Das Haus der geheimnisvollen Uhren – Blu-ray Kritik

Cate Blanchett, Jack Black und Owen Vaccaro in Das Haus der geheimnisvollen Uhren
Cate Blanchett, Jack Black und Owen Vaccaro in Das Haus der geheimnisvollen Uhren © Universal Pictures

Die Kritik:

Das Haus der geheimnisvollen Uhren Blu-ray Cover
Das Haus der geheimnisvollen Uhren Blu-ray Cover © Universal Pictures

Wer hätte es gedacht, aber Horror- und Ekelexperte Eli Roth („Cabin Fever“, „Hostel“, „The Green Inferno“) hat einen kindgerechten Fantasyfilm gemacht. Roth, der vor kurzem noch ein nicht uninteressantes, aber ultrabrutales „Death Wish“-Remake ins Kino gebracht hat, gelingt mit „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ ein kurzweiliges und durchaus charmantes Gruselabenteuer, das ganz in der ruhmreichen Tradition der produzierenden Spielberg-Firma Amblin steht. Sein erster Ausflug ins jugendgerechte Kino atmet ganz und gar ein im besten Sinne altmodisches und wunderliches Flair, das einen trotz mancher erzählerischer Holprer mehr und mehr für sich gewinnt. Nur für ganz kleine Zuschauer könnte dieser verschrobene Film über Hexen, Hexer und Außenseiter dann doch eine Spur zu gruselig sein, ansonsten ist „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ sicher wie gemacht für Heranwachsende. Dank Roths wissender Regie, der es an versteckten Filmreferenzen nicht mangelt, können aber auch junggebliebene Erwachsene hier sicher ihren Spaß haben.

Grundlage für den Film ist der gleichnamige Jugendroman von John Bellairs aus dem Jahr 1973. Die Geschichte handelt von dem zehnjährigen Lewis Barnevelt (Owen Vaccaro), der zu seinem Onkel Jonathan (Jack Black) zieht, nachdem seine Eltern tragisch bei einem Autounfall ums Leben kamen. In der neuen Umgebung der Kleinstadt New Zebedee tut sich Lewis zunächst noch etwas schwer, Anschluss findet der etwas verschrobene Einzelgänger jedoch bei dem opportunistischen, als Klassensprecher kandidierenden Tarby (Sunny Suljic). Schon früh wird klar, dass auch sein Onkel und das alte Haus nicht ganz gewöhnlich sind: Es häufen sich nächtliche Geräusche in dem gruseligen Anwesen und sowohl Jonathan als auch seine Nachbarin Florence Zimmerman (Cate Blanchett) sind mindestens auffällig exzentrisch. Schließlich kommt heraus, dass Jonathan tatsächlich ein Hexenmeister und Florence eine Hexe ist. Darüber hinaus kommen die mysteriösen Geräusche nicht von ungefähr, denn zahlreiche Gegenstände in dem Haus sind zum Leben erwacht. Der neugierige Lewis lässt sich schließlich als Magier ausbilden, während man gemeinsam versucht das Rätsel einer in der Wand vom verstorbenen Vorbesitzer Isaac Izzard (Kyle MacLachlan) versteckten Uhr zu ergründen.

Cate Blanchett, Jack Black und Owen Vaccaro in Das Haus der geheimnisvollen Uhren
Cate Blanchett, Jack Black und Owen Vaccaro in Das Haus der geheimnisvollen Uhren © Universal Pictures

Es ist schön zu sehen, dass es Roth gelungen ist, einen doch überraschenden Wandel als Filmemacher durchgemacht zu haben. Sicher, seine Horrorwurzeln und filmischen Vorbilder sind auch in „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ deutlich erkennbar, doch Roth zeigt hier eindeutig ganz neue Seiten. Er nimmt das ganz bestimmte Flair von Spielbergs Filmschmiede Amblin an, kanalisiert es aber durch seine eigene Herangehensweise. Ein wenig „Lemony Snicket“, „Gänsehaut“ und die morbide Exzentrik eines Tim Burton schwingen hier auch durch. Die zweifelsohne vorhandenen gruseligen Elemente werden immer wieder durch ein übergeordnetes Gespür für abenteuerlichen Spaß gebrochen, sodass Kinder hier nicht überordert sein sollten. Roth entwickelt außerdem ein unerwartetes Herz für seine Figuren, vor allem für Außenseiter Lewis, der eine echte Entwicklung als Figur durchmachen kann.

Der Film verfügt darüber hinaus über tolle, einfallsreich gestaltete und überzeugend visualisierte Kreaturen. Hier sind vor allem die lebendig gewordenen, schwebenden und sich übergebenden Kürbisköpfe zu nennen, aber auch die durchaus gruseligen umhertanzenden Puppen und ein riesiger Schnittheckenlöwe (der in einem etwas ermüdenden Running Gag Blätter ausflatuliert) sind gelungene Fantasywesen. Außerdem gibt es einen alten Klappsessel, der durch das Haus hüpft und sich selbst scheinbar für einen Hund hält, der auch gerne gestreichelt wird. Sicherlich könnten manche Elemente dieses atmosphärischen Films durchaus etwas zu gruselig für ganz kleine Kinder sein, doch auch Erwachsene können Spaß an diesem angenehm altmodischen Abenteuergrusler haben. Eher für die älteren als die jungen Zuschauer könnte dann aber auch der gegen Ende zwischenzeitlich geschrumpfte Baby-Jack Black verstörend sein: Diese surreale Kreatur, die aus einem nackten Babykörper und Jack Blacks etwas verzerrtem Kopf besteht, ist sicher Stoff für waschechte Albträume.

Cate Blanchett, Jack Black und Owen Vaccaro in Das Haus der geheimnisvollen Uhren
Cate Blanchett, Jack Black und Owen Vaccaro in Das Haus der geheimnisvollen Uhren © Universal Pictures

Neben den gelungenen Fantasy-Elementen ist es aber das bemerkenswerte, für einen Art Director’s Guild Award nominierte Set Design, das zu den großen Stärken von „Das Haus der geheimnisvollen Uhren gehört. Branchenveteran Jon Hutman zaubert hier außergewöhnlich stimmungsvolle Kulissen, wobei vor allem das Haus von Onkel Jonathan heraussticht. Mit zahlreichen Uhren und Unmengen stimmungsvoller Details ausgestattet, kann man sich hier schon etwas verlieren. Überhaupt verfügt der Film über ein hübsch-nostalgisches und vor allem handgemachtes 50er Jahre-Americana-Flair, das sich in dem präzise rekreierten Stadtbild mit seinen Kino-Vordächern mit Neonschriftzügen, Oldtimern und Diners wiederspiegelt. So kleine Details wie etwa die dort ausgeschenkten Ovomaltine-Shakes sorgen dann für die wichtige Lebendigkeit. Aber auch Marlene Stewarts tolle Kostüme und Rogier Stoffers Bildgestaltung tun natürlich ihr Übriges, um diesem Film einen unbestreitbar gelungenen visuellen Stil zu verleihen.

Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ ist dennoch primär an Kinder gerichtet. Der Film braucht etwas, um Fahrt zu gewinnen, manche schauspielerische Momente von den Kinderdarstellern kommen auch durchaus etwas hölzern daher. Doch nach und nach spürt man dann auch als erwachsener Zuschauer, dass der einladende Charme des Films eventuelle Schwächen fast vergessen lässt und man sich schließlich gewinnen lässt. Neben dem dichten Flair sind es dann vor allem die gut aufgelegten Jack Black und Cate Blanchett, deren genseitiges Necken und Zanken durchaus Freude bereitet.

Bild:

Dank eines hervorragend umgesetzten, digital aufgezeichneten Bilds kommt die detailreiche und vielfältige Bilderwelt dieses Films auf Blu-ray sehr überzeugend zur Geltung. Es präsentiert sich eine reichhaltige und facettenreiche Farbpalette, die von sehr guten Schärfe- und Detailwerten wunderbar akzentuiert wird. Hohe Kontrast- und gute Schwarzwerte runden einen sehr guten Bildeindruck ab, der nur von kaum spürbarem digitalem Rauschen minimal gestört wird.

Ton:

Cate Blanchett und Jack Black in Das Haus der geheimnisvollen Uhren
Cate Blanchett und Jack Black in Das Haus der geheimnisvollen Uhren © Universal Pictures

Akustisch feuert die Blu-ray-Umsetzung aus allen Zylindern. Die Dolby Atmos-Tonspur ist überaus lebhaft und dynamisch gestaltet, sodass hier auf sämtlichen Kanälen immer etwas los ist. Sowohl die Filmmusik als auch brillant nuancierte Soundeffekte sorgen hier für adäquaten und sehr einnehmenden Raumklang. Auch bemerkenswert ist der immer wieder markerschütternd druckvolle Einsatz des Subwoofers, der dieses Klangerlebnis abrundet. Dialoge und Stimmen sind darüber hinaus perfekt und sehr gut verständlich abgestimmt.

Extras:

Eine angenehme Überraschung bietet auch das gut aufgelegte und abwechslungsreiche Bonusmaterial. Neben in verschiedene Kategorien aufgeteilten (auch zusammen abspielbaren) Featurettes, die einen guten Eindruck der Produktion vermitteln, finden sich noch zahlreiche kleine Spaß-Extras. Diese sind meist unterhaltsam und verdeutlichen den Spaß, den die Beteiligten beim Dreh hatten. Abgerundet wird das schließlich von einem erwartungsgemäß sehr guten Audiokommentar mit Roth und Black.
Alternativer Anfang (04:08 Min.) und alternatives Ende (01:24 Min.) mit optionalem Kommentar von Regisseur Eli Roth
Gag Reel (03:33 Min.)
Hexer und Hexen (Auf der Suche nach Lewis (02:16 Min.), Jacks magische Reise (02:57 Min.), Die großartige Cate (02:19 Min.), Der furchterregende Isaac Izzard (02:26 Min.))
Film-Magie (Das ultimative Geisterhaus (02:26 Min.), Angriff der Automaten (02:18 Min.), Kürbis-Kotze (02:10 Min.), Bewegliche Teile (01:24 Min.), Der kleine Jack (01:36 Min.))
Ticktack: Das Buch zum Leben erwecken (03:27 Min.)
Eli Roth: Regie-Tagebücher (Die Candler-Villa (01:34 Min.), Newnan, Georgia (01:04 Min.), Der Stuhl (01:02 Min.), Genosse Iwan (01:03 Min.), New Zebedee Elementary (01:06 Min.), Drehschluss (01:29 Min.))
Owen geht hinter die Kulissen (Am Set (01:04 Min.), Hinter der Kamera (00:58 Min.), Das große Interview (01:02 Min.), Pause am Set (01:05 Min.))
Titelmusik-Challenge (02:48 Min.)
Wer kennt Jack Black? (04:01 Min.)
Abrakadabra! (01:06 Min.)
Jack Blacks größte Angst (01:27 Min.)
Die Mighty Wurlitzer (02:26 Min.)
Filmkommentar mit Regisseur Eli Roth und Schauspieler Jack Black

Blu-ray Wertung
  • 6.5/10
    Film - 6.5/10
  • 9/10
    Bild - 9/10
  • 10/10
    Ton - 10/10
  • 7.5/10
    Extras - 7.5/10
8/10

Kurzfassung

„Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ ist ein charmanter und gut aufgelegter Fantasygrusler, der besonders für Heranwachsende jede Menge Spaß bereithält.

Fazit:

Auch wenn Eli Roths erster Ausflug in jugendfreie Gefilde nicht ohne Schwächen ist, gewinnt früher oder später der verschrobene und nostalgische Charme dieses kurzweiligen Films. Die brillante Ausstattung, das Kreaturendesign und ein Herz, das am rechten Fleck sitzt, sind jedoch sicher die größten Stärken von „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“.


von Florian Hoffmann


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