Dredd (4K Ultra HD) – Review: Lohnt sich die UHD?

Dredd (Karl Urban), der oberste „Judge“ von Mega City One
Dredd (Karl Urban), der oberste „Judge“ von Mega City One © Universum Film

Die Kritik:

Könnt ihr euch noch an „Dredd“ erinnern? Nein, wir meinen jetzt nicht den trashigen 90er-Jahre Streifen mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle, sondern die Actionperle mit Karl Urban. Der Film von Regisseur Pete Travis stammt aus dem Jahr 2012 und lief im Kino zwar nicht sonderlich erfolgreich, aber im Heimkino-Sektor hat er durchaus seine Fangemeinde und genießt inzwischen sogar Kultstatus. Kein Wunder das sich die Fans seit Ewigkeiten eine Fortsetzung wünschen, welche nach wie vor aber immer noch auf sich warten lässt. Ob diese jemals erscheinen wird, ist nach wie vor ungewiss, was allerdings sicher ist, ist das Erscheinen von „Dredd“ auf 4K UHD, welchen wir hier nun einem Test unterziehen.

Dredd (4K Ultra HD) Cover
Dredd (4K Ultra HD) Cover © Universum Film

Die Handlung von „Dredd“ verfrachtet euch nach Mega City One – eine fiktive Stadt in der Zukunft. Mega City One umfasst dabei ein großräumiges Gebiet aus Boston, New York sowie Washington D.C., ist jedoch vom übrigen Staatsgebiet abgeriegelt, da dieses aufgrund atomarer Strahlung unbewohnbar ist. In der Mega-Metropole leben insgesamt 800 Millionen Menschen, die dort überwiegend in gigantischen Hochhauskomplexen zusammengepfercht ihr Dasein fristen. Für Ordnung sorgen sogenannte Judges, die gleich mehrere Funktionen haben und gleichzeitig als Polizisten, Richter, Geschworene und sogar Scharfrichter agieren dürfen. Judge Dredd (Karl Urban) ist als oberster Judge überall gefürchtet und wird zusammen mit seiner neuen Rekrutin, der jungen Cassandra Anderson (Olivia Thirlby) gerade zu einem neuen Einsatz gerufen – Zielort: Peach Trees. In Peach Trees, einem dieser eben erwähnten Mega-Bauten, ist es zu drei Todesfällen gekommen und schnell steht fest, das die Drogenbaronin Madeline Madrigal aka Ma-Ma (Lena Headey) für diese verantwortlich ist. Doch Ma-Ma zu stellen und ihrer gerechten Strafe zuzuführen erweist sich schwerer als gedacht, denn die eiskalte und unberechenbare Ex-Prostituierte hat das gesamte Gebäude unter ihrer Kontrolle, lässt dieses komplett abriegeln und hetzt ihre Untergebenen auf die zwei Judges. Judge Dredd muss sich nun nicht nur auf seine eigenen Fähigkeiten im Kampf verlassen, sondern auch auf die besonderen telepathischen Möglichkeiten seiner Mutanten-Rekrutin, wenn er den Tag überleben will.

Karl Urban in Dredd
Karl Urban in Dredd © Universum Film

Wer „Dredd“ gesehen hat, wird letztlich sicherlich zu dem Schluss gekommen sein, das der Film storytechnisch zwar nicht viel zu bieten hat, in Bezug auf die kompromisslose Action aber umso mehr. Wo Judge Dredd mit Sylvester Stallone mit seinen vielen Albernheiten schon beinahe als Komödie abgestempelt werden könnte, geht Regisseur Pete Travis, mit seiner Version, welche wiederum auf einem Drehbuch von Alex Garland (Auslöschung) basiert, einen gänzlich anderen Weg. Für gerade einmal knapp 50 Millionen US-Dollar liefert dieser hier einen knallharten Actionfilm ab, der brisant inszeniert, über ein erstklassiges Set-Design und mit seiner exzellente optischen Aufmachung der Comicvorlage „Judge Dredd 2000 AD.“ durchaus gerecht wird. Hier werden definitiv keine Gefangenen gemacht, denn jeder der sich dem Gesetz in den Weg stellt, wird gerichtet und automatisch mit dem Tod bestraft – fünf Jahre Isolationshaft ist für die vielen Verbrecher halt einfach keine Alternative. Es wird also geprügelt und geballert was das Zeug hält, erwähnenswert ist dabei, das die Kamera währenddessen schonungslos draufhält und nicht wegblendet.

Dredds neue Rekrutin Cassandra Anderson (Olivia Thirlby)
Dredds neue Rekrutin Cassandra Anderson (Olivia Thirlby) © Universum Film

Besonders schonungslos ist die Szene, in welcher unter dem Einfluss der Slowmo-Droge einige Kriminelle eliminiert werden, da man hier die Action sogar in Zeitlupe zu sehen bekommt. Ebenfalls imposant ist ab der Mitte des Films die Passage, in welche Ma-Ma mit ihren Schergen und drei Miniguns eine ganze Etage unter Beschuss nimmt und dabei restlos alles auslöscht – ohne Rücksicht auf Verluste. Kurzum: „Dredd“ ist ein knallharter Actionfilm, bei dem es zu keiner Sekunde langweilig wird und der es wahrlich in sich hat. Den Darstellern zuzusehen bereitet ebenfalls viel Freunde, den Lena Headey beweist hier unter anderem mit ihrer Narbe im Gesicht durchaus Mut zur Hässlichkeit und auch Karl Urban als Dredd liefert eine glaubhafte Performance ab – und das obwohl er im gesamten Film stets seinen Helm auflässt, so wie es auch im Comic der Fall ist. Großartig!

Bild:

Ma-Ma (Lena Headey) herrscht mit harter Hand über den Hochhaus-Megakomplex Peachtrees
Ma-Ma (Lena Headey) herrscht mit harter Hand über den Hochhaus-Megakomplex Peachtrees
© Universum Film

Wer die alte Blu-ray kennt, der weiß, was diese für eine Qualität bot – nämlich keine berauschende. Zwar wurde der Film bereits damals komplett digital gedreht, das Bild wurde aber – angeblich der Optik wegen, stark verändert. Der Transfer bot ein extrem stark körniges Bild, der Schwarzwert war nicht optimal und verschluckte viele Details und in Sachen Detailschärfe überzeugte die damalige Scheibe ebenfalls nicht. Erschwerend kam hinzu, das die CGI-Szenen sehr weich waren und auch deutlich überstrahlten. Nun sollte man meinen, das bei der hier vorliegenden UHD-Veröffentlichung ein neues, besseres Master für die beiliegende Blu-ray erstellt wurde, doch weit gefehlt, dem 2-Disc-Set liegt nach wie vor die alte Blu-ray bei. Besser sieht es hingegen für die Ultra-HD-Fassung aus, denn diese offenbart mehr Details und liefert dank HDR10- sowie Dolby Vision-Support und dem erweiterten Farbraum im Rahmen von Rec.2020 das eindeutig bessere Bild. Zwar sollte man auch hier keine Offenbarung oder Referenzmaterial erwarten, dem 1080p-Master ist die UHD aber in allen Belangen sichtbar überlegen, auch wenn es sich hier leider nur um ein 2K Digital Intermediate und kein natives 4K-Master handelt. Wenn man beide Discs aber einem direkten Vergleich unterzieht, bemerkt man bei der UHD sofort das sattere Schwarz, die natürlichere Farbgebung und auch das vermehrte Überstrahlen der Blu-ray ist hier nicht mehr zu vernehmen. Dank weniger Körnung sind nun auch endlich mehr Details zu erkennen, auch wenn bisweilen manche Dinge im satteren Schwarz verloren gehen. Ein weiteres großes Plus sind die satteren Farben, von der vor allem die Blut-Darstellung, welche sich hier nun weitaus realistischer präsentiert, profitiert.

Ton:

Der erbarmungslose Kampf um Mega City One beginnt
Der erbarmungslose Kampf um Mega City One beginnt
© Universum Film

Leider hat es Universum Film versäumt, der deutschen Veröffentlichung den überaus gelungenen Dolby Atmos-Sound der US-Scheibe zu spendieren, stattdessen setzt man hier in Englisch sowie Deutsch auf DTS-HD Master Audio 5.1-Sound. Ein Problem ist das aber nicht wirklich, denn beide Abmischungen haben es in sich und klingen akustisch, bis auf die Tatsache das der Atmos-Mix etwas offener und wuchtiger klingt, sehr ansprechend. Bei Schusswechseln gibt es zahlreiche tolle Surround-Effekte zu hören, bei denen einem die Geschosse nur so um die Ohren fliegen und auch wenn etwas in die Luft fliegt, erzeugt das den nötigen Druck. Die Abmischung muss ebenfalls als gelungen bezeichnet, denn der Score des britischen Komponisten Paul Leonard-Morgan passt perfekt zum Geschehen und fängt die beklemmende Atmosphäre in Peach Trees hervorragend ein, während sämtliche Dialoge stets klar und verständlich bleiben.

Extras:

Beim Bonusmaterial gibt es leider nichts Neues zu vermelden, denn da dem Set die alte BD beiliegt und die 4K-Scheibe nur den Film enthält, sind logischerweise auch die bereits bekannten Specials enthalten. Diese bestehen aus insgesamt sechs Featurettes, welche eine Laufzeit von knapp 15 Minuten haben und sich unter anderem mit der Comicvorlage, dem Peach Trees-Hochhaus, dem Slowmotion-Effekten sowie Dredd selbst auseinandersetzen. Ebenfalls enthalten sind noch neun Interviews mit Cast & Crew, in denen in weiteren 26 Minuten wissenswerte Details zur Produktion preisgegeben werden. Auf ein Wendecover ohne störendes FSK-Logo wurde bei dieser Veröffentlichung leider verzichtet.

Blu-ray Wertung
  • 7/10
    Film - 7/10
  • 6.5/10
    Bild 4K - 6.5/10
  • 5/10
    Bild Blu-ray - 5/10
  • 9/10
    Ton - 9/10
  • 4.5/10
    Extras - 4.5/10
7/10

Kurzfassung

Inhaltlich war „Dredd“ zwar schon damals kein Überflieger, dennoch unterhält der Reboot mit Karl Urban in der Hauptrolle des Chief Justice dank seiner kompromisslosen Action und gelungenen Darstellung.

Fazit:

Ich habe „Dredd“ nun zum zweiten Mal gesehen und muss zugeben, das ich den Film gar nicht so gut in Erinnerung hatte. Die zweite Sichtung hat aber deutlich mehr Spaß gemacht, was aber sicherlich nicht nur der besseren Bildqualität der 4K UHD und dem überzeugenden Sound geschuldet ist, sondern auch dem Film selbst. Mit seiner simplen Story, guten Darstellern, knallharten Actionszenen und vielen Schauwerten, unterhält der Streifen nämlich über die Gesamtlaufzeit von ca. 95 Minuten prächtig – vorausgesetzt natürlich, man erwartet keinen tiefsinnigen oder inhaltlich anspruchsvollen Film.


von Roland Nicolai


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