The Night Clerk – Blu-ray Kritik

The Night Clerk: Tye Sheridan und Ana de Armas
The Night Clerk: Tye Sheridan und Ana de Armas © Eurovideo

Die Kritik:

„The Night Clerk“ ist ein Thriller mit einem dramatischen Unterton, in dem es um Bart (Tye Sheridan), einen jungen Mann mit dem Asperger-Syndrom, geht. Dieser ist sozial aufgrund seiner Behinderung nicht sonderlich umgänglich, weswegen er privat mit Aufzeichnungen, die er von seinen Mitmenschen macht, übt. Dies tut Bart auch auf seiner Arbeit. Als Nachtportier überwacht er heimlich Zimmer von Kunden und muss in einer Nacht mit ansehen, wie eine Besucherin ermordert. Die folgenden Ermittlungen rücken Bart, auch aufgrund seiner sozialen Unfähigkeit, in den Fokus der Polizei.

The Night Clerk - Blu-ray
The Night Clerk – Blu-ray © Eurovideo

„The Night Clerk“ möchte in erster Linie darauf aufmerksam machen, dass Menschen mit Behinderungen oftmals von der Allgemeinheit unfair behandelt werden; zumindest ist es das, was sich nach den Ermittlungen der Polizei für einen erschließt. Auf der anderen Seite tut Bart Verbotenes, wenngleich er keinen Menschen getötet hat, oder etwa doch? Wie schnell das Konzept des Films das Genre von Drama auf Thriller wechselt, ist bemerkenswert, jedoch zugleich in der Folge sehr uninteressant. Ja, es fühlt sich fast so an, als würde der Film den Zuschauer für dumm verkaufen, denn eigentlich ist die Antwort auf die Frage, ob Bart der Mörder ist, von der ersten Sekunde an klar. Parallel zu den Ermittlungen der Polizei wird ein zweiter Handlungsstrang eröffnet, in welchem Bart sich in eine junge Frau, Andrea (Ana de Armas), verliebt. Was das genau zur Handlung beiträgt? Nicht viel, außer, dass wieder einmal klar gemacht werden kann, wie unfair Bart behandelt wird. Dass es etliche Szenen in diesem Film gibt, in denen Bart – vermutlich nicht zwingend zu unrecht – hätte weniger gut behandelt werden können, das wird gekonnt ignoriert und als komödiantischer Einwurf verwertet.

Man kommt aus dem Kritisieren fast nicht heraus, jedoch müssen an dieser Stelle auch Mal lobende Worte fallen. Das Grundkonzept von „The Night Clerk“ ist interessant und der Film ist es im Grunde auch. Die Erzählweise ist langsam, was sich zwar mit der Laufzeit von nur 90 Minuten auf dem Papier beißt, in der Umsetzung allerdings relativ gut funktioniert. Zudem ist das Geschehen ziemlich kurzweilig und vor allem eines lässt sich wirklich lobend erwähnen: Das Schauspiel.

The Night Clerk: Ana de Armas
The Night Clerk: Ana de Armas © Eurovideo

Tye Sheridan („Ready Player One“) spielt wirklich gut und wesentlich besser, als man es vermutlich erwartet hätte. Natürlich reicht er keinesfalls an einen Dustin Hoffman, wie er in „Rain Man“, spielt heran, seine Darbietung ist allerdings dennoch sehr beachtlich. Dann wäre da Ana de Armas („Knives Out“, „Blade Runner 2049“), die nicht die Zeit und die entsprechende Figur bekommt, um ihr Können einmal mehr unter Beweis zu stellen, was ziemlich schade ist. Wer dafür allerdings viel aus seinem Spiel macht, das ist John Leguizamo („John Wick“, „Chef“), welcher als Polizist in den Szenen in denen er vorkommen darf durchweg überzeugt. Überall allerdings fehlt es an Figurentiefe, darüber täuschen auch weitestgehend gut spielende Schauspieler nicht hinweg und dies ist abermals eine wirkliche Schwäche des Films.

Die Kameraarbeit ist grundsätzlich auf einem durchschnittlichen Niveau, wäre da nicht die sehr clevere Idee, das Handlungselement der Überwachung auch auf die visuelle Ebene des Films zu übertragen. Oftmals ist die Kamera statisch, das Bild nicht so wie man es sich wünscht und damit ähnlich den Bildern, die man aus Überwachungskameras kennt. Dies ist ein wirklich starker Einfall und in der Umsetzung gelungen, auch wenn dies wohl kaum für irgendwelche Preise oder dergleichen reichen wird. Die musikalische Untermalung ist stimmig, jedoch nicht sonderlich außergewöhnlich und selbiges lässt sich über die restlichen audiovisuellen Aspekten des Films sagen.

Bild:

Das Bild sieht zu jeder Zeit gut aus und die Kameraarbeit überzeugt mit einigen netten Einfällen.

Ton:

Der Sound ist klar, die musikalische Untermalung passend, jedoch nicht sonderlich innovativ. Die Synchronisation ist gut.

Extras:

Das Bonusmaterial umfasst zwei ungefähr 6 Minuten lange Featurettes, welche sich mit der Handlung und dem Cast auseinandersetzen. Leider ist das schon alles, zumal diese beiden Zusammenschnitte auch nicht gerade Bäume ausreißen.

Blu-ray Wertung
  • 5/10
    Film - 5/10
  • 8/10
    Bild - 8/10
  • 7/10
    Ton - 7/10
  • 5.5/10
    Extras - 5.5/10
5.5/10

Kurzfassung

Solider Thriller mit Drama-Elementen, welcher vor allem von seinen Schauspielern lebt.

Fazit:

„The Night Clerk“ hat ein wirklich spannendes Konzept, was leider zu einer Art Gimmick verkommt. Nichtsdestotrotz überzeugen die Darsteller und auch die visuelle Implementierung des Themas ist gelungen, weshalb man den neuen Film von Michael Cristofer („Gia“) im Endeffekt doch noch als ziemlich solide bezeichnen kann. Der Film erscheint hierzulande am 05.11.2020 digital, und am 19.11.2020 auf Blu-ray und DVD.


von Tim Gertz

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