Grenzgänger – Gefangen im Eis: Blu-ray Kritik zum polnischen Survival-Thriller

Grenzgänger - Gefangen im Eis - Die Familie leidet
Grenzgänger - Gefangen im Eis: Die Familie leidet © 2018 Lighthouse Home Entertainment

Die Kritik:

Grenzgänger - Gefangen im Eis Bluray Cover
Grenzgänger – Gefangen im Eis Bluray Cover © 2018 Lighthouse Home Entertainment

„Grenzgänger – Gefangen im Eis“ ist ein polnischer Survival-Thriller aus dem Jahre 2016. Er kam hierzulange nicht ins Kino, zudem wurde die Blu-ray-Veröffentlichung von Januar auf Februar 2018 verschoben. Am 16.02. ist nun soweit und wir schauen uns den Film in der Kritik genauer an.

Mateusz (Andrzej Chyra) war bis zum Tod seiner Frau Grenzpolizist. Zum Abschluss der Trauerphase will er mit seinen beiden Söhnen Janek (Bartosz Bielenia) und Tomek (Kuba Henriksen) ein paar Tage lang in einer einsamen Hütte an der ukrainischen Grenze wieder zueinander finden. Das Verhältnis zwischen den dreien lässt sich anhand weniger Szenen als schwierig bezeichnen, der Streifen geht dabei jedoch nicht in die Tiefe. Ohne größere Einführung startet also der Fußmarsch durch die verschneite Landschaft. Dort angekommen, herrscht wie gewünscht absolute Ruhe. Jedenfalls bis ein halb erfrorener und mit Blut befleckter Fremdling (Marcin Dorocinski) angelaufen kommt, wirres Zeug erzählt und zusammenbricht. Als erfahrener Grenzpolizist versorgt ihn das Familienoberhaupt nur notdürftig, um sich anhand der Fußspuren schnell selbst ein Bild von der Sache zu machen. Der einzige Kontakt zur Außenwelt geht über ein Funkgerät, das jedoch im Schneesturm relativ nutzlos bleibt.

Grenzgänger - Gefangen im Eis - Die Familie will einen Neuanfang starten
Grenzgänger – Gefangen im Eis: Die Familie will einen Neuanfang starten © 2018 Lighthouse Home Entertainment

Der „Survival“-Part im Thriller ist damit größtenteils auf die beiden Brüder und den Eindringling beschränkt. Janek übernimmt die Hauptrolle, der sich vor den Augen seines jüngeren Bruders erst mit Worten und später physisch gegen den Fremdling behaupten muss. Der ungleiche Machtkampf kommt gut rüber und bleibt bis zum Ende authentisch. Emotionaler wird es selten, da die Charaktere und vor allem die Beziehungen innerhalb der Familie blass bleiben und die drei weit getrennt voneinander auftreten. Darunter leidet dann auch die Dramatik. So wird man das Gefühl nicht los, dass der Geschichte ein Drama besser gestanden hätte, als der Versuch eines Survival-Thrillers. Auch dass im Laufe des Films eine vermeintlich helfende Person aufkreuzt, nimmt mehr Spannung heraus, als dass welche hinzukommt und gibt dem Plot keine nennenswerte Wendung.

Grenzgänger - Gefangen im Eis - Wer ist der Fremde
Grenzgänger – Gefangen im Eis – Wer ist der Fremde © 2018 Lighthouse Home Entertainment

Action- und Kampfszenen sind gemessen an einem Low-Budget-Film in Ordnung, bei entscheidenden Momenten wird dafür auch mal weggeblendet oder die Kamera hält nicht komplett drauf, wobei die FSK 16 das vermutlich abgedeckt hätten. So bleibt Janeks demoliertes Gesicht (das bereits auf den Szenenbildern erkennbar ist) schon mit das brutalste im Thriller. Die Direct-to-Video-Veröffentlichung bleibt dem Film über ihrer Linie treu, geht allerdings weder tiefer in die Geschichte ein noch wagt sie sich weiter an politische Themen wie z.B. dem Menschenschmuggel an der Grenze heran. Selbiges gilt für das Ende, das recht nüchtern ausfällt und beispielsweise einen größeren Twist vermissen lässt.

Bild:

Grenzgänger - Gefangen im Eis - In der Hütte angekommen
Grenzgänger – Gefangen im Eis: In der Hütte angekommen © 2018 Lighthouse Home Entertainment

Der Film lief bei uns zwar nicht im Kino, die Blu-ray kommt trotzdem im Cinemascope-Format (2.40:1) zu uns, was in der Regel unten und oben kleine schwarze Balken am Fernseher bedeutet. Am Bild der Blu-ray gibt es dann jedoch nichts auszusetzen und vor allem die Natur wird gut in Szene gesetzt. Die Schneelandschaft und die Holzhütte lassen die Abgeschiedenheit glaubwürdig erscheinen.

Ton:

Auch hier kommt das Schneetreiben realistisch rüber. Leicht Abzüge müssen jedoch bei der Synchronisation gemacht werden, wenn einige nuschelnde Worte schwierig zu verstehen sind.

Extras:

An Bonusmaterial gibt es ein Wendecover sowie eine Trailershow. Darüber hinaus gibt es ein Vorher/Nachher der visuellen Effekte, was gemessen am Einsatz im Film recht dürftig ausfällt bzw. nicht immer klar erkennbar ist. Was sonst noch auffällt, ist dass der Blu-ray-Player keine Anzeigedauer der Filmlänge wiedergibt.

Fazit:

„Grenzgänger – Gefangen im Eis“ bleibt trotz mäßiger Spannung, ein recht interessantes Kammerspiel, dessen Schauspielerleistung (vor allem des älteren Bruders durch Bartosz Bielenia) den Low-Budget-Streifen leicht über den Durchschnitt hebt. Kein Thriller-Geheimtipp, aber abseits des Mainstream-Kinos einen Blick wert.


von Nicolas Wenger


Mehr:
Trailer: Blu-ray:

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