Club der roten Bänder – Wie alles begann – Filmkritik: Die Vorgeschichte der gefeierten VOX-Serie

Club der roten Bänder - Wie alles begann ©Universum

Die Kritik:

Club der roten Bänder – Der Film © Universumfilm

Der spanische Drehbuchautor, Dramatiker, Journalist, Schauspieler und Filmregisseur Albert Espinosa erkrankte mit 14 Jahren an Krebs. Über zehn Jahre hinweg musste er immer wieder stationär aufgenommen und behandelt werden. Trotz des Verlusts eines Beins, eines Lungenflügels und einem Teil seiner Leber, verlor er nie die Hoffnung. Seinen langen Leidensweg hielt er in seinen Memoiren “Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt“ fest. Basierend darauf entstand die katalanische Serie “Polseres vermessles“. Der TV-Sender VOX adaptierte die Serie für das deutsche Fernsehen, die in 3 Staffeln mit insgesamt 30 Episoden von November 2015 bis Dezember 2017 ausgestrahlt wurde.

Die Serie erzählt von den jugendlichen Patienten Leo (Tim Oliver Schultz), Jonas (Damian Hardung), Hugo (Nick Julius Schuck), Emma (Luise Befort), Alex (Timur Bartels) und Toni (Ivo Kortlang), die im Kölner Albertus-Klinikum zusammentreffen. Sie gründen den “Club der roten Bänder“ und stehen sich gemeinsam bei ihren Leiden im Krankenhaus sowie dem Erwachsenwerden bei. Jetzt, zwei Jahre später, kommt der lang erwartete Kinofilm “Der Club der roten Bänder – Wie alles begann“ auf die Leinwand. Der Film erzählt die Vorgeschichte der Jugendlichen, bevor sich ihr Leben durch ihre jeweilige Diagnose ändert.

Club der roten Bänder -Der Film : Hugo (Nick Julius Schuck) kurz vor seinem Sprung ©Universum/Martin Rottenkolber

Wie auch in der Serie, wird die Geschichte mit Leo in der Hauptrolle und Hugo als allwissenden Erzähler beschrieben. Die Handlung beginnt im Alltag der Jugendlichen, die mit Sorgen, Problemen, Auseinandersetzungen mit Freunden, Eltern und Geschwistern gepflastert sind. Leos (Tim Oliver Schultz) Leben ist beschattet von der Krebserkrankung seiner Mutter. Er versucht, die Sorgen beim Fußball zu verdrängen und ignoriert dabei die Schmerzen in seinem Bein. Als er erneut beim Spiel zusammenbricht, schickt ihn sein Trainer zu einer Untersuchung ins Krankenhaus. Die als harmlos erachtete Entzündung entpuppt sich als inoperabler Tumor. Leo muss sich einer Amputation unterziehen, die sein Leben zu beenden scheint. Doch dank seines penetranten Bettnachbarn Benni (Jürgen Vogel) lernt er mit seinem Schicksal zu leben und sogar wieder Freude zu empfinden.

Benni (Jürgen Vogel) und Leo (Tim Oliver Schultz) rauchen zusammen einen Joint. © Universumfilm

Auch Jonas (Damian Hardung) liebt das Fußballspiel und versucht durch den Sport die Misshandlungen durch seinen älteren Bruder zu verdrängen. Als sein Bein zu schmerzen beginnt, ahnt er nicht, dass eine ernsthafte Erkrankung dahinter steckt, bis er im Krankenhaus die Diagnose erfährt.

Jonas (Damian Hardung) mit seinem Bruder Nils (Anton Spieker). © Universumfilm

Schülerin Emma (Luise Befort) führt derweil ein Leben mit ständigem Leistungsdruck. Als talentierte Chorsängerin versucht sie, die großen Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen. Während ihre Mutter stets stolz auf sie ist, verliert ihr Vater sie bei seiner Karriere aus den Augen. Als eine berufliche Veränderung ansteht und die Familie zu zerbrechen droht, sucht Emma Trost in Medikamenten, die ihre eigene Körperempfindung rapide stören.

Emma (Luise Befort) hat einen Auftritt mit dem Schulchor. © Universumfilm

Auch in Alex‘ (Timur Bartels) Familie geht es nicht besonders liebevoll zu. Sein Vater glänzt meist durch Abwesenheit, was seine Mutter immer unglücklicher macht. Als Alex den wahren Grund herausfindet, entwickelt er eine unbändige Wut, die ihn auch im Schulalltag nicht loslässt. Er steigert sich in den Hass gegen seinen Vater hinein und nimmt seine Brustschmerzen nur als Nebenwirkung dessen wahr, bis er nach einem Infarkt im Krankenhaus landet.

Alex (Timur Bartels) lässt seinen Frust mit einer Spraydose in der Schule heraus © Universumfilm

In der Notaufnahme findet sich auch Toni (Ivo Kortlang) wieder, ein junger Asperger-Patient, der bei dem Versuch Freunde zu finden, mit einem Moped verunglückt ist.
Während sich die Wege der vier Jugendlichen im Krankenhaus das erste Mal kreuzen, kann Hugo (Nick Julius Schuck) ihre Ankunft kaum erwarten. Seitdem er zwei Jahre zuvor von einem 10-Meter-Turm ins Schwimmbecken sprang, liegt er im Koma. Er scheint tief zu schlafen, nimmt aber alles um sich herum wahr und fühlt sich mit den anderen verbunden. Nach dem jeweils ersten Schreck nähern sich die Jugendlichen an und erkennen, dass sie einander brauchen, wenn sie ihre Zeit auf der Station überleben wollen.

Toni (Ivo Kortlang) schaut sich mit seinem Opa (Dieter Schaad) Züge an. ©Universum/Martin Rottenkolber

Regisseur Felix Binder gelingt es, die Vorgeschichte der Serie mit dem Film detailliert herauszuarbeiten. Die Zuschauer lernen die Charaktere, die ihnen in der Serie ans Herz gewachsen sind, noch als gesunde Teenager in ihrem ganz normalen Alltag kennen. Mit ihnen gemeinsam erfahren sie die Diagnose und werden Zeuge des Umgangs mit der neuen Situation. Albert Espinosa, der zusammen mit Arne Nolting und Jan Martin Scharf an dem Drehbuch gearbeitet hat, lässt in dem Kinofilm seine eigene Geschichte sowie die seines Mitbewohners einfließen.

Club der roten Bänder -Der Film ©Universum/Martin Rottenkolber

Das Setdesign entspricht durchweg dem Eindruck, dass die Handlung in einem realen Krankenhaus spielt. Die bereits bekannten Figuren aus der Serie treffen auf noch bisher unbekannte Charaktere, die die jeweilige Hintergrundgeschichte der Hauptfiguren prägt. Auch wer die Serie und dadurch die Schicksale der Figuren kennt, nimmt erneut Anteil an deren Leben. Nachdem man gesehen hat, wie die Teenager einst lebten, wird deren weiterer Verlauf zur emotionalen Achterbahnfahrt. Doch bis auf wenige, traurige Momente, erweckt der Film keine düstere Stimmung. Er sensibilisiert vielmehr für das jeweilige Schicksal, dem auch positive Momente vorangehen und zeigt selbst nach der Diagnose und Behandlung Freude und Spaß am Leben.
Die schauspielerischen Fähigkeiten aller Darsteller sind positiv zu erwähnen, weil man jedem das Krankheitsbild abnimmt, auch wenn Emmas Magersucht nicht allzu plakativ in Szene gesetzt wird. Für die Fans der Serie liefert der Film spannende und interessante Einblicke in das Leben der Figuren. Wer die Serie bisher nicht gesehen hat, liefert der Film genau die Vorgeschichte, die den Wunsch aufkommen lässt, die Figuren anschließend durch die Serie zu begleiten.

7/10

Summary

“Club der roten Bänder – Wie alles begann“ erzählt die Vorgeschichte der gefeierten VOX-Serie.

Fazit:

“Der Club der roten Bänder – Wie alles begann“ schildert eine zeitlose und allgegenwärtige Geschichte, die weltweit täglich Menschen widerfährt. Mit einfühlsamen, aber stets hoffnungsvollem Blick zeigt der Film den Umgang mit Krankheiten und die Annäherung von Patienten, die in der größten Not zu Freunden werden.


von Sandy Kolbuch

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