Glengarry Glen Ross: Starkes Drama mit toller Besetzung

Ed Harris in Glengarry Glen Ross
Ed Harris in Glengarry Glen Ross © Turbine Medien

Die Kritik:

Heute ist James Foley den meisten Leuten höchstens ein Begriff, da er für die beiden Fortsetzungen von „Fifty Shades of Grey“ verantwortlich ist. Was viele nicht wissen: 1992 inszenierte er „Glengarry Glen Ross“, bestückt mit einem Cast sondergleichen. Doch worum geht es überhaupt?

Glengarry Glen Ross - Blu-ray
Glengarry Glen Ross – Blu-ray © Studio Hamburg

Die vier Makler Shelley Levine (Jack Lemmon), George Aaronow (Alan Arkin), Dave Moss (Ed Harris) und Richard Roma (Al Pacino) werden mit ihren teils sehr schwachen Zahlen konfrontiert. Infolgedessen kreieren die Bosse – die, die über dem Filialleiter John Williamson (Kevin Spacey) stehen – ein Ultimatum: die zwei besten Verkäufer der beiden bevorstehenden Tage bleiben angestellt und gewinnen zudem noch einen Cadillac oder ein Set Steakmesser, die zwei anderen müssen ihren Posten räumen. Ein Wettstreit wird entfacht und die vier Verkäufer geben auf unterschiedliche Arten und Weisen ihr Bestes, um ihren Job behalten zu dürfen. Als dann auch noch die Polizei einen Diebstahl innerhalb des Büros zu untersuchen beginnt, wird es erst so richtig hitzig…

Aushängeschild des Films ist sicherlich seine Besetzung. Etliche grandiose Darsteller arbeiten Seite an Seite und liefern zudem auch noch verdammt starke Darbietungen ab. Zuallererst muss definitiv Jack Lemmon („The Apartment“) genannt werden, welcher hier jeden anderen Schauspieler in den Schatten stellt. Mit seiner gewohnt charismatischen Ausstrahlung schafft er es stets, sein Publikum in den Bann zu ziehen. Von der ersten Szene an fiebert man mit diesem unheimlich sympathisch auftretenden, in die Jahre gekommenen alten Mann mit, der es jedoch sichtlich faustdick hinter den Ohren hat.

Selbiges lässt sich mit Leichtigkeit auch über die übrigen drei Makler-Verkörperer sagen, doch von denen – Ed Harris („The Truman Show„) und Alan Arkin („Argo„) in allen Ehren – ist es zweifelsohne Al Pacino („Scarface„), welcher Lemmon am ehesten das Wasser reichen kann. Mitunter auch besonders durch seine Verkörperung des Ricky Roma wird dem Publikum klar, mit was für dreckigen Tricks in dieser Branche gearbeitet wird und wie sehr man den Leuten wirklich vertrauen kann, die einen wieder und wieder um den Finger wickeln.

Glengarry Glen Ross - Al Pacino
Glengarry Glen Ross – Al Pacino © Studio Hamburg

Zugegebenermaßen hat man sich in Sachen Figurenzeichnung und -entwicklung nicht überarbeitet, doch darauf legt James Foley auch gar nicht den Fokus des Films. In erster Linie geht es um eine gewisse Hektik und Hinterhältigkeit, die vermittelt werden soll. Besonders wichtig sind dafür die teils wirklich messerscharfen und grandios vorgetragenen Dialoge. Besonders wenn es unter den Verkäufern und ihrem Vorgesetzten heiß hergeht, befinden sich diese Schlagabtäusche sicher auf dem Niveau eines „Wall Street“ von Oliver Stone. Aber auch beispielsweise der ‚Eröffnungsmonolog‘ von dem von Alec Baldwin („Beetlejuice“) verkörperten Blake ist wirklich hörenswert.

Mit der Einarbeitung eines Crime-Plots im zweiten Akt von „Glengarry Glen Ross“ gewinnt der Film dann noch zusätzlich an Stärke und frischem Wind. Noch mehr Drama und Hektik kommen ins Spiel und das zu dem denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Großes steht auf dem Spiel und was des einen möglicher Untergang ist, ist des anderen große Chance. Das Drehbuch von David Mamet ist in dieser Hinsicht wirklich meisterhaft. Auch die Art und Weise wie er es fertig bringt all diesen großen Darstellern eine faire Screentime einzuräumen, ist einfach stark. Jeder darf scheinen, ohne dass auch nur einer – gemessen an seiner Rolle – zu kurz kommt.

Audiovisuell hingegen bleibt Foleys Film eher unspektakulär. Mit einer ordentlichen Kameraführung wird das Geschehen stets sehr vernünftig eingefangen und durch einen passenden Score untermalt, doch wirklich große Momente bleiben hier eher aus. Selbstverständlich braucht man nicht der Gestaltung eines „Lux Aeterna“ nahekommen, doch etwas gewagter hätte man dann doch agieren dürfen.

Bild:

Das Bild der Blu-ray ist jederzeit dem Alter des Films entsprechend gut. Die visuelle Gestaltung des Films ist solide.

Ton:

Der Ton ist stets klar und die musikalische Untermalung ist ebenfalls solide. Über die deutsche Synchronisation kann hier nicht geurteilt werden.

Extras:

Lediglich einige Trailer und ein Wendecover sind als Extra enthalten.

Blu-ray Wertung
  • 8.5/10
    Film - 8.5/10
  • 7/10
    Bild - 7/10
  • 7/10
    Ton - 7/10
  • 1.5/10
    Extras - 1.5/10
7.5/10

Kurzfassung

Starkes Drama mit Krimi-Elementen und Monster-Cast

Fazit:

Dank seines bärenstarken Casts – es tut noch immer weh, dass zwei grandiose Darsteller wie Jonathan Pryce („Die zwei Päpste“) und Kevin Spacey („American Beauty“) keine große Erwähnung in dieser Kritik erfahren durften – und des tollen Drehbuchs, sowie der gekonnten Inszenierung durch James Foley, ist „Glengarry Glen Ross“ sicherlich einer der besten Filme seiner Art. Drama, Hektik und Spannung: all das wird hier auf wunderbare Art und Weise vereint. Da kann man auch Mal über die nicht allzu außergewöhnliche audiovisuelle Gestaltung hinwegsehen.


von Tim Gertz

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