Joker – Filmkritik: Joaquin Phoenix in seiner neuen Paraderolle

JOAQUIN PHOENIX als Arthur Fleck © Warner Bros. Entertainment / DC Comics

Die Kritik:

JOKER Hauptplakat
JOKER Hauptplakat © Warner Bros. Entertainment / DC Comics

Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) möchte eigentlich nur ein erfolgreicher Stand-up Comedian werden. Doch einige schicksalshaften Demütigungen, welche zum Teil auf seine psychischen Krankheiten zurückzuführen sind, erschweren ihm sein Leben. Viele Leute nutzen seine Labilität aus, um sich über ihn lustig zu machen. Unter anderem führt ihn der Late Night-Host Murray Franklin (Robert De Niro) vor, welcher eigentlich das Vorbild von Arthur ist. So langsam ist er von der Gesellschaft enttäuscht und will diese in ihren Grundfesten verändern. Eine aufkommende Bürger-Bewegung gegen die reiche Oberschicht kommt ihm deswegen sehr zugute.

Batmans-Bösewicht. Der Film fühlt sich dabei aber nicht wie eine typische Comicverfilmung an, sondern geht viel mehr in die Tiefe. Es wird eine bedeutsame Charakterstudie geliefert, welche in der Comicwelt seinesgleichen sucht. Der Film schafft es alleine mit einer Szene am Anfang des Films Sympathien für Arthur Fleck entstehen zu lassen. Im Laufe der Handlung wächst einem die Figur immer weiter ans Herz, da er eine unglaublich starke Identifikationsfigur ist. Vor allem aber im Umgang mit seiner Mutter Penny (Frances Conroy) zeigt sich die wahre, emotionale Tiefe des Charakters. Der Film erzählt dabei nicht stringent nur einen Handlungsplot, sondern lässt durch Interaktion zwischen Arthur und weiteren Figuren immer mehr Probleme entstehen. So kommt es, dass eine Beziehung zu der Nachbarin Sophie (Zazie Beetz) entsteht und dass er unbedingt mit seinen Witzen Leuten zum Lachen bringen will. Sein größtes Problem hat er mit dem eigentlichen Antagonisten des Films, und zwar der Gesellschaft. Diese schafft es nicht vernünftig, Fälle wie Arthur zu unterstützen und lässt ihn immer tiefer sinken. Sie schafft es aber auch nicht eine Waagschale zwischen den verschiedenen sozialen Schichten zu halten, sodass sich in Gotham die Aufstände immer mehr häufen. Diese Probleme leugnet Thomas Wayne (Brett Cullen) immer wieder in verschiedenen Sendungen, sodass sich die Mehrheit der Menschen einfach nicht verstanden fühlt.

ROBERT DE NIRO als Murray Franklin und JOAQUIN PHOENIX als Joke
ROBERT DE NIRO als Murray Franklin und JOAQUIN PHOENIX als Joker © Warner Bros. Entertainment / DC Comics

Der Film schafft es also ein Spiegel unserer Zeit zu sein. Aber nicht nur das macht ihn zu einem meisterhaften Stück Kunst, sondern viel mehr das taktische, aufbauende Erzählen einer Figur, die innerlich derartig gebrochen ist, sodass sie zu schrecklichen Dingen in der Lage ist. Das Perfide daran ist, dass man ihn komplett nachvollziehen kann. Der Film erzählt von einer Welt, in den schrecklichen Taten, losgelöst von verständnisvollen Gründen, glorifiziert werden. Im Film bleibt der psychisch kranke Serienmörder immer noch die Identifikationsfigur und um diesen Effekt zu erzielen, wird vom Zuschauer alles abverlangt. Er muss ständig mitdenken, die Sachen für sich selbst interpretieren und einiges an brutalen Aktionen durchstehen. Leider sind gewisse Parallelen zu „Taxi Driver“ (1976) von Martin Scorsese nicht abzustreiten, weshalb manche Zuschauer die Story einfach nur in einer anderen Form serviert bekommen.

ZAZIE BEETZ als Sophie Dumond
ZAZIE BEETZ als Sophie Dumond © Warner Bros. Entertainment / DC Comics

Vor allem aber für Joaquin Phoenix („Gladiator“/„Walk the Line“) ist diese Rolle eine große Hürde. Er steht nun in direkter Konkurrenz zu Jack Nicholsons Joker in „Batman“ (1989) und der Interpretation von Heath Ledger in „The Dark Knight“ (2008). Die Frage ist allerdings, ob man diese Rollen überhaupt vergleichen kann. Jeder dieser Schauspiellegenden liefert für den jeweiligen Film einen perfekten Joker ab. Für ihn sollte es auf jeden Fall etliche Auszeichnungen geben, denn so ein unfassbares gutes Method-Acting muss belohnt werden. In den weiteren lobenswerten Rollen befinden sich Robert De Niro („Taxi Driver“/„Heat“), Zazie Beetz („Deadpool 2“) und Frances Conroy („Aviator“). Da der Film aus der Sicht von Arthur geschrieben ist, bekommen sie nicht allzu viel Screentime, allerdings spielen sie ihre Rollen trotzdem fantastisch.

JOAQUIN PHOENIX als Arthur Fleck
JOAQUIN PHOENIX als Arthur Fleck © Warner Bros. Entertainment / DC Comics

Der Regisseur Todd Phillips („Hangover“-Trilogie) schafft es diese Schauspieler wunderbar zu inszenieren und hat einen bedrückenden, aber dennoch unterhaltsamen Film kreiert, über den der Zuschauer noch sehr lange nachdenken wird. Die Bilder des Films sehen extrem wertig aus, was vor allem am Setdesign, den Kostümen und der Kameraarbeit von Lawrence Sher („Hangover“-Trilogie/„Godzilla: King of the Monsters“) liegt. Er schwenkt zu keinem Zeitpunkt weg und erzählt in vielen, langen Einstellungen, um die gesamte Tragweite des Films zu zeigen. Unterstützt wird dieses visuell sehr ansprechende Film von einem wunderbaren Soundtrack, der von Hildur Guðnadóttir („Chernobyl“/„Sicario: Day of the Soldado“) zusammengestellt wurde. Der Film bietet eine wunderbare auditive Untermalung und ist zu jeder Zeit audiovisuell einfach nur atemberaubend.

Filmwertung
9/10

Kurzfassung

„Joker“ ist ein wunderbares Stück filmischer Kunst, welcher genau den perfekten Weg zwischen der reinen Unterhaltung und einem langen Nachhall im Kopf der Zuschauer findet.

Fazit:

„Joker“ ist ein wunderbares Stück filmischer Kunst, welcher genau den perfekten Weg zwischen der reinen Unterhaltung und einem langen Nachhall im Kopf der Zuschauer findet. Der Film spielt etliche, bedeutsame Themen an und wird vor allem mit seiner Gesellschaftskritik zu einem bedeutsamen Werk. Besonders lobenswert ist allerdings die Schauspielleistung von Joaquin Phoenix. Von Anfang an fiebert man mit ihm so sehr mit, dass selbst schlechte Taten begründet scheinen. Der Film entwickelt eine unglaublich dichte Atmosphäre und ist auf jeden Fall sehr sehenswert.


von René Fischell

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