Spider-Man: Alle 8 Filme im Ranking

Spider-Man
Spider-Man © Columbia Pictures / Marvel

Über die Jahre hinweg habe ich, als Fan der Figur, selbstverständlich jeden einzelnen Spider-Man Film gesehen, einige öfter, andere nur einmal, und das mit oftmals stark unterschiedlichen Meinungen über das endgültige Produkt. So ertappte ich mich im Laufe der Zeit öfters bei dem Gedanken, mehr als unschlüssig über das tatsächliche Ranking dieser Filme zu sein.


Während gewisse Filme in meinen Gedanken noch immer gepriesen wurden, war ich mir zunehmend unsicher ob ich, nachdem ich einige seit Jahren nicht gesehen, noch immer dieselbe Meinung vertreten würde. Doch war stets zu wenig Zeit noch einmal alle neu kritisch zu betrachten. Zumindest bis jetzt. So folgt also mein, als Filmkritiker zusammengestelltes, aber eben doch sehr persönliches Ranking aller bisherigen Spider-Man Filme. Dabei zähle ich das Sony- Spin-off „Venom“ nicht mit, da die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft dort nicht auftaucht. Ebenso wenig werden die MCU- Ausflüge im Civil War und den Avengers-Filmen nicht berücksichtigt, da diese ebenfalls keine Spider-Man Filme sind.

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Elektro
The Amazing Spider-Man 2: Rise of Elektro © Columbia Pictures / Marvel

8. The Amazing Spider-Man 2: Rise of Elektro

Okay, mir ist klar, dass auch dieser Film eine gewisse Fanbase hinter sich vereint. In meinen Augen ist kein Spider-Man Film eine wirkliche Katastrophe. Auch wenn man sich hier scheinbar mit jeder Sekunde bemüht, meiner Aussage zu widersprechen. Doch hat auch dieser einige durchaus gelungene Szenen vorzuweisen. Nach wie vor halte ich Andrew Garfield für einen großartigen Spider-Man, seine Chemie mit der von Emma Stone verkörperten Gwenn Stacy ist glaubhafter als alles, was uns Sam Raimi in seiner Trilogie zwischen Peter und MJ beschert hat. Da hört das Lob allerdings auch schon wieder auf. Denn der Rest gleicht einem Debakel. So beginnt der Film mit genau dem unnötigen Subplot aus Teil 1, den dort schon keiner brauchte, hier aber noch nerviger ist. Es folgt eine furchtbare Kampfszene und ich schaue zum ersten Mal genervt, wie lange das hier noch dauern wird. Noch über zwei Stunden. Okay, zusammenreißen und dem Film noch eine Chance geben. Keine 10 min später, nachdem Schurke Nummer 1 von 1000 eingeführt wurde, geschieht es wieder. Ich blicke auf die Uhr, ich versuche mich erneut zusammenzureißen. So wiederholte sich das noch unzählige Male über die Laufzeit dieses Films, bis zu einem wahrlich unterwältigenden Ende. Nicht nur, dass man hier schon wieder viel zu viele Handlungsstränge aufweist, die sich in ihrer Entfaltung zu jeder Sekunde behindern, fühlt sich all das hier nicht einmal wirklich wie ein Film an, mehr wie die verschiedenen Episoden einer schlechten Serie, die hier scheinbar vollkommen wahllos in denselben Film geschnitten wurden. Noch erschreckender wird es, wenn klar wird, dass nicht einmal jeder Strang eine Existenzberechtigung hat. Gerade die ständigen Versuche ein eigenes Filmuniversum zu erschaffen, irritieren mit zunehmender Laufzeit immer mehr.

So ergibt sich ein selten faules Drehbuch, das zu keiner Sekunde die Handlung logisch von A nach B entwickeln kann. Von den idiotischen Motivationen der bescheuerten Schurken, über die katastrophale Exposition, die noch dazu in der besonders schlimmen U-Bahn-Szene aus dem Vorgänger kopiert wurde, bis zur wenig überzeugenden Inszenierung, funktioniert hier mit zunehmender Laufzeit immer weniger. So scheitert man hier vollkommen Filmliebhaber auf seine Seite zu ziehen, während Fans der Figur den Versuch mit ansehen müssen, ihrem Helden in der bereits erwähnten U-Bahn-Szene, das zu rauben, was ihn so einzigartig und unwiderstehlich macht. Er raubt ihm seinen Everyday-Man Charakter. Und das kann man diesem „Film“ nicht verzeihen!

The Amazing Spider-Man
The Amazing Spider-Man © Columbia Pictures / Marvel

7. The Amazing Spider-Man

Hier hatte man nach dem Erfolg der Raimi-Trilogie ein denkbar schweres Erbe anzutreten. Man musste einerseits als Origin-Film der Spinne einige gewohnte Punkte abhaken, gleichzeitig aber innovativ genug sein, um die Existenz eines Reboots zu rechtfertigen. So lässt sich beinahe jedes Element in diesem Film, von der Motivation seiner Figuren, bis zur Regiearbeit, in genau zwei Ordner stecken. In dem einen landet alles was aus Spider-Man 1 schlecht kopiert wurde, in dem anderen alles, was neu kreiert wurde, aber nicht funktioniert. Fairerweise muss man sagen, dass Stone und Garfield, sowie einige absolut großartige Szenen die Ausnahme bilden. Auch Ben und May können wieder überzeugen. Doch der Rest fällt entweder in Ordner A oder B, oder im schlimmsten Fall in beide. Beim Schurken versuchte man sich mit dem Lizard vermeintlich an einer im Kino neue Bedrohung für Spidey. Was rauskommt ist allerdings nicht mehr als eine schlechte Kopie von Norman Osborn aus Spider-Man 1. Trifft auf also beide Ordner zu. Man versucht sich an einem geerdeten, düsteren Stil. Man endet ohne irgendeiner erkennbaren Identität oder Handschrift. Also Ordner B. Man kopiert den Tod von Onkel Ben beinahe eins zu eins, doch ohne den nötigen Aufbau, oder das Pay-off wirkt diese nur wie die billige Version, einer bereits ikonischen Szene. Natürlich in Ordner A…

Nach diesem Muster entwickelt sich der gesamte Film, noch dazu vollkommen planlos weiter. Gefühlt die Hälfte aller Figuren, wird zwischendurch einfach vergessen und auf dem Weg gelassen. Sogar ganze Nebenplots wie das Verschwinden von Peters Eltern (eine Frage, die keiner beantwortet haben muss), werden einfach vergessen. Auch die endlosen Diskussionen über Wissenschaft, führen nach gefühlten Stunden der Belanglosigkeit zu nichts. Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass das Drehbuch alle 15 min umgeschrieben wurde, aus Zeit und Kosten Gründen aber das bereits gedrehte Material einfach im Film gelassen wurde. Doch auch so macht man es sich oft zu leicht. Gerade die Motivationen der Figuren bleiben zu oft ein Rätselt. Warum Peter sich entscheidet Spider-Man zu sein, ist absolut schleierhaft, warum der Plan des Lizard irgendwann ernsthaft ist, New York in Echsen zu verwandeln noch mehr.

Nach langen Überlegungen wurde mir klar, dass ich diesen Film etwas besser einschätze als seinen Nachfolger, einfach aufgrund einiger wenigen Szenen, sowie der zugrunde liegenden Motive und Themen, auch wenn vieles davon schamlos kopiert ist. Es bleibt nicht mehr als ein Reboot, das seine eigene Existenz zu keiner Sekunde zu rechtfertigen vermag, am wenigsten aber seinen eigenen Titel, denn das Ergebnis ist alles andere als „amazing“!

Spider-Man 3
Spider-Man 3 © Columbia Pictures / Marvel

6. Spider-Man 3

Spider-Man 3 ist bis heute der vielleicht am stärksten kritisierte Vertreter aus der Filmographie des Webheads. Schließlich verschwanden die „Amazing Spider-Man“-Filme scheinbar vollkommen aus dem kollektiven Gedächtnis, da offensichtlich weder die Optik, noch deren Inhalt in irgendeiner Form erinnerungswürdig oder originell ist. Hingegen wird über die originale Trilogie des Webheads noch immer gesprochen, diskutiert und z.T. auch gestritten. So ist es sogleich Fluch und Segen für Spider-Man 3, dass man sich durch Sam Raimis stilsichere Inszenierung noch immer an ihn erinnert. In meinen Augen ist er dadurch seinem Reboot klar überlegen, wird aber auch stärker kritisiert, einfach weil man sich mehr an ihn erinnert. Offensichtlich ist Spider-Man 3 kein guter Film. In diesem vollkommen überladenen Drehbuch finden sich zu viele Schurken, die alle absolut unterentwickelt sind. Das Drehbuch, wenn auch besser ausgearbeitet wie im Reboot, tut sich sichtlich schwer seine Geschichten sinnvoll aufzubauen. Vieles passiert, das bei genauerer Betrachtung keine wirklichen Folgen nach sich zieht (Peter unter dem Einfluss von Venom, Harrys Gedächtnisverlust …), wodurch der Film von den eigentlich viel interessanteren Elementen wertvolle Zeit stiehlt.

Sandmans Handlungsstrang zum Beispiel ist durch und durch tragisch, seine Verwandlung die vielleicht beste Szene in all diese Filmen. Mit etwas mehr Screentime hätte man hier einen mitreißenden und nachvollziehbaren Schurken kreieren können, der neben den größten Kinobösewichten der Spinne seinen Platz einnehmen hätte können. So fühlt sich der gesamte Film, wie eine endlose vertane Chance an. Schade. Schließlich kann Raimi, wie bereits gesagt, mit seiner kreativen Regiearbeit durchaus überzeugen, die Romanze funktioniert tatsächlich besser als im Rest der Trilogie, die Action ist mitreißend inszeniert. Doch ist all das schnell vergessen, wenn Peter sich hier auch vor dem Symbionten ständig wie ein Schwein benimmt, er schließlich ernsthaft zu tanzen beginnt, Venom an Lächerlichkeit kaum zu überbieten ist, ein absolut unnötiger Nebenplot um Onkel Bens Mörder auf einmal ausgegraben wird, kaum eine Figur sich nachvollziehbar verhält und der Film auf einer Note endet, die sich absolut unverdient anfühlt, obwohl die ganze Trilogie auf dieses Ende hinarbeitete…

Spider-Man: Homecoming
Spider-Man: Homecoming © Columbia Pictures / Marvel

5. Spider-Man: Homecoming

Nach den drei wenig gelungenen Abenteuern von 2007 bis 2014 kam der berühmte Webslinger endlich mit „Homecoming“ zu Hause an. Und damit kommen wir zu den Spider-Man Filmen, die ich tatsächlich mag, auch wenn ich mit „Homecoming“ bis heute meine Probleme habe. Viele von diesen sind derartig symptomatisch für die Eingliederung in das MCU, dass dieser Film tragischerweise mit dem Superheldeneinheitsbrei der Moderne beinahe vollkommen vermischt, weshalb auch diese Ära der Spinne (zumindest bis jetzt) in einigen Jahren nicht sonderlich viele Erinnerungen hervorrufen wird. So zieht sich durch diesen Film eine beunruhigende Linie an fehlenden Konsequenzen in Spideys Handeln (mit einer mehr oder weniger großen Ausnahme), was als guter Film, mehr noch als gute Spider-Man Geschichte eigentlich als absolute Grundlage dienen sollte. So stellt sich im Laufe des Films gerade bei mir ein zunehmendes Gefühl der Belanglosigkeit ein, das leider selbst durch den zugegeben wirklich gelungenen Twist nie so ganz verschwindet. Auch die wie immer enorm langweilige, Marvel-Optik, wie eh und je frei von jedweder Inspiration, tut dem Film nicht gut, ebenso wenig wie die einfallslose Action und der unnötige Anzug. Schön ist aber, dass auf die gewohnte CGI-„Overdose“ größtenteils verzichtet wird.

So weiß immerhin der Rest beinahe zu jeder Sekunde zu überzeugen. Tom Holland ist als Spider-Man ebenso grandios wie als Peter Parker. Der Humor sitzt genauso wie das ungemein charmante und detailliert eingefangen High School-Setting. Die Romanze ist zwar wieder einmal etwas belanglos wirkt hier aber greifbarer und erinnert an tatsächliche Teenie-Romanze. Auch der von Michael Keaton großartig verkörperte Bösewicht überzeugt, gerade durch eine so ins Spiel kommende emotionale Fallhöhe. So kann und will ich dem Film vieles nicht böse nehmen, da die Figuren funktionieren und hier, für Marvel untypisch, ein Charm und so auch eine Wirkung auf den Zuschauer entwickelt wird, die den Film letztlich über die Ziellinie bringt. Alles andere als perfekt, bin ich nach diesem Film dennoch froh, dass die freundliche Spinne nach jahrelangem Herumirren endlich in der richtigen Nachbarschaft angekommen ist.

Spider-Man: Far From Home
Spider-Man: Far From Home © Columbia Pictures / Marvel

4. Spider-Man: Far From Home

„Far from“ Home wagt etwas, das sich noch kein Spider-Man Film getraut hat. Er holt Spidey aus der gewohnten New Yorker Umgebung heraus und transportiert das Geschehen nach Europa. Dass ihn dort allerdings die üblichen CGI- Schlachten erwarten, trübt die eigentlich frische Idee etwas. Generell macht man aus dieser etwas zu wenig, dazu verlässt sich der Film zu sehr auf die MCU-Formel. Vom austauschbaren Bösewicht, dem etwas zu oberflächlichen Umgang mit tiefgreifenden Themen bis zur gewohnten Struktur kreiert man erneut zu wenig von einer eigenen Identität. Immerhin gelingt „Far From Home“ das mehr als seinem Vorgänger, auch weil der Film deutlich besser inszeniert ist und so auch optisch ansprechender gerät. So entwickelt man sich nach „Homecoming“ in vielerlei Hinsicht nach vorne, ohne selbst zu einem wahrlich großartigen Abenteuer zu werden. Am deutlichsten wird dies bei dem meiner Meinung nach größten Kritikpunkt des Vorgängers, den Konsequenzen innerhalb der Handlung. Während der „Far From Home“ seiner Hauptfigur es hier erneut viel zu leicht macht, werden die Folgen von seinem Handeln hier spürbar vertieft. Ein mitreißenderes Abenteuer entsteht.

Zwar fehlt der Romanze, wie in jedem Spider-Man Film, noch immer ein wirklicher Grund, hier wirkt sie aber greifbarer und liebevoller. Leider weiß der Film aber immer wieder nicht, wie er seine Geschichte harmonisch weiterentwickeln soll, weshalb auf wenig überzeugende Storytelling-Kniffe zurückgegriffen werden, was wohl in der berüchtigten Expositionsszene am deutlichsten wird, als der Schurke bereits Wissenden seinen gesamten Plan und Motivation erklärt, nur weil keiner hinter der Kamera eine Ahnung hat, wie man dem Publikum dies auf intelligentere Weise darlegen könnte. Doch verblassen viele dieser Kritikpunkt, ähnlich wie in „Homecoming“, gegenüber dem unbestreitbaren Charm des Films, der nicht zuletzt auf vielen der Schauspieler, allen voran den jüngeren zurückzuführen ist. Wieder wird das Leben auf der High School liebevoll eingefangen, nicht zuletzt zieht „Far From Home“ vieles seiner Kraft aus diesem Element.

Letztlich steigert man sich gegenüber dem ersten Teil aus filmischer Sicht in beinahe allen Aspekten, mit Ausnahme des austauschbaren Bösewichts, der hier schon wieder als Iron Man-Schurke geschrieben wurde. Leider ist man noch immer nicht auf einem Niveau angekommen, das der Größe und Tragweite der Figur, immerhin ist die Spinne unter der drei größten Superhelden, wahrlich gerecht wird. Ein guter Film, mehr aber auch nicht. Immerhin bietet die Mid-Credit-Scene einen Ausblick auf eine Zukunft, die größeres Potential verspricht. Doch bis dahin wird uns ein charmantes, von Anfang bis Ende unterhaltsames Abenteuer geboten, das seinen Platz in Spideys Filmographie definitiv verdient hat.

Spider-Man
Spider-Man © Columbia Pictures / Marvel

3. Spider-Man

So kommen wir endlich zum ersten wahrlich großartigen Vertreter. Dem Film der den heutigen Superhelden-Boom im Kino erst ausgelöst hat. Ein Film der durch seinen einzigartigen Stil dennoch bis heute heraussticht und dabei in den meisten Aspekten hervorragend gealtert ist. Ganz klar, wer mit dem Vibe, den Sam Raimi und Co. hier erzeugen, nichts anfangen kann, wird sich mit diesem Film schwertun. Vieles, allen voran die Atmosphäre, ist hier spürbar überzeichnet, so sieht gerade das Kostüm des Goblin im Rückblick doch etwas dümmlich aus. Nichts desto trotz entwickelt der Film ein bis heute einzigartiges Feeling, der Grund warum noch immer über ihn diskutiert wird. Klar sind einige Effekte etwas angestaubt und die Action in einigen Momenten etwas cartoonhaft, zudem will die Romanze auch nicht immer so recht zünden. Und doch werden hier noch jetzt atemberaubende Kamerafahrten geboten, die Action ist im Vergleich zu anderen Vertretern noch immer überzeugender, vor allem der brutale Endkampf hat es bis heute in sich. Und dennoch ist unter all diesen schrillen Figuren, den Kostümen und aller Extravaganz ein ehrlicher Kern zu spüren. Etwas das vielen Spider-Man Filmen zumindest in diesem Umfang fehlt.

Durch die intelligente Charakter-Exposition wachsen einem die Figuren direkt ans Herz. Über die Laufzeit hinweg noch mehr. Sie haben nachvollziehbare Probleme und tragen psychische Narben davon, die nicht nur bloße Behauptung bleiben oder als Witz herabgespielt werden. So verwendet der Film Peters Verwandlung in Spider-Man brillant als Metapher für die körperlichen und geistigen Entwicklungen eines Teenagers in genau jenem Alter. „Spider-Man“ berichtet von alltäglichen, nachvollziehbaren Problemen, erinnert uns an jene Phase im eigenen Leben und lässt uns all das auch spüren. Doch schneidet sich all das nicht mit den überzeichneten Elementen, was einem kleinen Wunder gleichkommt. Parallel holt der Film immer wieder atemberaubende Spannungs- und Suspensemomente hervor, deren Wirkung von den zahlreichen Witzen Spider-Mans („That´s a cute outfit! Did your husband give it to yout?“) nicht unterbrochen wird.

„Spider-Man“ ist nicht nur ein toller, bis heute einzigartiger Superheldenfilm, sondern einfach ein toller Coming-of-Age-Film. Trotz dem Superheldenboom der letzten Jahre hat man sich hier ins unwiederbringlich ins kollektive Gedächtnis der Bevölkerung katapultiert, nicht zuletzt wegen Danny Elfmans ikonischem Score, der bis heute den aller anderen Vertreter weit übertrifft. Während die neueren Abenteuer des Webheads im Strudel der Zeit verloren gehen werden, ist „Spider-Man“ schon jetzt unsterblich.

Spider-Man 2
Spider-Man 2 © Columbia Pictures / Marvel

2. Spider-Man 2

Während der Vorgänger oft schon wie unmittelbar aus dem Leben gegriffen wirkte, ist „Spider-Man 2“ beinahe ein direktes Abbild des Lebens als (amerikanischer) Student. Die Probleme der Figuren sind noch nachvollziehbarer, noch herzzerreißender, wirken noch unmittelbarer. Spider-Man ist hier noch verletzlicher als er je wieder sein sollte (die einzige Ausnahme ist auf Platz 1), und das im besten Sinne (seine Taten haben tatsächliche Konsequenzen). Wir fühlen mit Peter, wenn er und Harry sich langsam auseinanderleben. Wir spüren den Stress seines Lebens, das Gefühl der Überforderung, seine Geldprobleme, die Unfähigkeit sein Leben zu balancieren. Wir spüren es, weil wir all das kennen. Wir fühlen mit Peter, weil er ein normaler Mensch ist, mit normalen Problemen, die auch uns vor Herausforderungen stellen. Erneut werden Peters Superkräfte so als interessante Allegorie für etwas sehr Reales und Nachvollziehbares verwendet.

Was bei dem Diskurs über „Spider-Man 2“ oft vergessen wird, ist die Tatsache, wie es das Drehbuch auf brillante Weise schafft zahlreiche Sub-Plots miteinander zu verweben. Denn ähnlich wie im Nachfolger hat man hier eine überraschend hohe Anzahl von Handlungssträngen vorzuweisen. Doch hat hier nicht jeder Strang einen neuen Bösewicht, diese ordnen sich zudem der eigentlichen Story klar unter und beeinflussen sich gegenseitig, ja fließen sogar nahtlos ineinander über. So funktioniert der eigentliche Superheldenaspekt rund um den Kampf gegen einen tragischen, und doch überzeichnete Bösewicht genauso wie die geerdeten Elemente. Alles dient dazu Peter herauszufordern, ihn an den Rand der Belastbarkeit zu bringen. Egal ob durch die hier streckenweise brillante Action, seine Schuldgefühle wegen Bens Tod oder den Verlust seines Pizzabotenjobs.

Da liegt es nur in der Natur der Sache, dass einige Nebenhandlungen weniger interessant sind, als andere. Gerade die Romanze dreht sich zu sehr im Kreis und ist zu vorhersehbar. Insgesamt funktioniert diese also eher im Rahmen der grundliegenden Thematik, weniger als eigener Handlungsstrang.

„Spider-Man 2“ erzählt aus dem Leben und lässt uns dieses fühlen, kombiniert mit einem grandiosen Superheldenabenteuer, etablierte man spätestens hier eine Mischung aus Action und Herz, die in späteren Vertretern oft kopiert wurde, aber noch immer unerreicht ist. Wenn da nicht noch ein Film wäre…

Spider-Man: A New Universe
Spider-Man: A New Universe © Sony Pictures Animation / Marvel

1. Spider-Man: A New Universe

Spider-Man: A New Universe ist für mich eine kleine visuelle und narrative Offenbarung und das obwohl ihn die meisten Leute nicht einmal auf ihrem Schirm haben dürften. Visuell, weil bisher kaum ein Animationsfilm und definitiv kein Superheldenfilm derartig frisch und kreativ mit seinen eigenen Bildern experimentierte. Die bis aufs kleinste Detail ausgearbeiteten, wahrlich atemberaubenden Bildkompositionen fühlen sich hier an wie ein lebendig gewordener Comic, der direkt auf die Leinwand geflossen ist.

Narrativ, weil in Zeiten, in denen bis zu sechs Comicverfilmungen pro Jahr erscheinen, es scheinbar noch immer möglich ist, eine nie zuvor dagewesene, einzigartige Geschichte zu erzählen. Das Abenteuer verschiedener Spider-Men und -Women aus verschiedensten Universen ist nicht nur originell und kreativ, sondern zugleich berührend. Ähnlich wie in Spider-Man 2 werden reale Probleme behandelt. Depression, der Umgang mit einer Mid-Life-Crisis, Verantwortung, Liebe, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Dasein. All das und noch so viel mehr wird in zutiefst menschlichen Figuren ausgearbeitet, die über sich hinauswachsen müssen. Der eigentliche Geniestreich dieses Films liegt allerdings darin, diese zutiefst realen Probleme mit einem Gespür für Humor zu verknüpfen, der seines gleichen sucht. Und das ohne, dass sich eines der beiden Elemente in ihrer Entfaltung auch nur eine Sekunde eingeschränkt fühlt. So ist der Film eben beides, eine berührende Coming-of-Age-Geschichte für einen neuen und außerordentlich erfrischenden Spider-Man in Form von Miles Morales, der Comiclesern ohnehin längst bekannt ist, und zugleich ein ungemein witziges Abenteuer. So spielt der Film sein Multiversum nicht nur in den alltäglichen Herausforderungen der Figuren aus, sondern entwickelt so einen einmalig kreativen Humor. Fein garniert mit einigen höchst amüsanten, aber nie fehl am Platz wirkenden Anspielungen auf die gesamte Spider-Man Mythologie, umgeben von der vielleicht bildgewaltigsten Animation, die ich je begutachten durfte, erzählt A New Universe eine einzigartige Geschichte, die den Titelhelden noch mehr als die bisherigen Filme versteht, und uns so gerade in seinen letzten Momenten wortwörtlich mehr anspricht und im Gegensatz zu Spider-Man 2 seine eigene Aussage brillant zu Ende denkt.

Fortan steckt meine Hoffnung für die Zukunft Spider-Mans im Kino, egal wer nun unter der Maske steckt, weniger im MCU, vielmehr in einem vollkommen neuen Universum, sowie dessen Alternativwelten…

von Sebastian Stegbauer

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