Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen – Filmkritik

EWAN McGREGOR als Dan Torrance
EWAN McGREGOR als Dan Torrance © 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

Die Kritik:

Enthält Spoiler zu „The Shining“ (1980)

Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen Hauptplakat
Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen Hauptplakat © 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

Fast 40 Jahre nach Stanley Kubricks viel gefeiertem Horror-Thriller „The Shining“ mit Jack Nicholson als wahnsinnig werdender Hausmeister und Familienvater, läuft seit diesem Donnerstag die etwas verspätete Fortsetzung „Doctor Sleep“ mit Ewan McGregor in der Hauptrolle in den deutschen Kinos. Der Schotte, bekannt als Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi aus der Star Wars Prequel-Trilogie, spielt den erwachsenen Danny Torrance, den man aus dem Vorgängerfilm noch als dreiradfahrenden, verängstlichten Jungen mit Horror-Visionen in Erinnerung hat. Nachdem sein Vater Jack vor Jahren dem Wahnsinn verfiel, einen Menschen ermordete und selbiges auch bei Danny und seiner Mutter versuchte, leidet der traumatisierte Junge in seinem Erwachsenenleben an einer Alkoholsucht, mit der er seine furchtbaren Erinnerungen zu verdrängen versucht. Obwohl er gelernt hat, seine Dämonen wortwörtlich wegzusperren, verfolgen ihn die im Overlook-Hotel passierten Ereignisse noch immer, so dass es ihm nicht gelingt, irgendwo wirklich Fuß zu fassen und eine Arbeit zu finden. Ein kleines Mädchen, das dieselbe Gabe wie Danny besitzt und von einem mysteriösen, sektenähnlichen Clan verfolgt wird, holt ihn wieder ins Leben zurück. Gemeinsam versuchen sie, das Böse aufzuhalten.

Dass Shining-Autor Stephen King kein Fan von Kubricks Verfilmung ist, ist kein Geheimnis. Er ist der Meinung, Kubrick konnte „einfach nicht das schiere, unmenschliche Böse des Overlook-Hotels fassen. Stattdessen habe er eine häusliche Tragödie mit nur vagen übernatürlichen Andeutungen gedreht.“ Obwohl seine Aussagen auf keine große Zustimmung bei Zuschauern und Kritikern traf, hält King bis heute an seiner Meinung fest. Als der gefeierte Autor dann 2013 mit „Doctor Sleep“ endlich eine Fortsetzung zu seinem Roman veröffentlichte, fragten sich viele Fans, was er denn nun von der Verfilmung dieser Fortsetzung halten würde. Vor einigen Wochen dann die große Auflösung: Stephen King mag den Film sehr, beschreibt ihn angeblich sogar als „besser als sein Vorgänger“. Eine Meinung, die wir von Movieworlds leider nicht teilen können.

REBECCA FERGUSON als Rose The Hat
REBECCA FERGUSON als Rose The Hat © 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

Obwohl Regisseur Mike Flanagan viele Parallelen zu Kubricks „Shining“ zieht, bleibt er im Gegensatz zu seinem Vorgänger näher an der Buchvorlage. Ob dies auch für die vielen Durstrecken des Films verantwortlich ist, bleibt fraglich. Es gelingt dem Regisseur allerdings nicht, den Film während seiner gesamten Laufzeit spannend zu gestalten. Zeitweise fragt man sich sogar, was eigentlich das Ziel des Films ist. Die Ursache dieses Problems findet man, wenn man sich die Lauflänge des Films anschaut. Knapp zweieinhalb Stunden verbringt man mit den Figuren. Es ist gut vorstellbar, dass man mit dieser langen Laufzeit versuchte, sich an „The Shining“ zu orientieren. Dieser Versuch schlägt jedoch deutlich fehl. Man wird beim Schauen von „Doctor Sleep“ Zeuge des zum Glück absolut seltenen Gefühls, man schaue zwei verschiedene Filme. Von diesen beiden Filmen ist der erste, der sich ungefähr über die Hälfte des Gesamtwerks erstreckt, wahnsinnig schlecht gelungen.

REBECCA FERGUSON als Rose The Hat und KYLIEGH CURRAN als Abra Stone
REBECCA FERGUSON als Rose The Hat und KYLIEGH CURRAN als Abra Stone © 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

Bis auf ein paar sehenswerte Flashbacks zu Dannys Kindheit, ist jede andere Szene unglaublich bedeutungslos. Wir sehen Danny, der hin und wieder von kleinen Visionen geplagt wird, umherziehen, ohne die Handlung auch nur ein kleines bisschen voranzutreiben. Wir lernen den True Knot-Kult kennen, dessen Mitglieder um Rose the Hat bei ihrer Suche nach Kindern mit besonderen Fähigkeiten eher pervers als bedrohlich rüberkommen. Darüber hinaus wird nie klar, warum sie einige von diesen Kindern rekrutieren und andere wiederum ermorden wollen, um sich von ihrer Angst zu ernähren. Eine ewig lange und aufwändige Szene, die zeigt, wie der Clan ein eben solches Mädchen rekrutiert, spielt zu keiner anderen Zeit eine Rolle und steht dementsprechend auch für die unnötige erste Hälfte des Films, ohne die das Gesamtwerk nicht schlechter, sondern besser geworden wäre. Die Schauspieler machen ihre Sache ordentlich (auch wenn man natürlich vergeblich auf eine Nicholson-ähnliche Performance hofft), doch die unbegreifliche Entscheidung der Filmemacher, im Prinzip zwei oder drei Szenen auf eineinhalb Stunden zu strecken, zerstört jeden positiven Aspekt in dieser Phase des Films, und da gäbe es tatsächlich einige, wie z.B. die sehr gelungene Kameraarbeit.

EWAN McGREGOR als Dan Torrance
EWAN McGREGOR als Dan Torrance © 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

Nach ungefähr der Hälfte des Films begegnet Danny dann endlich dem verfolgten Mädchen, woraufhin der Film an Fahrt gewinnt. Eine landesweite Verfolgungsjagd beginnt, die an jene im Labyrinth am Ende des Vorgängerfilms erinnert. Dieses Katz- und Mausspiel ist sehr schön anzusehen, man beginnt sich für die Figuren tatsächlich zu interessieren. Auch das große Finale im Overlook-Hotel darf sich sehen lassen, findet sich hier auch ein exzellent nachgebautes Shining-Set im Film. Es ist schwierig, den zweiten Part aus „Doctor Sleep“ zu loben, ohne dabei die Handlung zu spoilern, doch die Story, die zwar eher an eine Stephen King-Verfilmung als an ein Shining-Sequel erinnert, wurde dort wirklich zufriedenstellend umgesetzt.

Filmwertung
5/10

Kurzfassung

„Doctor Sleep“ kommt zwar um Längen nicht an „The Shining“ ran, trotzdem jedoch in der zweiten Hälfte durchaus sehenswert ist.

Fazit:

Zusammenfassend kann man festhalten, dass „Doctor Sleep“ zwar um Längen nicht an „The Shining“ rankommt, trotzdem jedoch in der zweiten Hälfte durchaus sehenswert ist. Nach einer völlig verkorksten und nichtssagenden ersten Hälfte, berappelt sich der Film daraufhin und wird zumindest für Fans des Vorgängers eine kleine Empfehlung. Gute, aber nicht herausragende Darsteller bilden zusammen mit der Regie, der Kamera und dem Soundtrack eigentlich eine gute Grundlage, doch leider enttäuscht die Story die meiste Zeit. Ein Wunder, dass man das mal über eine Stephen King-Verfilmung sagen muss. „Doctor Sleep“ ist eine Fortsetzung, die es zwar auf keinen Fall gebraucht hätte, die aber dem Andenken und Image von „The Shining“ zumindest nicht schadet.


von Tavius Audersch

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