Interview zur Sky-Serie HAUSEN mit Thomas Stuber

Thomas Stuber (mitte) in seinem Element
Thomas Stuber (mitte) in seinem Element © Lago Film / Reiner Bajo

Thomas Stuber (*1981, Leipzig) absolvierte nach dem Abitur verschiedene Volontariate in der Filmbranche. Ab 2002 war er bei diversen Film- und Fernsehproduktionen als Script/Continuity und Regieassistent tätig. 2011 schloss er sein Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg ab. Seine Abschlussarbeit „Von Hunden und Pferden“ wurde 2011 für den First Steps Award nominiert, mit dem Deutschen Kurzfilmpreis, 2012 mit dem Studenten-Oscars® in Silber und dem Förderpreis der Baden-Württembergischen Filmindustrie ausgezeichnet. Gemeinsam mit Clemens Meyer wurde Thomas Stuber für die Drehbücher von „Herbert“ und „In den Gängen“ für den Deutschen Drehbuchpreis nominiert und 2015 für „In den Gängen“ auch damit ausgezeichnet. „Herbert“ erhielt 2016 beim Deutschen Filmpreis die Auszeichnung als Bester Spielfilm in Silber. Sein Kinofilm „In den Gängen“ feierte im Februar 2018 im Wettbewerb der Berlinale Premiere und wurde mit dem Gilde Filmpreis und dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet. Für den Sender Sky inszeniert er die Horror-Serie „Hausen“, die in einen heruntergekommenen Plattenbau am Rand der Stadt spielt und mysteriöse Ereignisse offenbart.


Die Serie wurde in einem stillgelegten Gebäude im ehemaligen Ostteil Deutschlands gedreht. Stand die Location bereits fest, als das Drehbuch geschrieben wurde?

Thomas Stuber: Nein, überhaupt nicht. Die Vorstellung einer genauen Location ist während des Drehbuchschreibens immer sehr schwer. Bei diesem Projekte haben wir uns gesagt, dass es nicht schwer sein wird, ein leerstehendes Haus im Osten Deutschlands zu finden. Im Jahr 2019 ist es aber total schwierig! Die Zeiten, in denen ganze Plattenbauten leer stehen, sind vorbei. Heutzutage ist alles abgerissen oder renoviert. Wir haben uns also sehr schwer damit getan, etwas geeignetes zu finden. Für die Geschichte, die „Hausen erzählt, brauchten wir ein Gebäude, das sehr verwinkelt ist. Irgendwann sind wir dann nach Buch gekommen zum ehemaligen Regierungskrankenhaus der DDR, welches wir umfunktioniert haben, sodass es wie ein Wohnkomplex wirkt.

Die dunklen Bilder vermitteln den Zuschauern ein klaustrophobisches Gefühl. Die Bewohner des Hauses wirken hoffnungslos. Wie ist die Idee zu der Geschichte entstanden und wie wurden die Charaktere geschaffen?

TS: Ich bin ein Filmfreak und schaue vieles. Man kann nicht behaupten, dass bei „Friedhof der Kuscheltieren“ und anderen Stephen King Verfilmungen normale Leute vorkommen. Für den Dramaanteil einer Produktion ist es immer gut, wenn die Charaktere ein Problem haben. Das klassische Horrorgenre ist so aufgebaut, dass das Paradies durch die Hölle aufgebrochen wird. Bei „Hausen“ ist dies nicht der Fall. Das spannende ist, dass wir von Beginn an das „marode Drakulaschloss“ – bildlich gesprochen – geschaffen haben. Ich sollte Horror machen, ich sollte Angst machen und dies habe ich getan!

Der Soundteppich der Serie ist sehr prägnant. Wie gelingt es, immer noch einen Effekt draufzusetzen?

TS: Ton ist ein wichtiger Aspekt des Filmemachens, der immer unterschätzt wird. Im Genre, insbesondere im Horrorfilm ist der Ton wahnsinnig wichtig. Ich würde sagen, 25% von „Hausen“ ist der Ton! Und daran hat ein ganzes Team unter der Leitung von Kai Tebbel als Supervisor über ein halbes Jahr lang dran gearbeitet. Das Konzept von Synchronisation, Dialog und Sounddesign und Musik ist hier ein ganz ganz wichtiger Aspekt, den ich selbst immer mochte und auch mit erarbeitet habe. Es ist eine Teamarbeit. Da waren richtige Spezialisten mit am Werk. Hier kam auch die Erkenntnis, die für mich allerdings auch nicht neu war, dass solch ein Film ohne Ton überhaupt keinen Sinn ergibt. Der Ton verbindet die Bilder und Motive miteinander und dringt ungefiltert durch unsere Ohren und sorgt für ein bestimmtes Gefühl.

Bei einer Horror-Serie erwartet man die gängigen Töne wie quietschende Türen. „Hausen“ wirft aber einen völlig neuen Klangteppich auf wie Hundegebell, Babygeschrei.

TS: Ist das nicht toll!? Damit geht das Konzept auf, dass wir geschaffen haben. Jenseits der Konventionen, die wir bedienen müssen. Das Horrorgenre entwerfen wir nicht neu, aber wir bringen neue Effekte.

Bei den Dreharbeiten waren mehrere Babys anwesend. Wie war die Arbeit mit diesen zum Teil erst 14 Tage alten Kindern?

TS: Es ist schwer, aber gleichzeitig hatte ich einen enormen Ehrgeiz, dem Zuschauer ein wirklich unschuldiges Wesen zu zeigen. Die Tatsache, dass die Eltern ihrem Kind noch keinen Namen gegeben haben, spricht für sich. Babys schlafen immer wieder ein, was den Dreh erschwert. Da die Drehzeiten sehr lang ist, wachsen die Kinder in der Zwischenzeit zusehends, sodass man genau planen muss. Am Set braucht man im Idealfall zwei Kinder, weil immer etwas passieren kann, sodass ein Kind gerade nicht gefilmt werden kann. In dem Alter kann man aber Jungen und Mädchen besetzen. Da wir die Kinder nicht quälen wollen, kommen auch ganz oft Puppen zum Einsatz.

Die Serie erscheint bei Sky. Was sind die Vorteile, wenn eine Serie im PayTV ausgestrahlt wird?

TS: Die öffentlich-rechtlichen würden eine Serie wie „Hausen“ nicht ausstrahlen. Ich finde es wahnsinnig mutig von Sky, dass sie so ein Format bringen. Sie haben sich voraus gewagt und mir viele Freiheiten gegebene, wobei ich in dem Horrorgenre nicht so gefestigt bin. Bei PayTV darf man einfach komplexer sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

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von Sandy Kolbuch

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