Free Solo – Blu-ray Kritik: Ein absolutes Meisterwerk

Alex Honnold schaut über den Rand des Glacier Point im Yosemite Nationalpark. Er hat gerade einen Aufstieg von über 600 Höhenmetern bewältigt
Alex Honnold schaut über den Rand des Glacier Point im Yosemite Nationalpark. Er hat gerade einen Aufstieg von über 600 Höhenmetern bewältigt © National Geographic / Jimmy Chin

Die Kritik:

Free Solo Blu-ray Cover
Free Solo Blu-ray Cover © Capelight

„Free Solo“ ist ein pures Erlebnis. Die Dokumentation ist 96 Minuten lang und in Deutschland ab 6 Jahren freigegeben. Ein Filmteam bestehend aus erfahrenen Kletterern, welche als Kameraleute fungieren, verfolgen Alex Honnolds Versuch den berühmt-berüchtigten El Capitan im US-amerikanischen Yosemite Nationalpark im Free Solo-Stil zu erklimmen. Bei dieser Art des Kletterns ist man weder durch Seile noch durch Netze geschützt. Ein winziger Ausrutscher kann als ein Leben beenden. Es beginnt eine spannende Geschichte, die die Frage beantwortet, ob der El Capitan überhaupt ohne Sicherung erklommen werden kann und ob das Kamerateam diesen Drahtseilakt nicht vielleicht zu stark negativ beeinflusst.

Gemacht wurde der Film von Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin. Die beiden haben bereits zwei Filme zusammen gemacht, welche beide in die Richtung Klettern gingen. Chin ist Kletterer und Kameramann und hat somit seine Sparte gefunden. Er schafft es mit seinem Team atemberaubende Bilder zu zaubern und Honnolds aus den verschiedensten Perspektiven zu zeigen – und das ohne ihn beim Klettern zu stören. Denn jegliche Art von Unruhe kann das Aus für den Extremsportler bedeuten. Er stützt sich teilweise mit nur einem Fuß auf einer nicht einmal einen Zentimeter Wölbung. Die Gesetzte der Physik werden mit diesem Werk vermeintlich auf den Kopf gestellt.

Alex Honnold klettert El Capitan Free Solo
Alex Honnold klettert El Capitan Free Solo © National Geographic / Jimmy Chin

Aber nicht nur das waghalsige Unterfangen des Asperger-Patienten, sondern auch die Hintergründe werden wahrlich virtuos beleuchtet. Honnold hat Eltern, Freunde und eine Freundin. Wie gehen diese mit der extremen Belastung um, dass Alex von einem Tag auf den anderen plötzlich nicht mehr da sein könnte? Wie ist es zu legitimieren den Kletterer zu filmen, wenn dies das Risiko für ihn abzurutschen um ein vielfaches erhöht? All diese Fragen werden im Film thematisiert und beleuchtet.

Das Werk schafft es dem Zuschauer übermäßig häufig den Atem zu rauben. Viel zu gefährlich ist doch das Unterfangen, viel zu überwältigend sind die Bilder, viel zu gelassen wirkt der Protagonist. „Free Solo“ ist ein Rausch der Gefühle. Man schüttelt 90 Minuten lang den Kopf vor Nervenkitzel und so könnte man die Dokumentation auch locker ins Thriller-Genre einsortieren. Vasarhelyi und Chin ist es gelungen einen zu schocken, was für einen Menschen überhaupt möglich ist.

Es werden die positiven und negativen Seiten eines absoluten Extremsportlers beleuchtet. Aber auch seine Vergangenheit und Zukunft. Die Angst seiner Angehörigen rührt wahrlich zu Tränen und der Anblick der kilometerlangen Felswände, die steil in den Himmel ragen, lassen das Blut in den Adern gefrieren.

Alex Honnold am Fuß des El Capitan im Yosemite Nationalpark
Alex Honnold am Fuß des El Capitan im Yosemite Nationalpark © National Geographic / Jimmy Chin

Diese Leistung wurde dann aber auch gewürdigt. „Free Solo“ ging mit einem Oscar für die Beste Dokumentation und mit einem BAFTA Award ebenfalls für die Beste Dokumentation nach Hause. Wer den Film gesehen hat, versteht die pure Freude, die Jason Momoa bei der Verlesung des Oscar-Gewinners hatte.

Zusammenfassend ist der Film ein absolutes Meisterwerk. Vor allem in Sachen Kameraarbeit und Emotionen. Es vergeht keine Sekunde, in der man nicht gebannt vor dem heimischen Fernseher sitzt und mit diesem introvertierten Draufgänger mitfiebert.„Free Solo“ ist pures Adrenalin.

Bild:

Alex Honnold klettert Free Solo den Scotty-Burke Offwidth-Riss des El Capitan im Yosemite Nationalpark hinauf
Alex Honnold klettert Free Solo den Scotty-Burke Offwidth-Riss des El Capitan im Yosemite Nationalpark hinauf © National Geographic / Jimmy Chin

Wie bereits häufig erwähnt sind die im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenden Bilder das Beste am gesamten Film. Dies kommt erst recht durch die 1080p-Auflösung der Blu-ray zur Geltung. Voluminöse, weite Einstellungen liebäugeln mit dem beklemmenden Gefühl der Einsamkeit des Free Solo-Künstlers, der ringsherum von riesigen Felswänden umgeben ist.

Ton:

Der Ton passt sich der Tragik der Dokumentation an und tritt in den richtigen Momenten in den Hintergrund. Es ist sowieso ein wahres Meisterstück von Filipe Messeder in einer solch außergewöhnlichen Situation einen so guten Ton aufnehmen zu können. Großartige Arbeit!

Extras:

Eine Reihe an Interviews mit dem Protagonisten Alex Honnold und den beiden Regisseuren gibt einen tieferen Einblick in das Leben eines Extremsportlers und die Schwierigkeit einen solchen Film zu produzieren. Hinzu kommt das Featurette „Was, wenn er abstürzt?“, welche noch einmal die Beziehung zu seinen Angehörigen vertieft. Außerdem geben die Kinotrailer einen (wenn auch sehr kleinen) Einblick in das Marketing des Films. Alles in allem sehenswert, aber ein bisschen zu wenig.

Blu-ray Wertung
  • 10/10
    Film - 10/10
  • 10/10
    Bild - 10/10
  • 10/10
    Ton - 10/10
  • 8/10
    Extras - 8/10
9.5/10

Kurzfassung

„Free Solo“ ist ein absolut sehenswerter Film, den man definitiv nicht missen sollte!

Fazit:

„Free Solo“ nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise an die höchsten Felswände der Welt. Der Betrachter wird förmlich zum Kletterer und darf ein pures Lebensgefühl erleben. Ein absolut sehenswerter Film, den man definitiv nicht missen sollte!


von Jan Welsch


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