Kritik zum packenden Historiendrama „King’s Land“

Mads Mikkelsen als Ludvig Kahlen in "King's Land" © Plaion Pictures
Mads Mikkelsen als Ludvig Kahlen in "King's Land" © Plaion Pictures

Die Kritik:

Dänemark im 18. Jahrhundert: Der aus einfachen Verhältnissen stammende ehemalige Hauptmann Ludvig Kahlen (Mads Mikkelsen) hat ein ambitioniertes Ziel, das ihn restlos antreibt. Er will das drei Drittel Dänemarks umfassende, karge und bislang als unfruchtbar geltende Land der Jütländer Heide bewirtschaften. Das dänische Königshaus um König Frederik V. stimmt dem Unterfangen zu und verspricht Ludvig im Falle des unwahrscheinlichen Erfolgs ein eigenes Landgut samt Adelstitel. Das Unternehmen entpuppt sich wie zu erwarten als schwer, was nicht nur an den harten Begebenheiten und den plündernden Gesetzlosen aus dem nahe gelegenen Wald liegt. Vor allem ist es der adelige wie machthungrige und skrupellose Landbesitzer Frederik de Schinkel (Simon Bennebjerg), der Ludvig mit allen Mitteln das Leben zur Hölle macht…

Regisseur und Autor Nikolaj Arcel hat bereits mit dem Oscar-nominierten „Die Königin und der Leibarzt“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er ein Händchen für lebendige Historienfilme hat. Mit „King’s Land“ liefert er einen weiteren sehr starken Vertreter, der eine packend und wirkungsvoll erzählte Geschichte erzählt, die bei der Stange hält und trotz aller Schwere eine gewisse Leichtigkeit nicht vergisst.

Mads Mikkelsen als Ludvig Kahlen in "King's Land" © Plaion Pictures
Mads Mikkelsen als Ludvig Kahlen in „King’s Land“ © Plaion Pictures

Im Mittelpunkt dieser von Idealismus, Determination, Klassenkampf, Rassismus und Liebe handelnden Geschichte steht das Duell zweier ungleicher Männer: Auf der einen Seite steht der stoische, voller unterdrückter Emotionen steckende Ludvig, der entgegen aller Widerstände an seinem scheinbar utopischen Ziel festhält. Für seine Belegschaft erscheint der wortkarge Mann als mysteriös und unnahbar, sein Drang zur Perfektion stellt zudem eine Herausforderung für sie dar. Auf der anderen Seite findet sich der eitle Gockel Frederik, der nur aufgrund des Ablebens seines Vaters in überaus privilegierter Position als Herrscher über ein luxuriöses Landgut verfügt. Sein Leben in Reichtum genügt dem zum Sadismus neigenden Großmaul nicht aus, weshalb er es auf die umliegende Heide abgesehen hat. Alleine aus Prinzip erhebt er Anspruch auf das Land, das er jedoch erst einmal Ludvig entreißen muss.

Arcel und Co-Drehbuchautor Anders Thomas Jensen zeichnen hier eine klar umrissene Geschichte, die sofort zugänglich und packend ist. Mads Mikkelsen ist dabei natürlich die gewohnt dankbare Präsenz, die den Film mit magnetischer Präsenz schultert und sein wuchtiges Zentrum bildet. So folgt man diesem Mann auf seinem ehrgeizigen Weg, spürt die Schwierigkeiten und die körperliche wie mentale Herausforderung, aus einer brachliegenden Einöde ein blühendes und ertragreiches Land zu schaffen. Einen kommentierenden Blick schaffen Arcel und Jensen mit dem bediensteten Paar Ann Barbara (Amanda Collin) und Johannes (Morten Hee Andersen), die ihrem ehemaligen Arbeitgeber de Schinkel entflohen sind. Auch mit von der Partie ist Frederiks Verlobte Edel Helene (Kristine Kujath Thorp), die für den aristokratischen Tyrann nichts empfindet und stattdessen ausgerechnet ein Auge auf Ludvig geworfen hat.

Simon Bennebjerg als Frederik De Schinkel  in "King's Land" © Plaion Pictures
Simon Bennebjerg als Frederik De Schinkel in „King’s Land“ © Plaion Pictures

Der Film schildert also zum einen das schwierige Landleben, lebt aber vor allem von seiner mitreißenden Erzählung und dramatischen Zuspitzungen. So steht letztlich das Duell David gegen Goliath beziehungsweise Ludvig gegen Frederik im Mittelpunkt. Hier wechseln sich die Machtverhältnisse und die taktischen Vorteile immer wieder ab, wodurch die Erzählung dynamisch bleibt und nie zum Stillstand kommt. Das liegt dann auch unzweifelhaft an der Figurenzeichnung, die zunehmend ihre Komplexität im Stile klassischen Geschichtenerzählens offenlegt. Da wäre vor allem Ludvigs Hausmagd Ann Barbara zu nennen, die im Handlungsverlauf eine immer größere Rolle bekommt, während das dunkelhäutige Roma-Mädchen Anmai Mus, die zu Beginn von den Wegelagerern zum Stehlen missbraucht wird, zum unerwarteten Adoptivkind im Haushalt Kahlen wird. So ist „King’s Land“ im Herzen auch eine Geschichte über eine unwahrscheinliche Familie, über das Zusammenkommen von Außenseitern, die sich unerwartet gegenseitig erfüllen.

Eine weitere große Stärke dieses stimmungsvollen Historienfilms ist dann auch die hervorragende Kameraarbeit von Rasmus Videbæk, dessen malerische Bildkompositionen zum Bemerkenswertesten gehören, was in letzter Zeit auf der Leinwand zu bewundern war. Arcel baut von Beginn an einen unbestreitbaren Sog mit dem an klassische Westernmotive erinnernden „King’s Land“ auf. Man fiebert mit Ludvig und seinen MitstreiterInnen mit und entwickelt zugleich einen erheblichen Hass auf seinen geckenhaften Kontrahenten, der zudem dankbarerweise nie zur überzeichneten Karikatur wird. Das alles entlädt sich schließlich in einem bemerkenswerten Finale, das einen überraschend harten Punch setzt. Hier fühlt man den berühmten Schlag in die Magengrube, wodurch aus einem sehr guten Historienfilm auch dank des subtil berührenden Epilogs ein richtig starker Film am Ende zu Buche steht.

Kristine Kujath Thorp als Edel Helene in "King's Land" © Plaion Pictures
Kristine Kujath Thorp als Edel Helene in „King’s Land“ © Plaion Pictures
Kritik zum packenden Historiendrama "King's Land"
8.5/10

Kurzfassung

Packendes und bildgewaltiges Historiendrama mit einem gewohnt magnetischen Mads Mikkelsen

Fazit:

Nach seinem Hollywood-Flop „The Dark Tower“ findet Regisseur Nikolaj Arcel wieder zu seinen Wurzeln zurück und erschafft ein packendes und äußerst bildgewaltiges Historienepos alter Schule. Ein gewohnt herausragender Mads Mikkelsen bildet das Zentrum in diesem mitreißenden und von dramatischen Zuspitzungen lebenden Films, der nicht nur Machtduell sondern auch unerwarteter Familienfilm ist.


von Florian Hoffmann

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