Blackbird – Eine Familiengeschichte: Effektives Familiendrama mit bärenstarken Darstellern

Blackbird - Eine Familiengeschichte: Lily (Susan Sarandon) hat eine Entscheidung getroffen
Blackbird - Eine Familiengeschichte: Lily (Susan Sarandon) hat eine Entscheidung getroffen © LEONINE

Die Kritik:

Blackbird - Eine Familiengeschichte - Filmplakat
Blackbird – Eine Familiengeschichte – Filmplakat © LEONINE

„Blackbird – Eine Familiengeschichte“: selten war ein deutscher Nebentitel treffender. Der neue Film des „Notting Hill“-Regisseurs Roger Michell ist eine Neuverfilmung des 2014 in Dänemark gestarteten „Silent Heart“ und handelt von einer etwas älteren Frau, Lily, (Susan Sarandon), die, nach Absprache mit ihrem Mann Tom (Sam Neill) aufgrund einer stetig schlimmer werdenden Krankheit den Freitod durch Medikamente wählen möchte. Aus diesem Anlass lädt sie ihre engste Freundin (Lindsay Duncan), ihre Töchter, deren Partner (Rainn Wilson; Bex Taylor-Klaus) und ihren Enkel (Anson Boom) ein, welche allesamt von ihrer Entscheidung wissen, jedoch durchaus anders über eben diese denken. Allerdings ist der geplante Freitod nicht das einzige Geschehnis mit Konfliktpotenzial und so spielt die Vergangenheit, besonders die Beziehung der beiden Töchter, Jennifer (Kate Winslet) und Anna (Mia Wasikowska), eine wichtige Rolle.

Mit nur knapp 98 Minuten Laufzeit ist „Blackbird – Eine Familiengeschichte“ für einen Film mit einem solchen Thema, rein oberflächlich und ohne inhaltliches Vorwissen betrachtet, doch relativ kurz geraten und das hat die zwei folgenden Gründe: Ethisch wird das Thema ‚Sterbehilfe / Suizid‘ kaum unter die Lupe genommen und Roger Michell verzichtet allgemein auf überflüssige Szenen jedweder Art. In „Blackbird“ geht es vorrangig nicht um Suizid und der Film will seine Handlung auch nicht in die Länge ziehen. Es geht um eine letzte und schöne gemeinsame Zeit, die Lily mit ihren Liebsten verbringen möchte. Jetzt hier jeden Konflikt zu benennen ist ohne Spoiler nicht möglich, weshalb an dieser Stelle darauf verzichtet wird, dennoch sei gesagt, dass „Blackbird – Eine Familiengeschichte“ mit noch viel mehr um die Ecke kommt, als nur den typischen Kleinigkeiten, über die in einer Familie eben debattiert wird. Gestützt wird der Film inhaltlich vorrangig durch die authentischen Dialoge und den flotten Erzählstil, durch welchen keine Längen entstehen.

Blackbird - Eine Familiengeschichte: Lily (Susan Sarandon) hat sich für die Weihnachtsfeier schick gemacht
Blackbird – Eine Familiengeschichte:
Lily (Susan Sarandon) hat sich für die Weihnachtsfeier schick gemacht © LEONINE

Das nächste Zugpferd von „Blackbird – Eine Familiengeschichte“ ist zweifelsohne das fabelhafte Ensemble rund um Susan Sarandon („The Rocky Horror Picture Show“), Sam Neill („Jurassic Park“), Kate Winslet („Titanic“) und Mia Wasikowska („Alice im Wunderland“). Eben diese Darsteller sind auch klar das Highlight des Films, wobei Susan Sarandon ganz besonders gelobt sei, denn sie spielt ihre Rolle sowohl physisch, als auch psychisch sehr aufopferungsvoll und überzeugt auf voller Linie. Das meiste Charisma strahlt hingegen definitiv Sam Neill aus, welcher Lilys sorgsamen Ehemann spielt, der innerlich seinen Frieden mit ihrem Tod gefunden zu haben scheint. Mia Wasikowska kann oftmals viel allein mit ihren Blicken erzählen und ihre Figur, Anna, ist die vermutlich am tiefsten erforschte des Films. Leider bleiben einige Figuren in diesem Aspekt ein wenig auf der Strecke liegen, was nicht heißen soll, dass sie platt wären. Jede Figur hat ihre eigenen Wesenszüge und das alles funktioniert im großen Ganzen gut, das Potenzial war jedoch größer, womit man wieder auf die relativ kurze Laufzeit Bezug nehmen kann. Wäre der Film länger, hätten einem die Figuren mehr ans Herz wachsen können, wodurch die Handlung potenziell noch fesselnder geworden wäre.

Blackbird: Lily (Susan Sarandon) und ihr Mann Paul (Sam Neill) vertrauen sich
Blackbird: Lily (Susan Sarandon) und ihr Mann Paul (Sam Neill) vertrauen sich © Leonine

Die Kameraarbeit kann mit vielen langsamen Bewegungen und langen Takes überzeugen, hebt sich aber nicht sonderlich von anderen Vertretern des Genres ab, was genauso auch über die musikalische Untermalung gesagt werden kann. Auch hier bewegt sich alles auf einem guten Niveau, das Potenzial für mehr war aber da.

Filmwertung
8/10

Fazit:

„Blackbird – Eine Familiengeschichte“ ist ein wirklich effizientes Familien-Drama, dass in sämtlichen Aspekten sehr routiniert und sicher daherkommt – vielleicht etwas zu sicher. Ein wirkliches Wagnis geht der Regisseur nur selten ein, wodurch sich der Film ein wenig selbst im Weg steht. Das ändert allerdings nichts an der Effektivität und dem Unterhaltungswert, mit dem „Blackbird – Eine Familiengeschichte“ daherkommt und vor allem was das Schauspiel-Ensemble angeht wird man nichts als positive Worte verlieren können.


von Tim Gertz

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*