Hexen hexen: Das Remake in der Kritik

Anne Hathaway als Oberhexe in Hexen hexen
Anne Hathaway als Oberhexe in Hexen hexen © Warner Bros.

Die Kritik:

Hexen hexen - Filmplakat
Hexen hexen – Filmplakat © Warner Bros.

Auch heute noch wird es vermutlich vielen Kindern der 90er eiskalt über den Rücken laufen, wenn sie an Nicholas Roegs und Jim Hensons kultige Roald Dahl-Adaption von „Hexen hexen“ denken. Was der eigenwillige Brite (der mit vorangegangen Filmen wie „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ oder „Der Mann, der vom Himmel fiel“ ohnehin schon eine überaus unkonventionelle Wahl für die Regie eines Kinderfilms war) gemeinsam mit Puppenvirtuose Jim Henson schuf, darf mindestens als künstlerisches Wagnis bezeichnet werden. Obwohl Autor Roald Dahl mit dem von Roeg und Henson abgewandelten Ende seines Kinderbuchs derart unzufrieden war, dass er seinen Namen von dem fertigen Projekt nehmen wollte, gilt „Hexen Hexen“ als eine der besten und beliebtesten Dahl-Verfilmungen. 30 Jahre nach Veröffentlichung des Originals erscheint nun das Remake dieses vielleicht gruseligsten aller Kinderfilme, für das sich Oscar-Gewinner Robert Zemeckis verantwortlich zeichnet. Auch wenn der Film manch interessante Neuerung bietet und auch weitestgehend werkgetreu ist, erscheint die Neuauflage letztlich eher überflüssig und weit entfernt von dem kreativen Genie der Roeg-Version.

In einer der wesentlichen Änderungen zum Original wird der Schauplatz von Norwegen und später England auf das Alabama der späten 60er Jahre verlegt. Der nun namenlose junge Protagonist (Jahzir Kadeem Bruno) ist in Zemeckis Version interessanterweise ein Afroamerikaner, der aber genau wie im Original zu Beginn seine Eltern bei einem Autounfall verliert und fortan bei seiner Großmutter (Octavia Spencer) aufwächst. Hier setzt Zemeckis interessante Akzente, denn war der tragische Tod der Eltern in der Version von 1990 eher eine Randnotiz und schlichter Plotkatalysator, spielt die Trauerbewältigung und langsame Annäherung zwischen Enkel und Großmutter hier nun eine größere und durchaus stellenweise fein gezeichnete Rolle. Auch neu: der erwachsene Held (von Chris Rock gesprochen) führt nun als Erzähler durch den Film und etabliert wie die Großmutter im Original die Grundinfos zu Hexen: Diese weilen versteckt unter uns, tragen allerdings Handschuhe und Perücken, um ihre Klauen beziehungsweise schuppigen Glatzen zu verstecken. Sie hassen Kinder über alles, die sie am liebsten alle eliminieren würden. Ihre boshafte Anführerin ist die Großhexe (Anne Hathaway), die ihre geheime Zusammenkunft mit den Hexen dieser Welt ausgerechnet in das luxuriöse Hotel verlegt hat, in dem auch der Held mit seiner Großmutter verweilt…

Octavia Spencer und Codie-Lei Eastick in Hexen hexe
Octavia Spencer und Codie-Lei Eastick in Hexen hexen © Warner Bros.

Es ist kein Geheimnis, dass der Masterplan der Großhexe darin besteht, alle Kinder dieser Welt mittels eines Zaubertranks in Mäuse zu verwandeln, um sie leichter vernichten zu können. So geschieht es auch mit dem Protagonisten und dem jungen Briten Bruno Jenkins (Codie-Lei Eastick), die nun als kleine Nager durch das riesige Hotel flitzen, um sich an den Hexen zu rächen.

Zeichnete sich das Original durch seine skurrile und gruselige Atmosphäre sowie vor allem den fantastischen handgemachten Effekten und Masken aus, verlässt sich Zemeckis wie gewohnt auf visuelle Opulenz, elaborierte Computereffekte und Kameratrickserei. Hier verliert der Film dann trotz hochwertiger CGI-Arbeit dann leider im Vergleich zum Original, das einfach bedeutend greifbarer und damit unheimlicher daherkommt. Bedauerlicherweise muss auch festgestellt werden, dass Anne Hathaway einfach nicht an die großartige Anjelica Huston heranreicht: Die Oscar-Gewinnerin kommt mit ihrem dick aufgetragenen undefinierbar umherschwankenden Akzent, theatralischem Gehabe und schlicht überlebensgroßem Auftritt merkwürdig bemüht und wie im falschen Film daher, während Huston ihre erotisch-bedrohliche Ausstrahlung mühelos zur Geltung gebracht hat. Den Horror ihrer fratzenartigen Maske, die durch das Abstreifen ihrer zweiten Haut offenbart wird, vergisst man sicher nie. Die weit aufgerissenen dämonischen Münder und plötzlich spitzen Zähne à la „Venom“ in Zemeckis Remake haben hier und da auch ihren unheimlichen Effekt, sind aber längst nicht so wirkungsvoll und eigenständig wie Hustons groteskes Antlitz.

Anne Hathaway in Hexen hexen
Anne Hathaway in Hexen hexen © Warner Bros.

Überhaupt sorgen die stets sichtbaren Joker-artigen Narben neben den Mündern in der erzählerischen Logik für einen kontraproduktiven Effekt, denn so können die Hexen wohl kaum inkognito leben. Auch die Mäuse sind sicherlich stark animiert, doch natürlich geht der haptische Charme der Kombination aus virtuoser Puppenarbeit und echten Mäusen völlig verloren. Die Sets und das prächtige Südstaaten-Hotel ist dennoch opulent ausgestattet, die fabelhaft von Joanna Johnston entworfenen Kostüme erweisen sich mindestens als Kandidat für eine Oscar-Nominierung und Zemeckis Stammkameramann Don Burgess sorgt für eine gewohnt agile und stellenweise schwindelerregende Kamera.

Dennoch, auch Zemeckis Version wird sicherlich bei mutigen Kindern Gefallen finden und für manchen Albtraum sorgen. Besonders eine Szene, bei der Hathaway die nun in Mäuse transformierten Kinder verfolgt und dabei ihre Arme in einem Luftschacht immer weiter krachend vergrößert, ist ernsthaft angsteinflößend und auch für erwachsene Zuschauer effektiv. Am ehesten erinnert „Hexen hexen“ an den Zemeckis von „Der Tod steht ihr gut“ und ist keineswegs ein schlechter, aber auch eben nicht viel mehr als durchschnittlicher Film. Echte Magie, Inspiration oder echte Spannung kommt hier allerdings nur selten auf.

Hexen hexen: Die Kinder wurden in Mäuse verwandelt
Hexen hexen: Die Kinder wurden in Mäuse verwandelt © Warner Bros.

Octavia Spencer gehört sicherlich zu den besten Aspekten des Films, auch wenn sie die gewohnte Rolle der fürsorglich-warmherzigen wie schlagfertig-cleveren Mutti (diesmal Omi) mittlerweile im Schlaf spielen kann. Hathaway ist wie erwähnt weitestgehend eine Enttäuschung, die meist im luftleeren Raum agiert, während Stanley Tucci als nervöser Hotelmanager in seiner gewohnten Exzentrik durchaus Freude bereitet. Die Kids sind solide, werden aber ab der Hälfte ohnehin durch CGI-Mäuse ersetzt. Wirklich Dimension kriegen die Parts nicht, sodass der abenteuerliche Charakter eine potentiell berührende Geschichte über Trauerbewältigung und Erwachsenwerden völlig überschattet. Auch ein durchaus vorhandener Subtext über Afroamerikaner in einer primär weißen Südstaaten-Umgebung wird angedeutet, bleibt aber eigentlich ungenutzt und unterentwickelt. So bleibt man am Ende seltsam leer zurück, auch wenn der Film durchaus solide Unterhaltungswerte bietet und zumindest im gegenwärtigen Mainstream-Familienkino für selten mutige Schreckensbilder sorgt.

Filmwertung
6/10

Zusammenfassung

Solide Unterhaltung für das Mainstream-Familienkino.

Fazit:

Robert Zemeckis liefert mit „Hexen hexen“ eine werkgetreue, unterhaltsame und opulent produzierte Neuauflage des Roald Dahl-Klassikers, die leider nicht an das exzentrische Genie der kultigen Erstverfilmung heranreicht. Für mutige Kinder bietet der Film aber allemal spannendes Abenteuer- und Gruselkino, das für manchen Albtraum sorgen wird. Ansonsten bleiben interessante Ansätze merkwürdig unterentwickelt und überhaupt kommt das Remake merkwürdig ziel- und zahnlos daher.


von Florian Hoffmann

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