Piercing – Blu-ray Kritik: ein sehr abgefahrener Film

Mia Wasikowska und Christopher Abbott in Piercing
Mia Wasikowska und Christopher Abbott in Piercing © Busch Media Group

Die Kritik:

Piercing Blu-ray Cover
Piercing Blu-ray Cover © Busch Media Group

Reed (Christopher Abbott) möchte unbedingt einen Menschen umbringen. Bei seinem Baby schreckt er allerdings zurück, da er nicht seine Familie verletzen möchte. Er nimmt eine anstehende Geschäftsreise zum Anlass, um sich einen perfiden Plan auszudenken: Er will sich eine Prostituierte auf sein Zimmer bestellen, diese fesseln und dann mit einem Eispickel erschlagen. Als es dann aber soweit ist, hat die Prostituierte ihre eigenen Pläne und es entsteht eine merkwürdige Beziehung.

„Piercing“ zu beschreiben ist sehr schwer, ihn irgendwo einzuordnen ist fast schon unmöglich. Im Grunde ist dieser Film eine Charakterstudie über eine Person, die der Mordlust verfallen ist. Es sind viele Elemente aus dem Horror, dem Thriller, dem Slasher und dem Drama wiederzufinden. Dabei schreckt der Film keineswegs vor psychosexuelle Fetischen zu zeigen oder gar in die abstrakte Retro-Ästhetik zu verfallen. Der Protagonist Reed wird dabei permanent gezeigt. Es gibt kaum Einstellungen, bei denen er nicht zu sehen ist. Der Zuschauer muss ihn also bei all seinen Taten beobachten. Bis die Prostituierte Jackie (Mia Wasikowska) im Film zu sehen ist, ähnelt Reed schon fast Sherlock Holmes. Er durchplant wirklich alles. Sei es von der richtigen Einrichtung des Zimmers, bis zu der richtigen Menge von Chloroform oder die beste Art um jemand zu fesseln. Er plant sogar jedmöglichen Dialog, um auf jede Frage die passende Antwort zu haben. Als dann aber Jackie wirklich ins Zimmer tritt, prallen diese beiden Charaktere aufeinander und es entsteht eine sehr außergewöhnliche Beziehung, da Jackie sich nicht so einfach töten lassen möchte. Sie hat mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen und schwankt zwischen einem engelsgleichen Auftreten und dem personifizierten Teufel.

Mia Wasikowska in Piercing
Mia Wasikowska in Piercing © Busch Media Group

Der Regisseur Nicolas Pesce (The Eyes of My Mother) bearbeitet in diesem Film wohl seine psychischen Probleme. Dabei inszeniert er Christopher Abbott („Aufbruch zum Mond“/„It Comes at Night“) und Mia Wasikowska („Crimson Peak“/„Alice im Wunderland“) als ziemlich ungleiche Charaktere. Aber genau diese verschiedenen Persönlichkeiten lassen eine interessante Synergie entstehen.

Bild:

Das Bild ist ziemlich Retro-ästhetisch. Der Kameramann Zack Galler („The Ticket“) kreiert sehr abgefahrene Bilder, welche oftmals im kompletten Rot getränkt sind. Er nutzt viele plakative Farben und so kommt es, dass die Blu-ray an keiner Stelle rauscht. Allerdings merkt man bei Kamerafahrten, die Gebäude zeigen, dass die alle aus Pappe bestehen. Cineasten schätzen diesen Anblick, für andere könnte es eventuell störend sein.

Ton:

Der Ton wurde auf DTS-HD 5.1 abgemischt und es kommt zu keinen Überlappungen der einzelnen Spuren. Der Komponist Michael Kurihara („Solace“) benutzt interessante und bekannte Musikstücke, um einen einzigartigen Soundtrack für diesen Film zu erstellen. Dieser untermalt den Film zu jeder Sekunde und spiegelt permanent den Wahnsinn der beiden Charaktere wieder.

Extras:

Leider befinden sich auf der Blu-ray nur Trailer zu anderen Filmen von der „Busch Media Group“.

Blu-ray Wertung
  • 6/10
    Film - 6/10
  • 8/10
    Bild - 8/10
  • 8/10
    Ton - 8/10
  • 1/10
    Extras - 1/10
6/10

Kurzfassung

Ein sehr abgefahrener Film, welcher durch seine Brutalität, Intimität und sexuelle Ausdrucksweise die Gemüter spaltet.

Fazit:

„Piercing“ ist ein sehr abgefahrener Film, welcher wahrscheinlich nicht jeden Zuschauer überzeugen kann. Durch seine Brutalität, Intimität und sexuelle Ausdrucksweise spaltet er die Gemüter. Die Geschichte und die beiden sehr verschiedenen Charaktere können aber punkten und so wird aus diesem Film ein abgefahrener Trip durch die sexuelle Psyche zweier blutrünstiger Charaktere.


von René Fischell


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