Spider-Man: Far From Home – Filmkritik

Spider-Man in SPIDER-MAN: FAR FROM HOME
Spider-Man in SPIDER-MAN: FAR FROM HOME © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Die Kritik:

SPIDER-MAN: FAR FROM HOME - FILMPLAKAT
SPIDER-MAN: FAR FROM HOME – FILMPLAKAT © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Ein halbes Jahr nach den Ereignissen von „Avengers: Endgame“ ist nun Ruhe in der Welt eingekehrt und alle Menschen gehen wieder ihren normalen Tätigkeiten nach. Auch den Teenager Peter Parker (Tom Holland) verschlägt es zurück in das Schulleben. Dieser sieht aber in der nahenden Klassenfahrt nach Europa endlich eine Möglichkeit, eine kleine Pause seines Alter-Ego Spider-Man einzunehmen und die Freundschaft zu MJ (Zendaya) zu stärken. Im ersten Reiseziel Venedig angekommen läuft zuerst auch alles nach Plan, bis plötzlich ein riesiges Wasserwesen die Stadt und seine Freunde bedroht. Doch wie aus dem Nichts taucht Mysterio (Jake Gyllenhaal) auf und entschärft die Situation in letzter Sekunde. Die beiden freunden sich miteinander an und so sieht es danach aus, als hätte Peter endlich einen Ersatzmentor gefunden.

„Spider-Man: Far From Home“ ist nicht nur der erste Film nach dem von Fans gefeiertem „Avengers: Endgame“, sondern auch der Abschluss der sogenannten „Infinity-Saga“, also der dritten Phase des Marvel Cinematic Universe. So werden in den ersten Minuten erst einmal die vergangenen Ereignisse verarbeitet. Dabei fühlt sich zu Beginn der Film stark wie sein Vorgänger „Spider-Man: Homecoming“ an. Am Anfang schwingt sich Spider-Man beispielsweise quer durch Manhattan und man wird das Gefühl nicht los, all das schon mal gesehen zu haben. Doch sobald sich die Handlung in das eingangs erwähnte Europa begibt, zerbricht dieses Problem und die Story nimmt rasant an Fahrt auf. So wird man schnell mit der neuen Figur des Mysterio konfrontiert, welcher einen frischen Wind in das MCU bringt.

Michelle (ZENDAYA) und Spider-Man in SPIDER-MAN: FAR FROM HOME
Michelle (ZENDAYA) und Spider-Man in SPIDER-MAN: FAR FROM HOME © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Auch dessen Superkräfte unterscheiden sich deutlich im Vergleich zu den anderen Helden, wodurch einem eine gute Abwechslung geboten wird. Die Chemie zwischen ihm und Peter Parker alias Spider-Man bleibt dabei zu jeder Zeit nachvollziehbar und glaubwürdig. Die freundliche Spinne aus Nachbarschaft des MCUs unterscheidet sich zwar stark zu den namensgebenden Helden der anderen beiden Verfilmungen, allerdings bringt dieser frische Wind in diese Marvel-Filmreihe und konnte in den bisherigen vier Filmen mit ihm als Held überzeugen. In diesem Film bekommt er sogar noch mehr emotionale Momente, sodass man erstmals eine Entwicklung bemerkt. In den vorangegangenen Filmen wurde die Entwicklung der Figur wenig Beachtung geschenkt, sodass dieser Film einen emotionalen Mehrwert bietet.

Die Geschichte wechselt dabei immer von Ort zu Ort. So besucht Spider-Man unter anderem die Kanäle von Venedig, aber auch die Tower Bridge in London und sogar die Hauptstadt von Deutschland. Der Locationwechsel tut dem Film dabei erstaunlich gut, sodass sich der Zuschauer nie ermüdet fühlt. Leider leidet darunter hingegen etwas die Handlung. Diese kommt nämlich teilweise gehetzt vor und lässt sich für einige Momente zu wenig Zeit. Auch manche Charaktere leiden unter dem schnellen und hektischen Pacing. So wirkt beispielsweise Nick Fury (Samuel L. Jackson) zu großen Teilen sehr austauschbar und auf Krampf in die Story hineingeschrieben.

TOM HOLLAND und SAMUEL L. JACKSON in SPIDER-MAN: FAR FROM HOME
TOM HOLLAND und SAMUEL L. JACKSON in SPIDER-MAN: FAR FROM HOME © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Das Finale des Filmes bleibt leider auch den restlichen Filmen treu, was zu einem übertrieben CGI-Massaker ohne Höhen und Tiefen führt. In dem Bereich war der Vorgänger im positiven Sinn mutiger. Der Film verliert sich daher immer wieder in belanglose Actionsequenzen, welche dem Franchise keinen Mehrwert bieten. Auch die Gags bleiben zu vielen Momenten flach und sorgen höchstens für einen kleinen Schmunzler. Weniger wäre hier daher deutlich mehr gewesen. Loben muss man jedoch die beiden Post Credit Szenen, die einem einen kleinen Ausblick auf die Zukunft des MCUs werfen.

Inszeniert wurde der Film von Jon Watts, welcher auch schon die erste „Spiderman“-Verfilmung im MCU umgesetzt hat. Unter den Schauspielern befinden sich außer Jake Gyllenhaal („Nightcrawler“/„Prisoners“) keine Neuzugänge. Er ist zwar ein phantastischer und talentierter Schauspieler, wirkt in diesem Film aber etwas hilflos. In diesem eher kindlich gehaltenen Film sticht er durch seine Ausstrahlung positiv, befindet sich aber auf einem ganz anderen Level. Trotzdem ist seine Schauspielleistung wundervoll und bereichert dieses Franchise auf allen Ebenen. Die Schauspieler aus dem ersten Teil sind auch wieder alle vorhanden und so kommt es, dass der Cast eher aus jungen Gesichtern wie Tom Holland („The Impossible“), Zendaya („The Greatest Showman“) und Jacob Batalon („Letztendlich sind wir dem Universum egal“) besteht. Aber auch altbekannte Marvel-Schauspieler haben wieder ihre kleinen Rollen, wie Samuel L. Jackson (Pulp Fiction), Jon Favreau („The Wolf of Wall Street“) und Marisa Tomei („The Big Short“).

Mysterio (JAKE GYLLENHAAL) in SPIDER-MAN: FAR FROM HOME
Mysterio (JAKE GYLLENHAAL) in SPIDER-MAN: FAR FROM HOME © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Technisch gesehen ist der Film kompletter Marvel-Standard. Die Kameraarbeit des Kameramannes Matthew J. Lloyd („Power Rangers“) ist zwar konstant solide, allerdings wirken manche Szenen mit CGI zu überladen und die Visualisierung von Mysterio ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig.
Die Musik des Komponisten Michael Giacchino („Rogue One“) stellt jedoch ein Highlight da und beeindruckt mit vielen abwechslungsreichen Musikstücken. Dabei greift dieser auf schon vorhandene Stücke zurück, kreiert aber auch neue Werke, welche den ganzen Film atmosphärisch untermalen.

Blu-ray Wertung
7/10

Kurzfassung

„Spider-Man: Far from Home“ liefert eine solide Superheldenkost und sorgt für einen unterhaltsamen Kinobesuch.

Fazit:

„Spider-Man: Far from Home“ liefert eine solide Superheldenkost und sorgt für einen unterhaltsamen Kinobesuch. Der Film kann jedoch nicht all seine Schwächen verstecken, welche sich unter anderem in der Story bemerkbar sind. Überzeugen können hingegen die vielen Schauspieler, obwohl Jake Gyllenhaal ein bisschen zu unterfordert wirkt. Der Film ist eine Empfehlung für Fans des MCU sowie der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft. Man sollte jedoch seine Erwartungen etwas herunterschrauben, da er die Stimmung nach „Avengers: Endgame“ nicht ganz halten kann.


von René Fischell

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