Der Fall Collini – Blu-ray Kritik

Anwalt Caspar Leinen (Elyas M'Barek)
Anwalt Caspar Leinen (Elyas M'Barek) © Constantin Film Verleih GmbH

Die Kritik:

Der Fall Collini Blu-ray Cover
Der Fall Collini Blu-ray Cover © Constantin Film Verleih GmbH

Elyas M’Barek und Matthias Schweighöfer gehören zu den erfolgreichsten Schauspielern in Deutschland und beide feierten ihre größten Hits im Comedy-Genre. Während M’Barek mit der „Fack ju Göhte“-Trilogie Millionen von Zuschauern in die Kinos locken konnte, gehören zu Schweighöfer’s unterhaltsamsten Filmen „What A Man“ und „Der Nanny“. Doch sowohl Schweighöfer als auch M’Barek haben sich vorgenommen, ihr Talent in anderen Filmgenres zur Schau zu stellen. Schweighöfer hat die Amazon Prime Serie „You Are Wanted“ entwickelt, ein Thriller, wo sich der Schauspieler von seiner ernsten Seite zeigen konnte. Nach zwei Staffeln wurde die Serie aber eingestellt. M’Barek wiederum hat sich entschieden, als angehender Anwalt in „Der Fall Collini“ seine dramatischen Fähigkeiten zu zeigen. Und sowohl seine Performance als auch der Film selbst können sich sehen lassen. Man kann nur hoffen, dass M’Barek von nun an auch mehr Dramen dreht, denn gut genug ist er allemal.

Regisseur Marco Kreuzpaintner ist schon seit über 15 Jahren im Filmgeschäft und hat für seine Filme schon mehrere Preise gewonnen. Dabei gewann er nicht nur deutsche Preise, sondern auch internationale Awards, beispielsweise zeichnete FilmOut San Diego seinen Film „Coming In“ mit dem „Besten ausländischen Film“ aus. Mit der Amazon Prime Serie „Beat“, die zweite deutsche Produktion des amerikanischen Streaming Services, konnte er ebenfalls einige Preise mit nach Hause nehmen. Mit „Der Fall Collini“ zeigt Kreuzpaintner, dass er zu den talentiertesten Regisseuren in Deutschland gehören. Der Film kann mit einer knackigen Inszenierung punkten, das Pacing ist gut und die Spannungskurve wird immer größer und größer, bis zum finalen Act, wenn alles enthüllt wird. Dabei schafft er es, die trockenen juristischen Themen spannend auf die Leinwand zu übertragen. Kreuzpaintner ist definitiv jemand, der noch so einige große Filme drehen wird. Das Buch von Ferdinand von Schirach ist exzellent und auch wenn das Drehbuch nicht ganz an die Qualität rankommt, so überzeugt immer noch die vielschichtige Charakterzeichnung und interessante Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Mit dem explosiven Thema wird selbstbewusst umgegangen und das weiß zu gefallen.

Wird Caspar Leinen (Elyas M'Barek) Fabrizio Collini (Franco Nero) im Gerichtssaal zu einer Aussage bewegen können?
Wird Caspar Leinen (Elyas M’Barek) Fabrizio Collini (Franco Nero) im Gerichtssaal zu einer Aussage bewegen können? © Constantin Film Verleih GmbH

Elyas M’Barek verkörpert den jungen Anwalt Caspar Leinen, der über die Pflichtverteidigung an einen spektakulären Fall gerät. Der 70-jährige Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) tötet anscheinend grundlos den angesehenen Großindustriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka) in dessen Berliner Hotelsuite. Für Caspar steht weit mehr auf dem Spiel als sein erster großer Fall als Strafverteidiger, denn das Opfer ist der Großvater seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara) und war wie ein Ersatzvater für Caspar. Zudem hat er mit der Strafverteidiger-Legende Richard Mattinger (Heiner Lauterbach) einen Gegner, der ihm haushoch überlegen scheint. M’Barek in seiner ersten großen ernsten Rolle ist glaubwürdig als Anwalt, der auf Gerechtigkeit aus ist. Dabei weiß besonders zu gefallen, dass er nicht auf Overacting setzt, sondern auf subtile Art und Weise seine Emotionen rüberbringt. Obwohl die restlichen Performances ebenfalls gut ist, ist M’Barek das schauspielerische Highlight. Franco Nero ist ein großartiger Schauspieler und das zeigt er mit seiner Leistung als Fabrizio Collini, der Selbstjustiz ausübt. Seine Szenen im Gerichtssaal verschaffen dem Publikum eine Gänsehaut. Heiner Lauterbach spielt Richard Mattinger, den Gegner von Leinen. Lauterbach gibt einen klasse Strafverteidiger, eine gelungene Mischung aus Intelligenz und Arroganz, doch Lauterbach schafft es ebenfalls, seinem so schnöseligen Charakter eine gewisse Menschlichkeit zu verpassen. Alexander Maria Lara stellt die Jugendliebe von Leinen Johanna, dar. Maria Lara ist meine persönliche Lieblingsschauspielerin aus Deutschland und überzeugt wie immer, doch sie hätte ruhig mehr zu tun haben können.

 

Johanna Meyer (Alexandra Maria Lara) verfolgt den Strafprozess im Gerichtssaal.
Johanna Meyer (Alexandra Maria Lara) verfolgt den Strafprozess im Gerichtssaal. © Constantin Film Verleih GmbH

„Der Fall Collini“ ist ein starkes Justizdrama mit einer großen emotionalen Wucht, so dass man nicht anders kann, als auch lange nach der Sichtung über den Film nachzudenken. Das Drama braucht eine Stunde, um voll in Fahrt zu kommen, was aber nicht bedeutet, dass der Film in den ersten 60 Minuten langweilig ist. Ganz im Gegenteil, denn hier werden die Weichen gestellt für die restlichen Akte und die Charaktere werden vorgestellt. Was hier besonders zu gefallen weiß ist die Tatsache, dass der Film die Klischees von einigen Justizdramen ignoriert und seinen eigenen Weg geht. Rainer Bock („Das weiße Band“) ist als Oberstaatsanwalt keiner, der auf Konflikte aus ist, sondern er verhält sich gegenüber Leinen sehr kollegial, was realistischer erscheint als das übliche, was in solchen Filmen zu sehen ist. Normalerweise versucht der Gegner, den anderen mit Tricks Fallen zu stellen, um sich einen Vorteil zu verschaffen, doch das entspricht hier nicht der Realität. Highlight des Films ist aber ganz klar der letzte Akt, wenn alle Geheimnisse ans Licht kommen und Leinen erfährt, warum Collini Hans Meyer kaltblütig ermordet hat. Der Film überlässt den Zuschauern die Frage, ob Collini richtig gehandelt hat oder nicht, und fällt kein Urteil und versucht nicht, die Zuschauer zu manipulieren. Der coole Look des Films erinnert an einen Hollywoodfilm und ist sehr gelungen, genauso wie die Kameraführung.

Bild:

Das Bild ist gestochen scharf, es gibt nur einige kleine Detailverluste im schwarzen Bereich, welches auch etwas blass rüberkommt. Ansonsten sind die Farben stets kräftig, hin und wieder ist ein Gelbstich zu sehen, dass aber nicht groß stört.

Ton:

Wie bei einem dialoglastigen Thriller nicht anders zu erwarten ist die Abmischung eher frontlastig ausgefallen, bietet aber dafür einen dynamischen und natürlichen Klang. Die Dialoge sind stets deutlich zu verstehen und es sind keine Schwächen zu erkennen.

Extras:

Als Extras gibt es nur ein Making-Of und Interviews mit Cast- und Crewmitgliedern, die interessant ausgefallen sind. Entfallene Szenen wären aber auch nett gewesen, aber mehr kann man von einem Drama nicht erwarten.

Blu-ray Wertung
  • 8/10
    Film - 8/10
  • 8/10
    Bild - 8/10
  • 7.5/10
    Ton - 7.5/10
  • 3/10
    Extras - 3/10
7.5/10

Kurzfassung

Sehenswertes Drama mit einer hervorragenden Besetzung. Unbedingt anschauen.

Fazit:

„Der Fall Collini“ ist ein sehenswertes Drama mit einer hervorragenden Besetzung, angeführt von einem starken Elyas M’Barek. Unbedingt anschauen.


von Denizcan Sürücü


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