Queen & Slim – Filmkritik: großartige Prämisse

Queen & Slim: Daniel Kaluuya, Jodie Turner-Smith
Queen & Slim: Daniel Kaluuya, Jodie Turner-Smith © Universal Pictures

Die Kritik:

Queen & Slim Hauptplakat
Queen & Slim Hauptplakat © 2019 Universal Pictures International Germany GmbH

„Was, wenn Bonnie und Clyde nicht nur unschuldig, sondern auch schwarz wären?“. Diese Frage drängt sich dem Zuschauer beim Schauen des neuen Daniel Kaluuya Films unweigerlich auf. In dem neuen romantischen Thriller von Regiedebütantin und Grammy-Preisträgerin Melina Matsoukas, die in den letzten Jahren für die Musikvideos von u.a. Beyoncé verantwortlich war, spielt der junge Brite mit Newcomerin Jodie Turner-Smith ein junges Paar auf der Flucht, welches sich für einen aus Notwehr erschossenen Polizisten verantworten muss. Dabei werden sie ungewollt zum Symbol einer Bewegung, die sich gegen Rassismus und Hass richtet, doch selber nicht vor Gewalt zurückschrecken kann.

Daniel Kaluuya hat einen Lauf: Nach seiner Oscarnominierung in Jordan Peeles Erfolgsfilm „Get Out“ konnte der Brite letztes Jahr erst eine wichtige Rolle im Marvel-Film „Black Panther“ neben Chadwick Boseman und Michael B. Jordan ergattern. Genau letzterer macht momentan auf allen seinen Social Media-Kanälen Werbung für Kaluuyas neuestes Aushängeschild „Queen & Slim“, der von vielen dunkelhätigen Menschen, gerade in den USA, sehnlichst erwartet wird. Soviel sei gesagt: Ihre Erwartungen wird der Film zwar nicht übertreffen, gelungen ist er aber allemal.

Es ist die Prämisse des Films, die „Queen & Slim“ erst so interessant macht. Klar, Filme über die Unterdrückung und schlechte Behandlung von Schwarzen gibt es jedes Jahr, doch nie gab es einen Film dieser Art, in dem die dunkelhäutigen Protagonisten tatsächlich schuldig sind. Wenn man mal den Faktor Notwehr aus dem Spiel nimmt, bleibt unter dem Strich ein Mord an einem Beamten. Dieses Vergehens sind sich sowohl die Hauptfiguren, als auch der Film selbst bewusst und mit diesem Bewusstsein schafft er es auch, die gewisse Distanz zum Handeln der Protagonisten zu wahren. Sie sind gute Menschen, sie haben aus Notwehr gehandelt, sie hatten nie die Absicht, dies zu tun. Dennoch sind sie Mörder, die vor der Justiz fliehen. Regisseurin Matsoukas gelingt also der Spagat zwischen Heroisierung und Verfremdlichung der Charaktere. Es hätte dem Film allerdings gut getan, auch auf der Gegenseite einen Polizisten oder Detektiv als Bindeglied zwischen „Queen & Slim“ und dem Zuschauer zu haben. So würde es diesem unglaublich schwer fallen, zu entscheiden, ob man das Handeln der Hauptfiguren unterstützen oder verurteilen sollte. Mit dieser dritten Hauptfigur hätte man auch die klaffende Leere im zweiten Akt umgehen können, die so aber leider nicht zu übersehen ist. Offensichtlich wollte man den Fokus aber auf dem jungen Paar liegen lassen, was zwar verständlich, aber auch zu wenig Material ist, um den Zuschauer über zwei Stunden bei der Stange zu halten.

Queen & Slim: Daniel Kaluuya, Jodie Turner-Smith
Queen & Slim: Daniel Kaluuya, Jodie Turner-Smith © Universal Pictures

Hauptfiguren, die die Gesellschaftsschichten unbeabsichtigt gegeneinander aufbringen, scheinen zurzeit ein Trend zu sein. Löste Arthur Fleck in “Joker“ von wenigen Monaten noch einen kleinen Bürgerkrieg zwischen den armen und reichen Bewohnern Gothams aus, gelingt es Ernest „Slim“ Hines und Angela „Queen“ Johnson, eine rassengeprägte Rebellion gegen die polizeiliche Gewalt anzuzetteln. Bei den Parallelen, die der Film zur Realität in großen Teilen der Vereinigten Staaten zieht, wäre es keine Überraschung, wenn „Queen & Slim“ der Film des Jahres für die dunkelhäutige Gesellschafft wird. Die Geschichte wird so realitätsnah erzählt, dass es kaum zu glauben ist, dass die Handlung auf keiner wahren Begebenheit beruht. Obwohl er filmtechnisch gerade einmal durchschnittlich inszeniert ist und auch bild- und tontechnisch keine hohen Maßstäbe setzt, bringt er doch eine kraftvolle Botschaft mit sich. Es ist ein Film, der auf die Gewalt und des Rassismus gegenüber Schwarzen aufmerksam machen will, ohne dabei die weiße Gesellschaft zu verteufeln. Es ist ein Film, der Kontroversen über die Macht der Polizei und des Staates auslösen wird. Es ist ein Film, der in einigen Monaten viel bei den Oscars vertreten sein wird, obwohl es sicherlich bessere Filme in diesem Jahr gegeben hat.

Jodie Turner-Smith in Queen & Slim
Jodie Turner-Smith in Queen & Slim © 2019 Universal Pictures International Germany GmbH
Filmwertung
7/10

Kurzfassung

Eine großartige Prämisse, aber leider kein einzigartiger Film.

Fazit:

„Queen & Slim“ schafft es trotz einer großartigen Prämisse leider nicht, ein einzigartiger Film zu sein. Die Lauflänge des Films ist schlicht zu lang, als dass man über die gesamten zwei Stunden mit Spannung mit dem Schicksal der Hauptfiguren mitfiebern kann. Es entsteht ein zu großer Durchhänger voller Ideenlosigkeit im zweiten Drittel des Films. Man hatte vor dem Drehbuch wohl eine Idee für den Anfang und das Ende des Films, wusste aber nicht genau, wie man diese verbinden sollte. Trotzdem bleibt ein gelungener Film, der wegen seiner Botschaft, seinen Dialogen und den tollen Darstellern durch und durch sehenswert ist, allerdings den Sprung zu etwas Außergewöhnlichem nicht schafft.


von Tavius Audersch

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