Die versunkene Stadt Z – Blu-ray Kritik

Die Versunkene Stadt Z - Percy (Charlie Hunnam) und seine Crew auf dem Amazonas
Die Versunkene Stadt Z - Percy (Charlie Hunnam, vorne) und seine Crew auf dem Amazonas © Arthaus/StudioCanal

Die Kritik:

„Die versunkene Stadt Z“ widmet sich als Abenteuerfilm dem Forscher Percy Fawcett, der sich mit seinen Expeditionen in Südamerika einen Namen machte. Die Blu-ray, die nun ab dem 17.08.2017 erscheint, folgt den Reisen der Hauptfigur in den Urwald und seiner kaum zu bändigenden Neugier.

Die Versunkene Stadt Z - Bluray Cover
Die Versunkene Stadt Z – Bluray Cover © Arthaus/StudioCanal

1906 startet Percys (Charlie Hunnam) erste Herausforderung. Auf Wunsch der Royal Geographical Society soll er zur Landesvermessung nach Bolivien aufbrechen. Als Soldat und Oberstleutnant, der aufgrund seines Stammbaus kaum weiter aufsteigen bzw. Orden verdienen kann, zögert der ehrgeizige Familienvater nicht lange. Den zur Verfügung gestellten Assistenten Henry Costin (Robert Pattinson) und seine kleine Crew lernt er erst auf dem Weg kennen. Nach seinem ersten Erfolg kann er nicht genug vom unentdeckten Land und dessen Einwohnern bekommen. So stößt er nach kürzeren Aufenthalten in seiner britischen Heimat wieder und wieder gen Süden auf. Seine Frau (Sienna Miller) und Kinder protestieren nur sehr verhalten, denn Percys Forschungsdrang ist kaum zu bändigen. Vor allem möchte er der engstirnigen Gesellschaft beweisen, dass die Ureinwohner keine niedere Spezies ist, sondern eine eigene Hochkultur samt einer sagenumwobenen Stadt voller Reichtümer geschaffen hat. Zu seinem vorerst letzten Abenteuer wird er nur noch von seinem ältesten Sohn (Tom Holland) begleitet, da sonst kaum jemand mehr an seine Vorstellungen zu glauben scheint.

Die Versunkene Stadt Z - Henry Costin (Robert Pattinson)
Die Versunkene Stadt Z – Henry Costin (Robert Pattinson) © Arthaus/StudioCanal

Die stolzen 142 Minuten Laufzeit besitzen vergleichsweise wenig Handlung bzw. Wendungen. Durch die seltenen, kurzen Action-Einlagen und dem fehlenden Spannungs-Peak entsteht kein großes Blockbusterkino, was aber spätestens bei Sichtung des Verleihs (Arthaus) klar sein sollte. Dass das Abenteuer bzw. Drama trotzdem zu keiner Zeit langatmig erscheint, hat gute Gründe. Die angedeuteten Strapazen der Expeditionen (wie giftige und wilde Tiere, Krankheiten, Kannibalen, Hunger oder Verrat) sind im Film durchweg vorhanden. Ohne in ausufernde oder übertriebene Effekthascherei abzugleiten, werden die Hürden aber sehr realistisch abgearbeitet. Währenddessen ist die Faszination des Dschungels stets erkennbar. Der gute Cast um Charlie Hunnam (King Arthur: Legend of the Sword, Pacific Rim), Sienna Miller (High-Rise), Robert Pattinson (Twilight) und Tom Holland (Spider-Man: Homecoming) überzeugt durchweg und steuert dem glaubwürdigen Gesamtauftritt bei. So entsteht mit der Zeit eine Art Sog, der den Zuschauer sanft eintauchen lässt. Dies geschieht allerdings weit mehr als Beobachter, als dass man sich besonders mit den Figuren identifizieren könnte. Denn dafür fehlt die emotionale Bindung. Auch die abrupteren Wechsel zwischen den bespielten Orten zeugen von diesem Doku-typischen Stil.

Bild:

Statt mit der heute vorherrschenden digitalen Variante, wurde der Streifen auf echtem Filmmaterial gedreht. So sind die Aufnahmen im echten Dschungel noch einmal mehr zu genießen. Abstriche müssen daher bei besonders exotisch wirkenden Tieren und Pflanzen gemacht werden. Als komplettes Gegenstück ist dahingehend beispielsweise Kong: Skull Island zu nennen.

Ton:

Der Ton präsentiert sich einwandfrei und klar. Die vermehrt ruhigen Szenen werden teilweise noch durch unauffällig eingesetzte klassische Musik unterstützt. Ein leises Versinken in den südamerikanischen Urwald ist gewiss.

Extras:

Die Versunkene Stadt Z - Percy Fawcett (C. Hunnam) im Urwald
Percy Fawcett (C. Hunnam) im Urwald © Arthaus/StudioCanal

Das Bonusmaterial bietet ein „Behind The Scenes“ sowie ein „Making of“, die allerdings äußerst kurz geraten sind, nur wenige Hintergrundinfos bereithalten und sich teilweise auch noch wiederholen. Etwas ausführlicher geht es in den Interviews auf der „Berlinale Pressekonferenz“ zu, wobei einige interessante Aspekte zum Film erzählt werden. Natürlich wird auch hier viel gelobt: laut Robert Pattinson ist dies sein Lieblingsfilm. Daneben soll es ein „Faltkarte auf den Spuren von Percy Fawcett“ geben, die unserem Rezensionsexemplar leider nicht beilag. Da im Film inklusive Epilog leider relativ wenig über die Fortschritte von Percy dokumentiert wurde, dürfte dies das interessanteste Extra der Blu-ray sein.

Fazit:

„Die versunkene Stadt Z“ ist ein auf dem gleichnamigen Bestseller von David Grann basierender Historienfilm, der durch seine ruhige Erzählart und absolute Glaubwürdigkeit besticht. Hervorzuheben ist die im wahrsten Sinne des Wortes ungekünstelte Optik, die einen bestechenden Analogfilm in tollen Bildern präsentiert.


von Nicolas Wenger


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