Onward – Interview mit Annette Frier

Filmredakteurin Sandy Kolbuch und Annette Frier, die deutsche Stimme von Laurel Lightfoot

Schauspielerin und Komikerin Annette Frier (nach ihrer Heirat Annette Wünsche) kam 1974 in Köln zur Welt. Nach dem Abitur studierte sie Schauspiel und arbeitete als Theaterschauspielerin in Köln. Sie war in 63 Episoden der RTL-Serie „Hinter Gittern – Der Frauenknast“ zu sehen, bevor sie 2000 ihre Comedy-Karriere mit der Sendung „Switch“ begann. Seit 2004 war sie öfters in der „Schillerstraße“ zu Besuch, bezog 2005 ein pinkes Haus in der „Sesamstraße“ und wirkte in mehreren TV-Formaten mir. Für ihre Rolle der „Danni Lowinski“ in der gleichnamigen Serie wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt begeisterte sie in der Filmreihe „Ella Schön“ als Witwe mit Asperger-Syndrom. In der deutschen Fassung des Pixar Films „Onward: Keine halben Sachen“ leiht sie der Zweifachmutter Laurel ihre Stimme. In Berlin sprach Sie über die Herausforderungen der Synchronarbeit und der positiven Aspekte des Humors.


Sie sind Schauspielerin und Komikerin und leihen nun erstmals einer Animationsfigur Ihre Stimme. Ist die Synchronarbeit nun Ihr nächstes Standbein?

Annette Frier: Ja, ich mache das jetzt so! Entweder widme ich mich der Physik oder der Synchronarbeit, da muss ich mich noch entscheiden (lacht). Es hat totalen Spaß gemacht, aber ich war natürlich eine blutige Anfängerin. Ich habe stündlich gemerkt, wie ich besser werde. Es ist eine ganz eigene Technik, bei der man Trickkiste greifen muss. Meine Kiste war natürlich zunächst leer. Ich musste üben.

Sobald der Name Disney oder Pixar fällt, herrscht meist Aufregung. Wie groß war die Freude bei Ihnen, als Sie erfahren haben, dass Sie die Sprechrolle bekommen haben?

Annette Frier: Ich hatte meinen „Sesamstraßen“-Moment. Da bin ich das letzte Mal total ausgerastet. Ich hatte ja ein pinkes Haus in der „Sesamstraße“, was ich Hammer fand. Nach Anderen wird ein Flughafen benannt und ich habe ein Haus in der „Sesamstraße“!! Das ist schon toll. Meine Kinder sind nun auch im passenden Pixar-Alter und die finden mich und meinen Beruf gerade richtig cool. Natürlich, weil ch jetzt in dem Film spreche. Momentan kann ich also zu Hause eine dicke Hose abliefern. Das sind wirklich sehr schöne Momente, gerade auch, weil ich selbst Fan bin. „Alles steht Kopf“ würde ich in die Top-Five meiner Lieblingsfilme weltweit sofort aufnehmen. Deswegen ist es wirklich eine sehr schöne Aufgabe für mich. Außerdem überschaubar und ein großer Spaß, bei dem ich auch sehr viel gelernt habe.

Geht mit dieser Sprechrolle ein Wunsch für Sie in Erfüllung?

Annette Frier: Eine sehr gute Freundin von mir, mit der ich zusammen studiert habe, ist Synchronsprecherin. Von ihr weiß ich, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Ich bin schon sehr froh, dass ich spiele. Synchron ist ein tolles Handwerk, bei dem man aber eben alles in die Stimme legen muss. Bei mir mussten einige Aufnahmen abgebrochen werden, weil ich zu sehr mit meinen Händen herumgefuchtelt hatte. Ich habe es wirklich nicht ohne Bewegungen geschafft (lacht).

Ist Ihnen gewusst, dass Ihre Persönlichkeit genutzt wird, um die Bekanntheit des Films zu fördern?

Annette Frier: Ja, das ist mir schon bewusst.Wie Sie merken, mache ich für einen relativ überschaubaren inhaltlichen Aufwand relativ viel PR-Arbeit. Willkommen im Show-Business! In dem Fall hat es glücklicherweise großen Spaß gemacht. Einmal bin ich schon von Disney abgelehnt worden für eine Rolle. Ein weiteres Mal konnte ich die Rolle nicht annehmen, weil der Arbeit im Studio fünf Pressetage gefolgt wären, die sich einfach nicht mit meinen Dreharbeiten vereinen ließen.

Konnten Sie sich in irgendeiner Art und Weise auf die Rolle vorbereiten?

Annette Frier: Ich durfte mich nicht vorbereiten. Ich habe mir morgens den Film angesehen und mittags haben wir mit den Aufnahmen begonnen.

Wie schätzen Sie, als Profi, bei diesem Film den Humor ein?

Annette Frier: Der Film ist extrem lustig und die Balance zwischen Action, Abenteuer, Poesie – die Parabel mit dem Vater – ist hervorragend gelungen. Bei der Situationskomik wird schon in die Vollen gegriffen. Ich könnte mir den Film sofort wieder ansehen. Ich kann da Pixar nur ein großes Kompliment machen, weil alles dramaturgisch so perfekt gestaltet ist. Das staunt der Fachmann und der Laie wundert sich…

Pixar Filme gehen ans Herz. Selbst Disney sagte einst, dass es in seinen Filmen für jedes Lachen auch eine Träne gibt. Hat „ONWARD: KEINE HALBEN SACHEN“ Sie zu Tränen gerührt?

Annette Frier: Ich habe mir fest vorgenommen, ganz professionell in der Vorführung zu sitzen. Es hat nicht funktioniert. Der Film war zu Ende und ich hatte feuchte Augen. Man weiß, dass der Plot sich auflösen und mit der halben Körperhälfte des Vaters was passieren muss. Ich bin wirklich mit vielerlei Wasser gewaschen und dennoch hat´s mich wieder gerissen. Ich weiß nicht, wie die es machen. Das ist wie mit einem guten Popsong. Es gibt doch immer nur die gleichen Akkorde und manch einer landet damit einen Hit und andere nicht. Es ist wirklich verrückt.

Vielen Dank für das Gespräch.

von Sandy Kolbuch

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