Dunkirk – (4K UHD & Blu-ray) Kritik

Tommy (Fionn Whitehead)
Tommy (Fionn Whitehead) © Warner Home Video

Die Kritik:

Dunkirk (4K Ultra HD) Cover
Dunkirk (4K Ultra HD) Cover © Warner Home Video

Spätestens seit seiner ʻBatman Beginsʻ-Neuverfilmung dürfte jedem Filmbegeisterten der Name Christopher Nolan bekannt sein. Eigentlich ist bislang alles was der britisch-US-amerikanische Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent angefasst hat, sehr erfolgreich geworden und bot vor allem eines – anspruchsvolle Unterhaltung. Sei es nun die Batman-Trilogie, die es an den Kinokassen auf ein Gesamteinspielergebnis von über 2,4 Milliarden US-Dollar gebracht hat, der komplexe Science-Fiction-Heist-Film ʻInceptionʻ oder das visionäre Science-Fiction-Drama ʻInterstellarʻ, jeder dieser Titel begeisterte Kritiker sowie Kinobesucher gleichermaßen. Jetzt ist am 14. Dezember mit ʻDunkirkʻ, welcher auf wahren Begebenheiten basiert die sich während des zweiten Weltkriegs in der Region um Dünkirchen zugetragen haben, die inzwischen zehnte Regiearbeit von Christopher Nolan erschienen. Wir haben die 4K Ultra HD-Variante in den Player geschoben und berichten, was ihr von dem Titel erwarten dürft.

Im Juni 1940 sind nahezu 400.000 britische Soldaten zusammen mit alliierten Truppen der Franzosen und Belgier an den Strand von Dünkirchen getrieben worden und befinden sich dort in einer ausweglosen Situation. Die Stadt am Ärmelkanal ist nämlich komplett von der deutschen Wehrmacht umringt, weshalb sich das Heer an den Strand zurückgezogen hat und dort auf seine Abholung in das knapp 41 Kilometer entfernte England wartet. Einer von ihnen ist Tommy (Fionn Whitehead), dem es gelingt sich getarnt als Sanitäter auf eines der wenigen Schiffe zu retten, das allerdings kurzerhand von der gegnerischen Seite versenkt wird. Damit beginnt eine Odyssee für die überlebenden Soldaten, denn nur noch die erfahrenen Piloten der Royal Air Force, die in der Luft Jagd auf die deutschen Bomber machen sowie mutige Zivilisten, die mit ihren eigenen Booten in Richtung Frankreich eilen, können sie jetzt noch retten und Schlimmeres verhindern…

Kommandant Bolton (Kenneth Branagh)
Kommandant Bolton (Kenneth Branagh) © Warner Home Video

Der zehnte Film von Regisseur Christopher Nolan erzählt eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten basiert und sich im Jahr 1940 unter dem Codenamen „Operation Dynamo“ tatsächlich zugetragen hat. Bei dieser militärischen Evakuierungsaktion der britischen Admiralität, konnte durch Mithilfe von Zivilisten und deren Privatbooten etwa 85 Prozent des britischen Expeditionskorps (kurz: BEF) und Truppen der französischen Armee auf dem Seeweg zurück nach England transportiert werden. Die Verfilmung darüber erzählt die Geschehnisse aus jeweils drei Perspektiven – zu Lande, auf dem Wasser und in der Luft. Auf dem Land bekommen wir zahlreiche Soldaten zu sehen, welche der Befehlsgewalt von Marine-Kommandant Bolton (Kenneth Branagh) unterstellt sind, welcher gemeinsam mit Colonel Winnant (James D’Arcy) vom Pier aus versucht, die brenzlige Lage ruhig und besonnen zu koordinieren. Auf dem Wasser steht Familienvater Mr. Dawson (Mark Rylance) im Mittelpunkt, der gemeinsam mit seinem Sohn Peter (Tom Glynn-Carney) und dessen Freund George Mills (Barry Keoghan) auf seinem kleinen Privatboot, das den Namen „Moonstone“ trägt, in Richtung Dünkirchen steuert, um dort bei der Evakuierung zu helfen. In der Luft hingegen liefert sich der Spitfire-Pilot Farrier (Tom Hardy) gemeinsam mit seinem Flügelpartner Collins (Jack Lowden) gegen die Deutschen unerbittliche Zweikämpfe, in denen es primär darum geht, die Rettungsboote vor feindlichem Beschuss zu schützen. Das alles wiederrum spielt zeitgleich und manchmal auch zeitlich versetzt, wodurch sich der Film stellenweise zwar etwas merkwürdig anfühlt, am Ende aber dennoch ein rundes Gesamtergebnis dabei herauskommt.

Fionn Whitehead spielt den Soldaten Tommy
Fionn Whitehead spielt den Soldaten Tommy © Warner Home Video

Unterm Strich muss ich aber dennoch sagen, das mich ʻDunkirkʻ nicht vollständig abholen beziehungsweise begeistern konnte. Das ist aber weniger dem Film an sich geschuldet, sondern eher meiner hohen Erwartung an Nolans neustes Werk. Nun ja, das Enttäuschungen bekanntlich das Resultat zu hoher Erwartungen sind, trifft dies in diesem Fall leider zu, denn auch wenn der Film optisch und auch technisch wirklich herausragend umgesetzt wurde und etliche Schauwerte – beispielsweise das Bombardement am Strand oder die kenternden Schiffe – bietet, so komme ich nicht umher zu sagen, dass er inhaltlich leider nicht viel bietet. Die Luftkämpfe sehen im IMAX-Format zwar malerisch aus und auch wenn sich britische Soldaten im Bauch eines auf Riff gelaufenen Schiffes verstecken, dort auf die Flut warten und währenddessen von den deutschen unter Beschuss genommen werden, präsentieren sich spannend, der Funke will allerdings nicht wirklich überspringen. Daran ändern auch namhafte Darsteller wie Cillian Murphy (ʻIm Herzen der Seeʻ), der hier als traumatisierter Soldat zu sehen ist, dessen Schiff durch einen Torpedoangriff zerstört wurde oder Tom Hardy (ʻMad Max: Fury Roadʻ), dessen vollständiges Gesicht man erst zum Ende des Films zu sehen bekommt, wenn er seine Fliegermütze abnimmt, nichts mehr. Dennoch muss erwähnt werden, das ʻDunkirkʻ eine Geschichte erzählt, die handwerklich und technisch wirklich 1A inszeniert wurde und diejenigen, welche sich darauf einlassen, sicherlich gut unterhält – nur sollte man eben keine allzu hohen Erwartungen an den Film stellen.

Bild:

Dunkirk: Soldaten suchen Schutz vor den Luftangriffen
Dunkirk: Soldaten suchen Schutz vor den Luftangriffen © Warner Home Video

Gleich vorweg: Da Christopher Nolan auch bei ʻDunkirkʻ auf seine allzeit beliebte IMAX-Ausrüstung gesetzt hat, präsentiert sich der Transfer nicht durchgängig in einem einheitlichen Ansichtsverhältnis, sondern dieses variiert passagenweise zwischen 1.78:1 und 2.20:1 (16:9). Wer solche Bildwechsel nicht mag, kann an dieser Stelle aber besänftigt werden, denn so oft wie beispielsweise in Michael Bays ʻTransformers: The Last Knightʻ wechselt das Seitenverhältnis nicht, sondern die Sequenzen sind deutlich länger ausgefallen, wodurch man diese hier nun eher genießen und von dem größeren Bildausschnitt des 70mm IMAX-Materials profitieren kann. Hier macht sich leider auch ein kleiner Nachteil bemerkbar, denn der Bildsprung zwischen den beiden Formaten ist qualitativ als auch farblich minimal sichtbar – nichts Gravierendes oder gar Störendes, bemerken tut man es aber dennoch leicht. Die Bildschärfe muss bei beiden Formaten (Blu-ray und 4K UHD) als hervorragend bezeichnet werden, denn wirklich jede Kleinigkeit ist gestochen scharf und die Detailzeichnung ist enorm. Farblich präsentiert sich der Film eher trist, woran auch der erweiterte Farbraum der Ultra HD-Disc nicht viel ändern kann, allerdings ist es hier vor allem HDR zu verdanken, dass der Schwarzwert sichtbar satter ausfällt und dem Bild einen plastischeren Look verleiht, als bei der 1080p-Variante.

Ton:

 

Cillian Murphy in Dunkirk
Cillian Murphy in Dunkirk © Warner Home Video

Auch bei der Tonqualität weiß ʻDunkirkʻ seine Stärken voll auszuspielen und glänzt mit einem Sound, der auf Deutsch sowie beim englischen Originalton in DTS-HD Master Audio 5.1 vorliegt. Beide Abmischungen präsentieren sich dabei gleichermaßen räumlich und offenbaren viele dynamisch klingende Effekte, vor allem wenn am Strand die Bomben einschlagen oder das deutsche Gewehrfeuer auf das Metall des auf Grund gelaufenen Schiffes abgefeuert wird. Ausgesprochen gut klingen auch die Szenen in der Luft, wenn es dort zum Feuergefecht kommt, aber auch die Abschnitte zur See, wenn beispielsweise die Wellen gegen die Moonstone schlagen, klingen sehr direkt und erzeugen eine großartige Surround-Kulisse. Der beklemmende Score von Altmeister Hans Zimmer (Blade Runner 2049) passt ebenfalls hervorragend zum Film und untermalt das Geschehen mit mitreißenden Stücken wie „We Need Our Army Back“, „Shivering Soldier“ sowie „Regimental Brothers“ nahezu perfekt. Ebenfalls auf der Disc enthalten sind Portugiesisch, Französisch und Spanisch jeweils in Dolby Digital 5.1 sowie eine englische Audiodeskription für Blinde.

Extras:

Das komplette Bonusmaterial zu ʻDunkirkʻ befindet sich auf einer Extra-Blu-ray, welche dem 3-Disc-Set beiliegt. Die Specials sind dabei in jeweils fünf größere Featurettes aufgeteilt worden, welche verschiedene Aspekte aus der Entstehung der Produktion näher beleuchten und eine Gesamtlaufzeit von knapp 112 Minuten bieten. Die Extras sind folgendermaßen aufgeteilt:

Dunkirk: Die Soldaten werden evakuiert
Dunkirk: Die Soldaten werden evakuiert © Warner Home Video

▪ Die Entstehung:
– Erinnerung an das Wunder (7:49 min.)
– Dunkerque (5:00 min.)
– Erweiterung des Filmformats (3:36 min.)
– Die Methode des Filmens (5:52 min.)
▪ Das Land:
– Rekonstruktion der Mole (5:59 min.)
– Die Armee am Strand (5:18 min.)
– Die Uniformen (5:21 min.)
▪ Die Luft:
– Die Luftaufnahmen (12:31 min.)
– Im Cockpit (5:59 min.)
▪ Die See:
– Die Marineflotte (3:50 min.)
– Die Moonstone (5:55 min.)
– Die Aufnahmen auf der See (13:43 min.)
– Der Untergang der Schiffe (7:29 min.)
– Die zivilen Boote (5:57 min.)
▪ Abschluss:
– Pure Spannung (7:23 min.)
– Der „Dunkirk Spirit (7:55 min.)
▪ Digital UltraViolett-Code
▪ Wendecover

Das gesamte Bonusmaterial ist überaus empfehlenswert, beschäftigt sich dieses doch mit der Entstehung des Films, gewährt viele Blicke hinter die Kulissen und erklärt zudem auch die Geschehnisse von damals und zeigt auf, welche Spuren auch heute noch unter anderem am echten Strand zu sehen sind. Alle Specials liegen zudem in HD-Qualität vor und sind auch deutsch untertitelt worden. Eine digitale UV-Copy liegt dem Set ebenfalls bei, genauso wie ein Wendecover ohne störendes FSK-Logo – sehr lobenswert!

Fazit:

ʻDunkirkʻ basiert auf wahren Begebenheiten, welche sich im zweiten Weltkrieg zugetragen haben und ist aus audiovisueller Sicht betrachtet sicherlich ein erneutes Meisterwerk von Regisseur Christopher Nolan. Allerdings komme ich nicht umher zuzugeben, das mich der Film inhaltlich nicht derart begeistert hat, wie seine technische Aufmachung. Schlecht ist der Film deshalb aber keinesfalls, sondern womöglich bin ich einfach mit den falschen Erwartungen an dieser herangegangen. Hier sollte folglich jeder selbst einen Blick riskieren, denn sehenswert ist die Erzählung von Dünkirchen auf alle Fälle, vor allem wegen seiner großartigen technischen Umsetzung.


von Roland Nicolai


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