Tolkien – Filmkritik zum Biopic über das Leben des Der Herr der Ringe Autors

Nicholas Hoult (J.R.R. Tolkien), Lily Collins (Edith Bratt)
Nicholas Hoult (J.R.R. Tolkien), Lily Collins (Edith Bratt) © 2019 Twentieth Century Fox

Die Kritik:

Mit „Tolkien“ erscheint nun schließlich die von Fans sehnlichst erwartete filmische Biografie des „Der Herr der Ringe“ und „Der kleine Hobbit“ Autors J.R.R. Tolkien. Dabei spielt niemand anders als der unter anderem von „X-Men“ bekannte Nicholas Hoult den namensgebenden Protagonisten. Doch kann der Film sowohl Mittelerde-Fans aber auch normale Kinogänger überzeugen oder sollte man den Film möglichst ignorieren? Dies erfahrt ihr in meiner Kritik.

Tolkien Poster
Tolkien Poster © 2019 Twentieth Century Fox

John Ronald Reuel Tolkien ist ein Waisenjunge und frisch auf einem englischen Internat. Der zuerst als Außenseiter geltende Junge findet jedoch schon schnell neue Freunde und lernt mit der ebenfalls als Weise geltenden Edith Bratt seine Freundin kennen. Dabei entfacht auch seine literarische Leidenschaft, sowie seine Begeisterung für fremde Sprachen. Die Beziehung der beiden wird dabei immer aufs Neueste auf die Probe gestellt, welche mit dem Anbruch des Ersten Weltkrieges ihren Höhepunkt findet. Dabei bereichern Tolkien alle seine Erfahrung und enden schließlich in seinem ersten Roman. „Der kleine Hobbit“.

Bevor ich mit meiner Kritik anfange, muss ich mich jedoch zuerst als keinen „Der Herr der Ringe“ Fan outen. Obwohl ich alle Filme samt Prequels gesehen habe, blieb die Faszination für mich immer aus.  Ich werde den Film daher als Biopic unter die Lupe nehmen und nicht als einen Film für die Fans.

Genau wie die meisten Biopics werden uns mit „Tolkien“ verschiedene Abschnitte aus dem Leben des Autors dargestellt. Diese nicht chronologisch erzählten Handlungen beginnen dabei mit der Kindheit des jungen Waisen und ziehen sich bis in das mittlere Alter. Tolkien wird daher auch von zwei verschiedenen Darstellern verkörpert. Während wie eingangs erwähnt Nicholas Hoult den älteren Schriftsteller darstellt, spielt Harry Gilby sein jüngeres Ebenbild. Der Wechsel der beiden Darsteller funktioniert dabei überraschend gut, sodass man nie die Glaubwürdigkeit des porträtierten Charakters in Frage stellt. Ein Lob verdient dabei besonders der Jugenddarsteller, da dieser trotz seines jungen alters ein großes schauspielerisches Talent aufweist. Aber auch Hoult macht seinen Job über die gesamte Dauer des Filmes überragend gut, was sich besonders in den emotionalen Momenten zeigt. Besonders wird dies in Verbindung mit der von Lily Collins verkörperten Edith Bratt deutlich, welche ebenfalls eine durch und durch starke Performance abliefert.

Nicholas Hoult (J.R.R. Tolkien)
Nicholas Hoult (J.R.R. Tolkien) © 2019 Twentieth Century Fox

Während die Schauspieler durchaus überzeugen können, gibt es hingegen einige Probleme mit der Geschichte. Auch wenn die verschiedenen Zeitperioden immer wieder neuen Wind in den Film bringen, gibt es nichtsdestotrotz einige Längen. Diese treten insbesondere in der Mitte häufiger auf.
Die Geschichte bleibt dabei gefühlt stehen und kommt einfach nicht voran. Man hätte daher gut ein paar Minuten kürzen können. Außerdem bleibt die Geschichte rund um Mittelerde zu vielen Zeiten im Hintergrund. Viele neue Informationen oder Anekdoten sucht man daher vergeblich. Die Liebesgeschichte wirkt dabei anfangs überaus interessant, entwickelt sich aber nach und nach in eine typische Hollywoodromanze. Auch wenn man berücksichtigen muss, dass es sich immer noch um ein Biopic handelt, wäre weniger hier deutlich mehr gewesen. Überzeugen können hingegen die jungen Jahre des Tolkiens, da diese den Film etwas auflockern und man zudem mehr in die Persönlichkeit des Autors einblicken kann.

Technisch gesehen macht „Tolkien“ einen überaus wertigen Eindruck. Dies liegt überwiegend an den sehr künstlerischen und hochwertigen Bildern welche der Kameramann erzeugt. Die Kamerafahrten wirken dabei stets organisch und verleihen den eher langsameren Dialogen eine zusätzlich ergänzende Dynamik. Die Musik des Komponisten Thomas Newman, welchen man unter anderem aus den letzten James-Bond-Filmen kennt, fügt dem Film zudem einen überaus atmosphärischen Soundtrack bei, welcher jedoch nicht an die Klasse eines „Der Herr der Ringe“ von Howard Shore heranreicht.

Lily Collins (Edith Bratt)
Lily Collins (Edith Bratt) © 2019 Twentieth Century Fox

Dennoch fällt dieser überwiegend positiv auf, auch wenn man im Nachgang keine Stücke im Kopf behält. Immer wieder treten im Film auch vereinzelt GCI Effekte auf, insbesondere im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg. Diese wirken dabei in den meisten Momenten glaubhaft, auch wenn manche teils etwas zu künstlich wirken.

Filmwertung
6/10

Kurzfassung

Tolkien ist leider wegen der in vielen Teilen etwas langatmigen und inspirationslosen Handlung nur eingeschränkt zu empfehlen

Fazit:

Tolkien ist leider wegen der in vielen Teilen etwas langatmigen und inspirationslosen Handlung nur eingeschränkt zu empfehlen. Überzeugen kann hingegen, das wie eingangs erwähnt, überzeugende Schauspiel aller Darsteller. Der Film ist daher überwiegend für Tolkien- und Mittelerde-Fans ein Gang in das Kino wert. Allen anderen werden mit dem Film trotzdem eine durchschnittliche Unterhaltung bekommen, welche sich jedoch sehr an die Muster der meisten Biopics hält.


von Phillip Schwellenbach

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