Hard Powder – Blu-ray-Filmkritik zum Thriller mit Liam Neeson

Nels' Bruder Brock (William Forsythe, l.) und Nels (Liam Neeson, r.)
Nels' Bruder Brock (William Forsythe, l.) und Nels (Liam Neeson, r.) © Studiocanal GmbH

Die Kritik:

Hard Powder - Bluray Cover
Hard Powder – Bluray Cover © Studiocanal GmbH

Hard Powder ist ein Remake des erfolgreichen, norwegischen Indie-Thrillers „Einer nach dem anderen“. Um dem breiten Publikum das Erfolgsrezept aus Brutalität und schwarzem Humor schmackhaft zu machen, setzte man nun sogar auf denselben Regisseur namens Hans Petter Moland. Während das Original mit Originalität überzeugte, begibt sich Hollywood hier erwartungsgemäß auf etwas sichere Pfade. Zusätzlich zieht natürlich Liam Neeson als Protagonist. Wer jetzt jedoch einen standardisierten und Ironie-befreiten Thriller befürchtet, darf aufatmen! Wir werfen in unserer Blu-ray-Kritik einen genaueren Blick auf den Film, der am 11.07.2019 startet und begutachten auch Bild, Ton und Extras der Disc.

Nels Coxman (Liam Neeson) schiebt in den Rocky Mountains ‘ne ruhige Kugel. Bedächtig schiebt er als Schneepflugfahrer die Wege im Skigebien Kehoe für die Touristen frei. Mit Frau und erwachsenem Sohn scheint sein bescheidenes Leben komplett zu sein. Doch es dauert im Film nicht lange, als dieses Idyll zerstört wird, wenn sein einziges Kind durch Drogendealer ermordet wird. Als Nels davon erfährt, sinnt er auf Rache. Anfangs schaltet er einfach den jeweils nächsthöheren Drogenboss aus. Doch was er damit anstößt, lässt lange friedliche Revierkämpfe wieder auflodern und bringt auch die gemächliche Polizei im Ort auf den Plan. Selbst im Chaos behält der Schneepflugfahrer noch einen kühlen Kopf und zeigt einen entschlossenen Mann, der nichts zu verlieren hat.

Hard Powder - Schneepflugfahrer Nels Coxman (Liam Neeson) greift zu den Waffen
Hard Powder – Schneepflugfahrer Nels Coxman (Liam Neeson) greift zu den Waffen © Studiocanal GmbH

Liam Neesons letzte Thriller waren vielleicht nicht von Extravaganz gekrönt, die Rolle des gebeutelten Rächers hat er aber schlichtweg drauf. Im vorliegenden Fall ändert sich daran wenig. Überraschen darf aber, dass er mit seiner Rolle noch den normalsten Typen im ganzen Film spielt und keineswegs ins Rampenlicht gerät. Ein interessanter Schachzug, den mit Abstand namhaftesten Akteur zeitweise so sehr in den Hintergrund zu rücken. Das funktioniert aber bestens aufgrund der erfrischenden Nebenfiguren. „Hard Powder“ spielt mit Klischees, bedient und zerstört sie beinahe im selben Atemzug und verleiht den Personen dennoch ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit.

Hard Powder: Viking (Tom Bateman, l.) und Nels (Liam Neeson, r.)
Hard Powder: Viking (Tom Bateman, l.) und Nels (Liam Neeson, r.) © Studiocanal GmbH

Zum Beispiel präsentiert der Thriller mit Viking (Tom Bateman) einen vielschichtigen, amüsanten und unberechenbaren Bösewicht – eine ähnliche ambivalente Mischung gab vielleicht Christoph Waltz in „Green Hornet“. Diese fiese Figur kann man vortrefflich lieben, während man ihr gleichzeitig einen grausamen Tod wünscht. In diesem Sinne geht der FSK 16-Streifen auch nicht zimperlich mit Gewaltdarstellungen um. Vor allem die ersten Mordszenen sind recht heftig. Richtig interessant und andersartig gestaltet sich dann die zweite Hälfte. Die Story wird immer spannender, ohne auf den morbiden Humor zu verzichten. Und auch die leiseren Töne kommen noch geschickt zur Geltung.

Bild:

Als ehemaliger Kinofilm zeigt „Hard Powder“ im 2,40:1 Format natürlich kleine schwarze Balken am oberen und unteren Bildschirm. Im Film beeindrucken dann die schneebedeckten Rocky Mountains. Auf blutige Szenen sollte man sich außerdem einstellen. Filmkörner sind keine auszumachen.

Ton:

Die Dolby Atmos Qualität der Blu-ray ist einwandfrei. Die Dialoge im Thriller zählen mehr als Mittel zum Zweck, ironische oder nachdenkliche Untertöne stechen aber immer wieder schön hinaus.

Extras:

Nebst Trailer wartet das Bonusmaterial mit einem Featurette „Willkommen in Kehoe“, Interviews mit Liam Neeson und Hans Petter Moland sowie fünf geschnittene Szenen auf. Dabei wird auch auf das Original eingegangen, was interessante Einblicke beschert.

  • 9/10
    Film - 9/10
  • 9/10
    Bild - 9/10
  • 9/10
    Ton - 9/10
  • 6/10
    Extras - 6/10
9/10

Kurzfassung

Hard Powder überrascht, macht Laune und eckt sogar ein wenig an.

Fazit:

Hard Powder ist kein Thriller, der nach Schema F abläuft. Zum unerwarteten Handlungsverlauf paaren sich nachdenkliche Momente und skurrile Figuren säumen den blutigen Weg. Zu guter Letzt erfrischt der ironische Humor und macht die 120 Minuten zu einem coolen Spaß.


von Nicolas Wenger


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