Papillon Filmkritik: Remake eines Klassikers mit nur wenig neuen Ansätzen

Papillon (Charlie Hunnam) und Louis Dega (Rami Malek)
Papillon (Charlie Hunnam) und Louis Dega (Rami Malek) © 2018 Constantin Film Verleih GmbH

Die Kritik:

Papillon Plakat
Papillon Plakat © 2018 Constantin Film Verleih GmbH

Remakes haben es (noch mehr als Fortsetzungen) niemals einfach. Zu sehr werden sie mit dem Erstlingswerk verglichen – das gilt besonders für Filme, die einen Klassiker nachahmen. Dennoch wird immer wieder der Versuch gewagt. Gnadenlos gescheitert ist da etwa Ben Hur (2016), stärker hingegen war Mord im Orient Express (2017). Dann gibt es noch Neuverfilmungen, die versuchen, ein Original neu zu interpretieren. Das kommt häufig etwas besser an, wie Die glorreichen Sieben (2016), Jumanji (2017) oder King Arthur (2017) zeigten. Gespickt werden diese Filme gerne mit bekannten Schauspielern. Bei letzterem Film war es z.B. Charlie Hunnam, der nun auch im hier betrachteten Papillon die Hauptrolle übernahm. Der restliche Cast im Gefängnisdrama lässt sich übrigens auch sehen. Neben Rami Malek („Mr. Robot“) spielen Roland Møller („Unter dem Sand“, „Atomic Blonde“) und Yorick Van Wageningen („Verblendung“) weitere Rollen. Regisseur ist der Däne Michael Noer.

Louis Dega (Rami Malek) sehnt seine Entlassung aus der Strafkolonie herbei.
Louis Dega (Rami Malek) sehnt seine Entlassung aus der Strafkolonie herbei. © 2018 Constantin Film Verleih GmbH

Das Original von 1973 mit Steve McQueen und Dustin Hoffman gilt zweifelsohne als Klassiker. Betrachtet man die damaligen internationalen Kritiken ließe sich das allerdings gar nicht mal vermuten und die Bewertungen der beiden Streifen nun gehen gar nicht weit auseinander.

Damals wie heute erzählt das Drama die Geschichte des Henri Charrière (aufgrund seines Schmetterling-Tattos nur Papillon gerufen), der unschuldig verurteilt wird. Für einen angeblichen Mord wird er in eine Strafkolonie auf Französisch-Guayana verschifft. Schon früh denkt Papillon an Flucht. Dafür guckt er sich den Mitgefangenen Louis Dega (Rami Malek) aus, der eine beträchtliche Geldmenge bei sich tragen soll. Statt ihn auszurauben (wie so manch anderer versucht) bietet der unerschrockene Papillon ihm Schutz. Doch auch mithilfe einiger Bestechungsversuche gelingt keinem der beiden die Flucht. Mit der Zeit entwickelt sich zwischen den beiden unterschiedlichen Leidensgenossen eine Freundschaft, die trotz ihrer Umstände bestehen bleibt.

Papillon (Charlie Hunnam), Celier (Roland Moller) und Maturette (Joel Basman)
Papillon (Charlie Hunnam), Celier (Roland Moller) und Maturette (Joel Basman) © 2018 Constantin Film Verleih GmbH

Papillon anno 2018 startet mit einem äußerst gelungen Beginn, der die Hauptperson als sympathischen Lebemann darstellt. Sein später ständiger Gedanke an Flucht wird damit trefflich untermauert. Hier kommt man auf die Idee, dass ein gesamtes Prequel womöglich viel Sinn gemacht hätte. Dem ist allerdings nicht so und das Remake geht im Anschluss leider kaum neuen Wege. Das Original wird in den allermeisten Szenen nachgespielt. Selbst die Schauspieler scheinen am großen Vorbild ausgesucht worden zu sein, ohne ihre Leistungen schlecht reden zu wollen. Denn diese sind sehenswert.

Papillon: Louis (Rami Malekk) und Henri (Charlie Hunnam) © 2018 Constantin Film Verleih GmbH

Die erste Hälfte des Dramas gefällt deutlich besser. Hier wird nach der bereits erwähnten tollen Einführung packend die grausame Strafkolonie gezeigt. Die Flucht erscheint in einigen Momenten als machbar und man möchte mit den Protagonisten mitfiebern. Als die Versuche immer auswegloser erscheinen, könnten sich Papillon, Dega und Co. mit der Situation abfinden. Doch auch später wird ihr Dasein und ihre Freundschaft schlicht vom Fluchtgedanken bestimmt, was selbst zum Finale hin und darüber hinaus für wenig Spannung sorgen kann. Gemessen am Klassiker imitiert der Film damit auch die Schwachpunkte statt sie klüger zu umgehen.

Filmwertung
  • 6/10
    Film - 6/10
6/10

Kurzfassung

Papillon erscheint am 26.07.2018 im Kino und ist vor allem für diejenigen interessant, die die (bekannte) Geschichte neu aufgelegt sehen möchten. Wer allerdings den Klassiker-Liebling von 1973 im Kopf hat und als unerreichbar einstuft, wird hiervon sowieso Abstand nehmen.

Fazit:

Papillon beschreibt 2018 das Remake aus den 70ern, welches wiederum auf Henri Charrières biografische Romanvorlage setzte. In dieser nun zweiten Verfilmung sind wenig neue Impulse zu finden. Selbst Schwachpunkte, die der Klassiker durchaus besitzt, wurden übernommen. Zu den Stärken zählt die gute kurze Vorgeschichte, die Schauspielerleistungen sowie die tadellose Inszenierung.


von Nicolas Wenger

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