Kritik zum Film The Zone of Interest und dem Mediabook (4K Ultra HD) (+ Blu-ray)

Sandra Hüller spielt Ehefrau und Mutter © LEONINE

Die Kritik:

The Zone of Interest Mediabook
The Zone of Interest Mediabook © LEONINE

The Zone of Interest„, unter der Regie von Jonathan Glazer, behandelt die Thematik des Holocausts auf eine verstörende und besondere Weise (ohne sie explizit zu zeigen). Dafür gab es zwei Oscars, undzwar für den besten Ton und den besten internationalen Film. Für Sammler und Filmliebhaber erschien das Drama nach dem Kinoerfolg in einem 4K-Mediabook. Dieses liegt auch unserer Rezension zu Grunde.

Obwohl der Film auf Deutsch gedreht wurde und hauptsächlich deutsche Schauspieler zeigt (vor allem Sandra Hüller und Christian Friedel), durfte „The Zone of Interest“ bei der Oscarverleihung für das Vereinigte Königreich eingereicht werden, denn er ist eine britische Produktion. Auch Jonathan Glazer ist Brite und die Produktion wurde hauptsächlich von britischen Produktionsfirmen durchgeführt. Gedreht wurde derweil in Polen, wo der Film spielt.

The Zone of Interest Szenenbild
The Zone of Interest -Szenenbild © LEONINE

Basierend auf dem Roman von Martin Amis kriegen wir Ausschnitte des Lebens einer Familie, wo der Vater KZ-Kommandant (Friedel) in Auschwitz ist. Zusammen mit Frau (Hüller) und Kindern lebt er direkt neben seinem Arbeitsplatz – einem Vernichtungslager.

Dabei erzählt Film wahrlich keine typische Holocaust-Geschichte aus der Sicht der Opfer, sondern fokussiert sich auf das alltägliche Leben der Täter. Wir bekommen nicht einmal einen Blick ins Innere des KZs. Diese ungewöhnliche Perspektive gibt dem Zuschauer ein verstörendes Gefühl der Normalität und Banalisierung des Bösen. Die Kamera zeigt das harmonische Familienleben der Höß, während im Hintergrund die Schrecken des Konzentrationslagers kaum sichtbar, aber stets präsent sind. Besonders grotesk wird es, wenn etwa Gartenpartys nicht unweit der rauchenden Ausschwitz-Gaskammern stattfinden. Mehr als einmal fragt man sich, wie Menschen so abgebrüht werden können. Surreal und doch real.

Dieses Video könnte dir auch gefallen!

Bild:

In der 4K-Version von „The Zone of Interest“ kommt die besondere Bildgestaltung besonders zur Geltung. Glazers Einsatz von langen, statischen Einstellungen und symmetrischen Kompositionen erzeugt eine beunruhigende Ruhe, die im starken Kontrast zu den Schrecken steht, die höchstens am Bildrand zu erahnen sind.

Die hohe Auflösung der 4K-Bilder verstärkt diesen Effekt, da sie eine kristallklare Darstellung der Szenen ermöglicht. Jede noch so kleine Bewegung, jedes Detail des Set-Designs wird greifbar, was die trügerische Idylle und die darunter liegende Brutalität noch eindringlicher macht. Ähnliches gilt für die subtile Farbpalette des Films. Die Schärfe der 4K-Auflösung lässt die Texturen der Materialien – von Kleidung bis hin zu den Oberflächen der Möbel – äußerst lebendig erscheinen.

Ton:

Das Sounddesign von „The Zone of Interest“ spielt eine zentrale Rolle in der Erzeugung der beklemmenden Atmosphäre. In der 4K-Version mit hochwertig klingendem Surround-Sound entfalten die Tonspuren ihre volle Wirkung. Die Dialoge sind oft zurückhaltend und nüchtern, während die Geräuschkulisse darum herum leise aber dennoch ständig bedrohlich ist. Geräusche aus dem Hintergrund, wie das entfernte Rauschen der Züge oder gedämpfte Schreie und Schüsse, dringen unaufdringlich, aber unüberhörbar in das Bewusstsein des Zuschauers.

Auch die Musik, komponiert von Mica Levi, trägt zur bedrückenden Atmosphäre bei. Levi nutzt eine Mischung aus dissonanten Klängen und minimalistischen Melodien, die eine unheimliche Spannung erzeugen. Die 4K-Tonqualität erlaubt es, jede Nuance dieser Soundkulisse zu spüren, von den leisesten Schritten bis hin zu den schwer erträglichen Geräuschen der Gräuel. Den Oscar für den besten Ton gab es als Belohnung.

Extras:

Das Mediabook von „The Zone of Interest“ beeindruckt durch seine hochwertige Gestaltung und das informative, 26-seitige Booklet. Das Cover des Mediabooks ist mit einem stilvollen Artwork versehen. Es besteht aus robustem Material und bietet einen edlen Look und eine angenehme Haptik. Der Rücken des Mediabooks ist minimalistisch schwarz gehalten. So bilden Front- und Backcover allein das zentrale Thema der Gegensätze ab – eine schöne Sache!
Die Innenseiten des Mediabooks sind ebenfalls durchdacht gestaltet. Sie enthalten Szenenbilder, Zitate oder künstlerische Darstellungen, die das Thema des Films vertiefen. Der Inhalt der Interviews beschäftigt sich vor allem um die Entstehung des Films. Sehr lesenswert!

4K-Bewertung
  • 8/10
    Film - 8/10
  • 9/10
    Bild - 9/10
  • 10/10
    Ton - 10/10
  • 8/10
    Extras - 8/10
8/10

Zusammenfassung

Subtil und doch grausam und grotesk.

Fazit:

„The Zone of Interest“ ist ein visuell und akustisch beeindruckender Film, mit einer außergewöhnlichen Herangehensweise. All die Grausamkeiten werden nur angedeutet, nie gezeigt. Eine verstörende Welt der Banalität des Bösen, die nach dem Abspann nachhallt. Filmliebhabern sei das tolle 4K-Mediabook ans Herz gelegt.


von Nicolas Wenger

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. (Kommentar wird erst geprüft)


*