine Kameraden. Die Konsequenzen seiner Entscheidung bringen ihn auf eine neue Mission, welche über dem nationalen Gesetz steht. Er soll nämlich im Alleingang den Weltuntergang verhindern. Dabei ist er nur mit dem Wort TENET bewaffnet, welches manch eine Tür öffnet, andere jedoch wiederum verschließt. Ziel des ganzen ist es, den Waffenhändler Andrei Sator (Kenneth Branagh) ausfindig zu machen, da dieser anscheinend mit der Zukunft kommunizieren kann. Er hat die Macht Gegenstände zu inverdieren und so den Lauf der Zeit umzukehren. Ein Wettlauf gegen und in Richtung der Zeit beginnt.

„TENET“ beginnt im Media Res. So wird der Zuschauer sofort ohne jegliche Erklärung in die Handlung geworfen. So fühlt man sich zu Beginn genauso wie der Protagonist, welcher die Welt auch erst nach und nach versteht. Der erste Akt fühlt sich dabei wie ein typischer Spionagefilm an. Doch sobald die Zeit eine immer wichtigere Rolle spielt, ist der Film voll in Nolans typischen Element. Doch diesmal hat es Nolan dabei etwas zu übertrieben. So sind so gut wie alle Dialoge nur Exposition, welche dem Zuschauer die Handlung erklären. Diese Schwäche hatten seine Drehbücher schon immer, doch hier fällt es besonders stark auf. So laufen Figuren auch mal gerne zwei Minuten geradeaus, um dem Zuschauer die Geschichte zu erklären. Die Zeitthematik wurde hingegen mehr als überragend umgesetzt. So handelt es sich bei „TENET“ um keinen Zeitreisefilm a la „Avengers: Endgame“. Die Zeitinversionen, wie diese genannt werden, spielen die bestimmten Momente der Zeit rückwärts ab. So wird eine Kugel von einer Waffe aufgefangen, statt abgeschossen. Dieses Element wird auch wunderbar visualisiert. Bemerkenswert ist dabei, dass man so gut wie es geht auf Computer-Effekte verzichtet hat. So war man sich auch nicht zu schade, wirklich eine Boeing 747 für den Film zu crashen.

John David Washington in Tenet
John David Washington in Tenet © Warner Bros.

Jedoch hat die ganze Zeitthematik auch ihre Schattenseiten. So wird das Finale besonders komplex wodurch der Zuschauer eigentlich gezwungen ist, den Film noch ein zweites Mal zu schauen. Denn wo man bei Filmen wie „Inception oder „Interstellar“ auch beim ersten Mal die Möglichkeit hatte, alles zu verstehen, wird „TENET“ gegen Ende hin immer verwirrender. Dies mag vielleicht beabsichtigt sein, jedoch kann man dies auch einfach auf eine verwirrte Erzählweise zurückführen. Die hektische Kamera gegen Ende hin sorgt so zum Beispiel oft für unnötige Verwirrung, wodurch man leicht den Durchblick verliert. Dies trifft auch auf die Kämpfe im Film zu, die Nolan typisch wieder zu schnell geschnitten wurden. Die Action sonst kann jedoch meistens überzeugen. Besonders die Verfolgung auf dem Highway in Estland stellt dabei ein Highlight dar.

Charaktertechnisch weist der Film leider auch einige Schwächen auf. So bleiben die meisten Figuren konstant eindimensional oder unglaubwürdig. Der Protagonist zum Beispiel scheint alles von Beginn an blind zu akzeptieren. Mehr als ein „Woah“ wenn eine Waffe eine Kugel einfängt ist da nicht drin. Auch der von Kenneth Branagh verkörperte Schurke ist nur ein Abziehbild eines Bondbösewichts aus den 60er Jahren. Würden die Figuren nicht von hervorragenden Darstellern wie Robert Pattinson verkörpert werden, hätte man diese schnell wieder vergessen.

Elizabeth Debicki in Tenet
Elizabeth Debicki in Tenet © Warner Bros.

Technisch muss man besonders die Kameraarbeit von Hoyte van Hoytema loben. Dieser fängt mit den IMAX Kameras die Bilder wunderbar ein. Der analoge Look ist dabei einfach stimmig und digital gefilmten Bildern weit überlegen. „TENET“ sollte daher, wenn die Möglichkeit besteht, unbedingt auf analogen Film gesehen werden. Auch der Komponist Ludwig Göransson tritt würdig in die Fußstapfen von Hans Zimmer und liefert einen atemberaubenden Soundtrack.

Filmwertung
7/10

Kurzfassung

Spannender und einzigartiger Spionagefilm, welcher leider etwas zu viel Potential links liegen lässt.

Fazit:

„TENET“ ist bei weitem kein schlechter Film. Jedoch muss sich der Film auch mit den restlichen Werken von Chris Nolan messen lassen. Und hier zieht er leider den kürzeren. „Inception“ hatte die bessere Action, „Dunkirk“ das bessere Timing für die Zeit und die „Dark Knight“ Trilogie die besseren Dialoge. Was bleibt ist daher ein mehr als solider Spionagefilm, welcher sich auf jeden Fall auf der großen Leinwand lohnt. Leider wird einem jedoch „TENET“ auf langer Sicht nicht als eines von Nolans Höhepunkten im Gedächtnis bleiben.


von Phillip Schwellenbach

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