I Feel Pretty – Filmkritik: Charmanter Blick auf das Schönheitsideal

I FEEL PRETTY: Renee (AMY SCHUMER) © 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Die Kritik:

I Feel Pretty – Hauptplakat © 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Wir alle kennen sie, die schlanken Supermodels mit dem wunderschönen Haar und der porentief-reinen Haut, die uns aus Zeitschriften, von Plakatwänden oder aus dem Fernseher anstrahlen. Obwohl die normale Hausfrau nicht mit jenen Schönheiten konkurrieren kann, rücken Modeschöpfer oder Hochglanzmagazine nur selten von diesen “Idealen“ab. Frauen, die sich von Magermodels umgeben fühlen und deren Selbstbewusstsein dadurch auf ein Minimum geschrumpft ist, mögen das Gefühl haben, in der heutigen Welt unsichtbar zu sein. Doch manchmal fehlt nur ein gesundes Selbstbewusstsein und Körpergefühl, um sich trotz weiblicher Rundungen behaupten zu können. „I Feel Pretty“ mit Amy Schumer in der Hauptrolle, erfindet zwar die Komödie nicht neu, erzählt aber mit viel Herz und Charme eine Geschichte, mit der man sich identifizieren kann.

Renée (Amy Schumer) ist eine talentierte IT-Spezialistin. Obwohl sie ihren üppigen Rundungen trotzt und sich in kurze Röckchen schmeißt, fühlt sie sich stets unsichtbar. Um ihr Selbstwertgefühl aufzupolieren und endlich das Gewicht in den Griff zu kriegen, meldet sie sich bei einem Spinningkurs an. Doch im Raum voller schlanker Grazien mit perfekten Körpern, kommt sie sich fehl am Platz vor. Als sie zudem mit dem Fahrrad zusammenbricht, ist der Peinlichkeit kaum noch etwas draufzusetzen. Doch Renée wagt einen zweiten Versuch und fällt kurzerhand erneut vom Rad. Diesmal endet der Fall mit einer Gehirnerschütterung und einer kurzzeitigen Ohnmacht. Als Renée aus eben jener wieder zu sich kommt, spielt das Bewusstsein ihr einen Streich.

I FEEL PRETTY: Renee (AMY SCHUMER,  Mitte)© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Denn plötzlich findet sie sich selbst wunderschön, wobei sie sich körperlich überhaupt nicht verändert hat – was dem Zuschauer sofort bewusst ist. Doch Renée ist von ihrem Blick in den Spiegel überzeugt. Endlich in dem Körper, den sie sich immer gewünscht hat, taut sie
sichtbar auf. Sie präsentiert sich ihren Freundinnen Vivian (Aidy Bryant) und Jane (Busy Philipps) sowie der Männerwelt als sexy Frau. Dank des neuen Selbstbewusstseins bewirbt sie sich sogar bei einem angesehenen Kosmetikimperium. Obwohl sie – ganz offensichtlich – noch immer nicht den äußeren Anforderungen entspricht, bekommt sie den Job als Empfangsdame. Die schüchterne Chefin Avery LeClaire – herrlich naiv und mit niedlichen Sprachfehler von Michelle Williams verkörpert – ist von Renées Temperament und ihren Ansichten fasziniert. Schnell macht sie Renée zu ihrer Beraterin, der sie von Grund auf vertraut.

I FEEL PRETTY (v.l.n.r.): Jenn (CAROLINE DAY), Helen (NAOMI CAMPBELL), AverysAssistent(ADAM VERA), Avery LeClair (MICHELLE WILLIAMS) © 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Endlich führt Renée das erfolgreiche Leben, von dem sie immer geträumt hat. Und plötzlich liegen ihr auch die Männer zu Füßen. Nicht nur die charmante
Zufallsbekanntschaft aus der Reinigung (Rory Scovel) ist von Renée bezaubert, sondern auch der Firmenchef (Tom Hopper). Das Leben könnte besser nicht laufen, auch wenn der berufliche Erfolg zu Veränderungen der Persönlichkeit führt. Schnell färbt der Erfolg auf Renées Benehmen ab und sie behandelt ihre Freundinnen unsensibel und herablassend, was zum Streit zwischen ihnen führt. Doch dies ist nicht das größte Problem. Denn ein erneuter Schlag auf den Kopf rückt Renées Wahrnehmung wieder ins Lot und plötzlich scheint sich ihr neues Leben wieder inWohlgefallen aufzulösen.

I FEEL PRETTY: Aidy Bryant, Busy Philipps und Amy Schumer (v.l.n.r.) © 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Das Drehbuch- und Regieduo Abby Kohn und Marc Silverstein haben eine herzliche Komödie geschaffen, die das heutige Frauenbild kritisch hinterfragt und zugleich die Mode- und Kosmetikindustrie durch den Kakao zieht. Amy Schumer, die ihre Rundungen mutig präsentiert, mausert sich vom Mauerblümchen zur erfolgreichen Geschäftsfrau. Dies geschieht mit einer großen Prise Narzissmus, der im Laufe des Films regelrecht zelebriert wird. Das Selbstbewusstsein wächst, wird jedoch nur allzu schnell von einer quälenden Ignoranz und Überheblichkeit anderen gegenüber abgelöst. Doch der Film möchte keinesfalls vermitteln, dass
schöne Menschen von oben herab ihre Mitmenschen beäugen, auch wenn dies gerade in den meisten Szenen der Fall zu sein scheint. Daher gewinnt der Film erst wieder an Charme, wenn Renée sich ihren körperlichen Problemzonen wieder allzu bewusst ist und erkennt, dass ihre Freundschaften nicht von Äußerlichkeiten abhängen.

I FEEL PRETTY: Renee (AMY SCHUMER, l.) und Ethan (RORY SCOVEL, r.)
© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Fazit:

Der schmale Grad zwischen Humor und Fremdschämen wird nie überschritten und dennoch ist es schon eine ganz besondere Art von Witz, die mit Amy Schumer über die Kinoleinwand fegt. Denn wie schon aus ihren vorigen Filmen (u.a.“Dating Queen“ und “Mädelstrip“) bekannt, ist sich die Darstellerin für keinen Fettnapf zu schade. Und deswegen und auch aufgrund der nett verpackten Message kann man sich diesen Film getrost mit seinen Freundinnen bei einem Mädelsabend ansehen.


von Sandy Kolbuch

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