Wakefield: Dein Leben ohne Dich – Blu-ray Kritik

Bryan Cranston in Wakefield
Bryan Cranston in Wakefield © KSM GmbH

Die Kritik:

Wakefield Blu-ray Cover
Wakefield Blu-ray Cover © KSM GmbH

Bryan Cranston hat bis dato eine faszinierende Karriere hinter sich gehabt. Der 63-jährige Schauspieler hat in seiner Anfangszeit kleinere Rollen in Serien und Spielfilmen angenommen, bevor er mit der Comedyserie „Malcolm mittendrin“ seinen Durchbruch als Hal, den Familienvater, feierte. 2006 endete die Show, und zwei Jahre später ergatterte er die Rolle seines Lebens, als er in der Hitserie „Breaking Bad“ Walter White verkörpern durfte. Für seine Performance als der skrupellose Drogenboss sahnte er mehrere Preise ab und bewarb sich gleichzeitig für größere Rollen in Hollywoodfilmen. Und tatsächlich bekam Cranston auch einige lukrative Spielfilmrollen wie beispielsweise in „Godzilla„. Zudem konnte er für seine Darbietung in „Trumbo“ eine Oscarnominierung einheimsen. Gleichzeitig war er in mehreren Broadway-Stücken zu sehen, für die er auch den Oscar der Theaterszene, den Tony, gewinnen konnte. Es ist kein Geheimnis, dass Cranston den Oscar gewinnen möchte, weswegen er auch einige anspruchsvolle Rollen annimmt. „Wakefield“ ist eins dieser Projekte, die ein interessantes Thema besitzen und auf dem Papier extrem gut klingen, aber dann leider an der Umsetzung scheitern, was schade ist, denn Cranston ist extrem gut.

Bryan Cranston und Jennifer Garner in Wakefield
Bryan Cranston und Jennifer Garner in Wakefield © KSM GmbH

Robin Swicord ist eine Drehbuchautorin, die zwischen 1990 und 2010 für mehrere erfolgreiche Filme das Skript beisteuerte. Sie steht für Filme mit starken weiblichen Charakteren, die Drehbücher zu Filmen wie „Matilda“ und „Die Geisha“ hat sie geschrieben. Für „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ wurde sie sogar für einen Oscar nominiert. Doch aus irgendeinem Grund hat sie seit dieser Oscarnominierung nicht mehr gearbeitet. Ganze acht Jahre später erst kehrt sie mit ihrem dritten Regieprojekt „Wakefield“ zurück und hat auch gleichzeitig das Drehbuch zum Film geschrieben. Der Film basiert auf die gleichnamige, im Jahr 1835 erschienene Erzählung des amerikanischen Schriftstellers Nathaniel Hawthorne, und erzählt von einem Mann, der beschließt, seine Familie von ihrer Garage aus zu beobachten, während alle vermuten, dass er vermisst oder sogar gestorben ist. Sehr interessante und auch zugegeben creepy Prämisse, und die Inszenierung von Swicord ist handwerklich sehr solide, doch dem Film fehlt es an Spannung, zudem geht dem Drama nach der Hälfte der Laufzeit die Luft aus, weil im Film selbst nicht viel passiert und alles sich nach einiger Zeit wiederholt. Man hätte die Motive des Hauptcharakters vielleicht besser verstehen können, wenn es mehr Flashbacks gegeben hätte. Doch es ist auch Swicord zu verdanken, dass der Film für eine lange Laufzeit das Interesse des Zuschauers überhaupt erst halten kann.

Wakefield: Bryan Cranston spielt Howard Wakefield
Wakefield: Bryan Cranston spielt Howard Wakefield © KSM GmbH

Bryan Cranston spielt Howard Wakefield, und oberflächlich betrachtet hat der Mann alles, was das Herz begehrt: Eine wunderschöne Frau, die auch noch jünger ist als er, zwei Töchter, er ist Partner einer renommierten Kanzlei und er lebt in einem großen Haus. Umso überraschender ist sein Gedanke, sein altes Leben hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu starten. Doch er will nicht in eine andere Stadt flüchten, ganz im Gegenteil: Er möchte ganz nah bei seiner Familie bleiben, um sie zu beobachten. Also gibt Wakefield den Vermissten, während er sich in der Garage gegenüber vom Familienhaus einnistet. Je länger dieses Spiel andauert, umso stärker mutiert Wakefield zu einem echten Obdachlosen: Er stöbert im Müll, um sein Essen zu finden, duscht im Nachbarshaus und pinkelt in Flaschen rein. Wakefield selbst weiß nicht, wann er mit diesem Spiel aufhören soll. Bryan Cranston ist ein wahnsinnig begabter Schauspieler, denn nicht viele hätten einen solchen Film alleine tragen können. Zudem schafft es nur ein Talent wie Cranston, einem Arschloch wie Wakefield so etwas wie eine Art Seele zu verpassen. Zudem kann Cranston überzeugend diesen inneren Konflikt von Wakefield auf die Leinwand übertragen. Die weibliche Hauptrolle übernimmt Jennifer Garner, die hier die Frau von Cranston spielt. Leider bekommt sie nicht genug Material, um ihr Talent zur Schau zu stellen. Doch Garner scheint nicht zu altern und sieht immer noch wahnsinnig gut aus.

Jennifer Garner in Wakefield
Jennifer Garner in Wakefield © KSM GmbH

Der große Pluspunkt dieses Films ist ganz klar Bryan Cranston’s Performance. Der Film erinnert an eine One-Man-Theatershow, nur dass es ein Film ist und Cranston das Drama auf seinen Schultern trägt. Des Weiteren ist die Prämisse extrem spannend. Seine eigene Familie zu beobachten von der Garage aus zu beobachten, während sie um den Vater und Ehemann trauern, der nicht mehr bei ihnen ist, erinnert ein bisschen an „Das Fenster zum Hof“, nur das „Wakefield“ darüber hinaus geht. Der Film fängt stark an und anfangs ist es amüsant Wakefield dabei zu beobachten, wie er seine eigene Familie beobachtet. Dabei geben die inneren Monologe ein Blick in die Gedanken von Howard, und hier macht der Film einige gravierende Fehler. Denn Swicord versucht, das Verhalten von Wakefield rechtzufertigen und geht dabei einen gefährlichen und nicht nachvollziehbaren Weg ein. Des Weiteren werden hier Themen angeschnitten, ohne sie weiter zu vertiefen. Dass Wakefield einfach mal so seine Familie verlassen kann, obwohl er das meiste Geld verdient hat und sich nicht mal im geringsten darum schert, ob seine Familie ohne ihn finanziell überleben kann, kann mal als Kritik von „White Privilege“ verstehen, aber man geht nicht näher auf diese Gedanken von Wakefield ein. Wenn Howard sagt, dass er seine Frau mehr liebt als je zuvor, dann kauft man ihm das nicht ab, weil er sein perfides Spiel immer noch nicht abbricht. Ärgerlich ist es auch, dass sich die Story fast ausschließlich um Harrys Arroganz und Dianas Begehren kümmert, während die Gefühle für die Zwillingstöchter unterentwickelt bleiben. Zu keinem Zeitpunkt wird die Liebe zu seinen Töchtern erwähnt, seine Frau Diana bleibt der Mittelpunkt seiner Gedanken.

Bild:

Die Bilder in der Helligkeit sind scharf und haben eine schöne Wärme an sich. Doch sehr viele Szenen spielen sich in der Dunkelheit ab und da wird das Schwarz ganz schnell zu einem grünlich-grauen Gemisch, welches nicht überzeugen kann. Wenigstens sind die Bilder konstant scharf.

Ton:

Weiß zu überzeugen.

Extras:

Das Bonusmaterial von Wakefield enthält neben drei sehr angenehmen und aufschlussreichen Interviews noch eine B’Roll, sowie den Trailer zum Film. Mehr kann man von einem Drama auch nicht erwarten.

Blu-ray Wertung
  • 5.5/10
    - 5.5/10
  • 7.5/10
    - 7.5/10
  • 8/10
    - 8/10
  • 5/10
    - 5/10
6/10

Kurzfassung

Cranston’s Tour de Force-Performance wertet den Film extrem auf.

Fazit:

Letztendlich bleibt „Wakefield“ unter den Erwartungen zurück, trotz einiger interessanter Ideen. Das Drehbuch ist nicht perfekt, bietet aber einige poetische Dialoge. Cranston’s Tour de Force-Performance wertet den Film extrem auf. Man kann nur hoffen, dass Cranston bald anfängt, mit hervorragenden Regisseuren zu arbeiten, denn seine Karriere nach „Breaking Bad“ ist derzeit etwas enttäuschend.


von Denizcan Sürücü


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