Filmkritik zum Charakterdrama Wo ist Kyra?

Wo ist Kyra - Doug (Kiefer Sutherland) taucht an ihrer Seite auf
Wo ist Kyra - Doug (Kiefer Sutherland) taucht an Kyras Seite auf © KSM

Die Kritik:

Wo ist Kyra Bluray Cover
Wo ist Kyra Bluray Cover © KSM

Wo ist Kyra? ist ein Gesellschaftsdrama, das im Kino nicht groß rauskam und im Übrigen auch schon gut zwei Jahre alt ist. Beim durchschnittlichen Zuschauer kam der Festival-Film nicht einmal sonderlich gut an. Ganz anders die internationalen Kritiken, die vor allem die Protagonistin feierten. Ein Blick auf diesen kleinen aber feinen Film lohnt sich auf jeden Fall. Die Blu-ray zum Film erschien dazu am 07.11.2019.

Die titelgebende Kyra wird von Michelle Pfeiffer verkörpert, einer älteren und mittlerweile arbeitslosen Frau, die mit ihrer kranken Mutter zusammenlebt. Nur durch deren Rente kommen die beiden über die Runden. Ein Zuckerschlecken stellt das karge Leben von Kyra aber sicher nicht dar – und erst recht nicht als ihre Mutter verstirbt. Neben der Trauer über ihre einzige Bezugsperson häufen sich nun auch noch die Schulden. Ein paar Möbelstücke kann sie zwar zu Geld machen, einen Nachlass gibt es jedoch nicht und es hagelt nur weitere Job-Absagen. Irgendwann lernt sie den ebenfalls verlassenen Doug (Kiefer Sutherland) kennen, der Kyras Leben wieder mit etwas Sinn erfüllt. Doch ihre finanziellen Sorgen kann auch er ihr nicht nehmen. So entschließt sie sich zu einem waghalsigen Schritt, um weiterhin die Rente der verstorbenen Mutter einzuziehen…

Wo ist Kyra - Kyra trinkt eine Cuba Libre
Kyra trinkt eine Cuba Libre © KSM

Der Film steht oder fällt mit der einzigen Protagonistin des Films, was hier zum ersten Pluspunkt führt. Denn Michelle Pfeiffer bestätigt ihre zuletzt ansteigende Formkurve und liefert ein grandioses Schauspiel ab. Mit nuancierten Emotionen und fern vom Overacting trifft sie voll auf den Punkt. Es ist unschwer auszumachen, was für eine grazile und sicher auch stolze Dame Kyra einmal gewesen ist – und zu Teilen immer noch ist. Dabei ist ihre Rolle weder besonders sympathisch noch unsympathisch. Zum einen kümmerte sie sich lange fürsorglich um ihre Mutter und sucht verzweifelt nach Arbeit. Zum anderen agiert sie mal etwas hochnäsiger oder zeigt unverständliches Verhalten (etwa wenn sie trotz finanziellen Problemen Zigaretten raucht). Ein ganz natürlicher Mensch möchte man meinen, deren Bewertung und Lage frei von Sympathie erfolgen kann und muss.

Der zweite Pluspunkt ergibt sich aus dem authentischen Drehbuch und der realitätsnahen Umsetzung, bei der natürlich auch Sozialkritik nicht fehlen darf. Denn wie wird mit einer in die Jahre gekommenen, arbeitssuchenden und alleinstehenden Frau in Amerika umgegangen? Ohne Sozialstaat, Familie oder Freunde geht es immer tiefer in die Abwärtsspirale. Das Ende von „Wo ist Kyra?“ ist dann vielleicht zugunsten des Spielfilms etwas „thrilliger“ ausgefallen (und das wirklich gut!), doch auch so bildet Regisseur Andrew Dosunmu ein traurig stimmendes Indie-Drama ab.

Bild:

Wo ist Kyra - Kyra wird von Michelle Pfeiffer verkörpert
Der Film spielt viel mit dunklen Szenen © KSM

Dass Regisseur Andrew Dosunmu auch eine Vorliebe für Fotografie hat, kommt im Film immer wieder durch. Ungewöhnliche Kameraperspektiven und langsame -fahrten sowie lange Standbilder fordern den Zuschauer, verfehlen ihre Wirkung aber nicht – nämlich die konkrete Wahrnehmung von Gestik und Mimik. Wohingegen etwas zu viel gewollt wird, ist bei den vielen einhergehenden dunklen Szenerien der Fall. Das drückt die Stimmung noch etwas mehr aber auch die Bildqualität leidet darunter.

Ton:

Der Ton (im DTS-HD MA 5.1) ist dagegen extrem unauffällig. Es gibt keinen ablenkenden Soundtrack oder Actionszenen, die hier hervorstechen. Die Dialoge sind realitätsnah wie der gesamte Film.

Extras:

Gemessen an der kleinen Produktion überrascht das dürftige Bonusmaterial nicht. Lediglich Trailer und Bildergalerie sind hier zu nennen.

  • 7.5/10
    Film - 7.5/10
  • 9/10
    Bild - 9/10
  • 7/10
    Ton - 7/10
  • 2/10
    Extras - 2/10
7.5/10

Kurzfassung

Intime und nie langweilig werdende Charakterstudie mit einer grandiosen Michelle Pfeiffer.

Fazit:

Wer etwas für düstere, realitätsnahe Charakter-Dramen übrig hat, ist bei „Wo ist Kyra?“ gut aufgehoben. Letztlich sind es die Schauspieler und die interessante Kamera, die den unkitschigen Indie-Film so gut machen.


von Nicolas Wenger


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