Get Out – Blu-ray Kritik: Alptraum-Schwiegereltern in spe

Get Out - Daniel Kaluuya spielt Chris Washington
Get Out - Daniel Kaluuya spielt Chris Washington © Universal Pictures Germany

Die Kritik:

GET OUT! Einer der Überraschungshits in diesem Kinofrühling. Nun kommt das gute Stück ins Heimkino und wir haben ihn für euch angeschaut.

Get Out - Blu-ray Cover
Get Out – Blu-ray Cover © Universal Pictures Germany

Die Story ist relativ schnell erzählt. Der dunkelhäutige Chris Washington kehrt bei den Eltern seiner hellhäutigen Freundin Rose ein. Kurz vor dem Aufbruch in die Familienidylle erfährt er, dass ihre Eltern nichts von seiner Ethnie wissen. Schnell steigert sich seine Nervosität. Bereits auf der Hinfahrt erfahren sie die eine oder andere Diskriminierung, was seine Sorgen nicht unbedingt schmälern. Doch nichts. Kein Entsetzen, keine Ablehnung oder sonst irgendeine Reaktion auf seine Hautfarbe kommt von dem Elternpaar. Im Gegenteil. Herzlichst begrüßen sie ihn in ihrem Haus. Doch irgendetwas stimmt nicht an dieser Harmonie. Schnell stellt Chris fest, dass die Bediensteten der Schwiegereltern in spe dunkelhäutig sind. Und diese machen alles andere als einen glücklichen Eindruck. Was wohl der Grund dafür ist?

Wie üblich lässt sich der Film nur schwer einem bestimmten Genre zusprechen. Sicherlich lässt sich eine Zuordnung zum Horror- und Thrillergenre nur schwer leugnen. Schließlich übt sich der Film in gekonnter Weise darin, die Zuschauer immer wieder in die Irre zu führen. Darüber hinaus gelingt es, eine ungewöhnlich bedrohliche Atmosphäre ziemlich konstant aufrechtzuerhalten. Allein diese beiden Umstände führen zu einer Nerven zerrenden Spannung, die einen jeden das Smartphone aus der Hand legen lässt. Ablenkungen sind nicht drin. Dafür ist der Sog des Films zu intensiv. Doch bei all dieser Spannung gelingt es dem Film, den einen oder anderen zynischen Unterton zu platzieren, dass hier das Komödiengenre ebenfalls nicht gänzlich wegzureden ist. Dies geschieht jedoch so wohldosiert und intelligent, dass es der Spannung niemals irgendeinen Abbruch tut. Darüber hinaus könnte man auf Grundlage der Story auch von einer elementaren Gesellschaftskritik in Bezug auf die Ungleichbehandlung ethnischer Gruppen plädieren. Doch das ist genau der Punkt, der den Film so spannend macht. Hier werden keine Klischees abgespult, die die Zuschauer auf eben diese Fährte führen sollen oder Ähnliches. Nein. Der Film ist herrlich unpolitisch, was ihn tatsächlich zu einer Perle in diesem Kinojahr avancieren lässt.

Get Out - Das glückliche Paar: Rose Armitage (Allison Williams) und Chris Washington (Daniel Kaluuya)
Get Out – Das glückliche Paar: Rose Armitage (Allison Williams) und Chris Washington (Daniel Kaluuya) © Universal Pictures Germany

Der Handlungsaufbau kommt rein oberflächlich betrachtet sehr geradlinig daher. Dabei werden hier und da gekonnt wichtige Informationen in der Art gestreut und weggelassen, dass man als Zuschauer durchaus die Möglichkeit hat, den Film bereits früh zu durchschauen, wobei das Spiel mit eben diesem Informationen so ausgeklügelt daherkommt, dass die Wahrscheinlichkeit relativ gering ist, als dass das geschieht. Hier wurde in Bezug auf das Skript ganze Arbeit geleistet. Wie gesagt, es gelingt quasi die ganze Zeit, die Spannung aufrechtzuerhalten und mit dem, was ist und was nicht ist zu spielen.

All das könnte nicht gelingen, wenn die Schauspieler keinen guten Job abliefern würden. Doch einen muss man an dieser Stelle tatsächlich deutlich hervorheben und das ist der Hauptdarsteller Daniel Kaluuya. Er brilliert mit einem umwerfend authentischen und gleichzeitig subtilen aber gefühlvollen Spiel. Man kauft ihm jede Emotion ab. Jede Sorge. Jedes Schuldgefühl. Jede innerliche Zerrissenheit. All das spielt er mit einer filigranen Kunstfertigkeit, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr rauskommt.

Als Verstärker seines Spiels bzw. des Spiels aller Beteiligten muss auch die musikalische Untermalung genannt werden. Diese erscheint irgendwie allgegenwärtig und doch subtil genug, als dass sie sich bei Zuschauer lediglich durch das stetige Gefühl des Unbehagens äußert. Sie lenkt nicht ab, man bekommt sie quasi nur am Rande mit und doch vermag sie es, tief in die Gefühle der Zuschauer einzugreifen. Wirklich gelungen.

Bild:

Das Bild der Blu-ray lässt keine Wünsche offen. Bis zu den kleinsten Unebenheiten in der Haut reicht die Detailtiefe. Die Farben sind satt und eine Körnung ist ebenfalls nicht auszumachen.

Ton:

Get Out - Chris Washington (Daniel Kaluuya) trofft die Angestellten
Get Out – Chris Washington (Daniel Kaluuya) trofft die Angestellten © Universal Pictures Germany

Da es sich hierbei um einen relativ ruhigen Film handelt, braucht man mit einem großen KAWUMMS nicht zu rechnen. Doch der eine oder andere genretypische Schrecksound kommt dadurch um so mehr zur Geltung und erfüllt seinen Zweck. Wenn der Film dann doch mal etwas lauter wird, wirken die unterschiedlichen Tonlagen ausgeglichen, ohne irgendwelchen Druck vermissen zu lassen. Hier ist die Qualität sauber mit dem Film als Ganzen abgestimmt. Hier gibt es also nichts zu bemängeln.

Extras:

Ein alternatives Ende, unveröffentlichte Szenen mit Kommentar des Regisseurs, ein Blick hinter die Kulissen, eine Frage-Antwort-Runde mit dem Regisseur und den Darstellern und ein Filmkommentar des Regisseurs stellen die Extras auf dieser Blu-ray dar.

Blu-ray Wertung
  • 9/10
    Film - 9.0/10
  • 9/10
    Bild - 9.0/10
  • 8.5/10
    Ton - 8.5/10
  • 6/10
    Extras - 6.0/10
8.5/10

Kurzfassung

Grandioser kleiner Horrorthriller, der auf allen Ebenen punkten kann und die Spannung über die gesamte Laufzeit über aufrechterhält.

Fazit:

GET OUT ist einer jener Filme, mit denen man nicht rechnet, da er gekonnt aus der Reihe tanzt und dem Zuschauer etwas verspricht und am Ende etwas noch besseres liefert. Der Film brilliert durch eine andauernde Spannung, welche auf eine lauernde Furcht zurückzuführen ist. Alles ist hier möglich. Das eine sieht man kommen, das andere nicht. Herrlich unvorhersehbar eben ist der Film geworden. Genau das, warum man ins Kino rennt: um sich überraschen zu lassen. Das ist diesem Machwerk gelungen. Ein Volltreffer, den wir absolut empfehlen können.


von Martin Fischer


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