Nightmare – Schlaf nicht ein – Blu-ray Kritik: Fantastisches Atmosphärekino

Dr. Alice Arnolds (Maggie Q) in Nightmare - Schlaf nicht ein © Tiberius Film

Die Kritik:

Nightmare - Schlaf nicht ein Blu-ray Cover
Nightmare – Schlaf nicht ein Blu-ray Cover © Tiberius Film

Die Schlafstarre bzw. Schlafparalyse beschäftigt Forscher seit ewigen Zeiten. Heutzutage sind die meisten Geheimnisse rund um dieses Phänomen wissenschaftlich erklärbar, doch die Problematik und ihre Mysterien lassen sich bis in die skandinavische Mythologie zurückverfolgen. Auch Newcomer Jonathan Hopkins fand das Thema wohl so interessant, dass er sich die knallharte Actionikone Maggie Q für sein Debut sicherte, die sich gegen eine uralte Sagengestalt zur Wehr setzen muss, die sich ihrer Opfer im Schlaf bemächtigt.

Dr. Alice Arnolds (Maggie Q) ist Ärztin in einem Schlaflabor und untersucht verschiedene Formen von Schlafstörungen und ihre Ursachen. Nicht selten finden sich Patienten in ihrem Büro wieder, die unter der sogenannten Schlafparalyse leiden. So auch Familie Morgan, die insbesondere wegen ihres Sohnes Daniel (Lucas Bond) ärztlichen Beistand sucht. Seit dem plötzlichen Kindstod seines Bruders schlafwandelt er immer wieder und leidet unter schlimmen Albträumen. Dr. Arnolds sieht den Verlust als Ursache der Träume, bis sein Vater ihr offenbart, dass die gesamte Familie betroffen ist. Skeptisch behält Alice die Vier über Nacht zur Beobachtung da, und wird Zeuge von Etwas, das ihr in früher Kindheit den Bruder genommen hat, während sie hilflos dabei zusehen musste. Hin und her gerissen zwischen Angst und dem Wunsch zu helfen trifft sie eine folgenschwere Entscheidung.

Maggie Q in Nightmare - Schlaf nicht ein
Maggie Q in Nightmare – Schlaf nicht ein © Tiberius Film

Kurz, präzise und ohne unnötige Längen, werden sowohl Dr. Arnolds und ihre familiäre Situation, als auch die der Familie Morgan vorgestellt und dem Zuschauer vertraut gemacht. Auf der einen Seite das scheinbar perfekte Leben einer Ärztin: Glücklich verheiratet, eine bildhübsche Tochter und ein luxuriöses Eigenheim in einer idyllischen Gegend; auf der anderen eine kleine Mittelstandsfamilie, die vom Schicksal förmlich verfolgt wird. Kürzlich erst mussten sie den Tod ihres Jüngsten verarbeiten und anschließend wird Sohnemann Daniel von grauenhaften Albträumen heimgesucht, die ihn immer schwächer werden lassen. Was dann folgt lässt Paranormal Activity wie ein Kaffekränzchen aussehen und sorgt mal für richtig Gänsehaut: Erst gibt’s eine langsame und beunruhigend tonlose Kamerafahrt quer durch das Haus bis es im Schlafzimmer von Daniel abrupt stoppt. Dann erheben sich wie in Trance erst Papa Charlie (Sam Toughton), dann Mama Sarah (Kristin Bush) und zu böserletzt die süße Tochter Emily (Honor Kneafsey). Jeder von Ihnen ist gefangen in seinem eigenen persönlichen Albtraum und nicht mehr in der Lage auf Daniel zu achten, der als einziger nicht träumt. Als Zuschauer hinter der Scheibe kann man nur tatenlos zusehen was sich dort abspielt und man kann sich beim Anblick der schlafwandelnden, fast schon wahnhaften Akteure, einer Gänsehaut nicht erwehren.

Kristen Bush in Nightmare - Schlaf nicht ein
Kristen Bush in Nightmare – Schlaf nicht ein © Tiberius Film

Und genau das macht „Nightmare“ oder im Originaltitel „Slumber“ aus. Er spielt mit Urängsten gewürzt mit der für sich schon gruseligen, Jahrtausende alten Legende des Nachtmahr, der laut Volksmund des Nachts Menschen befällt, ihnen den Atmen nimmt und sie mit ihren schlimmsten Ängsten heimsucht. Wenn man so will die Inspiration für Freddy Krüger. Da Alice aber eine Frau der Wissenschaft ist, tippt sie auf Schlafparalyse, weil es keine kleinen Monster oder Geister gibt. Schlafparalyse bezeichnet einen Fehler im Ablauf von Schlaf- und Wachphase, bei dem der Betreffende zwar aus der Traumphase aufwacht, sich aber nicht bewegen kann. Das wird hervorgerufen durch eine verspätete Schaltung der Muskulatur, die sich während des Träumens zum Selbstschutz automatisch außer Kraft setzt. Das Zusammenspiel aller Faktoren ruft Panik und Wahrnehmungsstörungen hervor, die den Betroffenen bisweilen zu Tode ängstigen können. Gerade das Einbringen wissenschaftlich fundierten Wissens und das Aufgreifen von Überlieferungen üben eine besondere Faszination aus, und die glaubhaft agierenden Personen, die echtes Mitgefühl auslösen, machen das Geschehen hinter dem Bildschirm gar nicht mehr so abwegig. Noch ein Punkt den Filme, speziell Horrorfilme nicht oft zu transportieren im Stande sind. Unterstützt durch schaurige Kulissen, die sich wirklich sehen lassen können macht es bis kurz vor Schluss richtig Spaß mitzufiebern und sich von der Stimmung mitreißen zu lassen. Bei der Auflösung und dem abrupten Finale wäre aber deutlich Luft nach oben gewesen. Die verstörenden Aufnahmen werden weniger, der beklemmende Grundton verebbt und wird ausgetauscht durch eine an den Haaren herbeigezogene Wendung, die man aber hätte verzeihen können, wenn die Darstellung die richtige gewesen wäre. Da ich in meinen Kritiken keine Spoiler verwende, müsstet ihr euch davon selbst ein Bild machen.

Bild:

Emily (Honor Kneafsey) in Nightmare - Schlaf nicht ein
Emily (Honor Kneafsey) in Nightmare – Schlaf nicht ein © Tiberius Film

Leider muss „Nightmare“ in dem Punkt einige Federn lassen die vermeidbar gewesen wären. So ist erst mal nichts an dem 1080p HD im 16:9 Format auszusetzen. Die Kulissen sind stimmig, die Farb- und Kontrastverhältnisse sind gestochen scharf und stimmungsvoll präsentiert. Aber in einigen Szenen gerade zu Beginn hinter dem Haus von Dr. Arnold sind ca 1cm des oberen und unteren Bildrands verschwommen und blass, und das nicht gewollt oder als Mittel im Film. Des weiteren sind in 2 Passagen, in denen Untertitel eingeblendet werden, die UTs vor dem eigentlich Untertitelten zu sehen. Ein Schönheitsfehler, aber dennoch nicht erfreulich.

Ton:

Der Ton, gegeben in zwei Audiospuren (deutsch und englisch) untermalt stimmungsvoll das Grauen, mal durch absolute Stille, dann durch verstörende Hintergrundgeräusche, die im DTS-HD Master Audio voluminös aus den Boxen dröhnen. Gut verständliche Dialoge und ein sauberes Lautstärkenverhältnis lassen keinen Raum zur Beanstandung.

Extras:

Die Extras sind dagegen sehr lächerlich und gerade bei einem Film mit so vielen Bezügen zu Legenden, Mythen und Wissenschaftlichen Belegen schreit doch förmlich nach Bonusmaterial. Aber leider geht der interessierte Kunde diesbezüglich leer aus und hat lediglich Trailer im Gepäck. Sehr Schade.

Fazit:

Jonathan Hopkins macht so gut wie alles richtig und sorgt trotz der kurzen Lauflänge von 85 Minuten für knackige Gruselkost. Die Darsteller sind toll gewählt, transportieren echte Gefühle und punkten mit logischen Handlungen; Storytelling bleibt bis kurz vor Schluss konstant spannend und die Atmosphäre ist beinahe körperlich spürbar. Auch der gezielte Einsatz absoluter Totenstille sorgt für eine wohlige Gänsehaut. Somit ist „Nightmare“ als Gesamtpaket eine klare Empfehlung für Freunde des subtilen Grauens, wenn man bereit ist dem Finale einige grobe Schnitzer zu verzeihen.


von Christoph Berger


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