Cold Skin – Insel der Kreaturen – Blu-ray Kritik: Fantasydrama der besonderen Art

Cold Skin: Das Wesen (Aura Garrido)
Cold Skin: Das Wesen (Aura Garrido) © Tiberius Film

Die Kritik:

Cold Skin: Blu-ray Cover
Cold Skin: Blu-ray Cover © Tiberius Film

Xavier Gens, eine Ikone des französischen Terrorkino, der insbesondere mit seinem Erfolgshit „Frontier(s)“ die FSK ins Schwitzen brachte wagt sich mir seinem neuesten Streich sich in andere Gefilde und versucht sich als sozialkritischer Dramatiker mit Tiefgang. Auf Basis der Romanvorlage „Im Rausch der Stille“ von Albert Sánchez Pinol wirft er allem voran die Frage auf, wie weit der Mensch zu gehen bereit ist, wenn ihm keine Grenzen gesetzt sind.

1914 tritt Wetterforscher Friend (David Oakes) eine Reise auf eine entlegene Insel am Rand der Antarktis an um dort für längere Zeit der Hektik der Großstadt zu entfliehen. Der einzige weitere Bewohner der Insel ist ein zwielichtiger und verwahrloster Leuchtturmwärter namens Gruner (Ray Stevenson), der schon eine Lange Zeit in der Einsamkeit verweilt hat. Schon in der ersten Nacht wird Friend, der die Nacht allein in der Hütte seines Vorgängers verbringt, von menschenähnlichen Wesen angegriffen, die sobald es dunkel wird in Scharen aus dem Ozean steigen. Am nächsten Tag stellt er fest, das sein kauziger Nachbar in seinem Leuchtturm, der als einziger Ort auf der Insel Schutz bietet, eine der Kreaturen als zahmes Haustier und Gespielin hält. So lange sich Friend an Gruners Regeln hält und mit dieser Tatsache kein Problem hat, darf er mit in seinem Leuchtturm wohnen.

Cold Skin: Aneris (Aura Garrido)
Cold Skin: Aneris (Aura Garrido) © Tiberius Film

So entsteht eine Art Zweckbeziehung zwischen den beiden grundsätzlich verschiedenen Männern, nachdem Gruner unmissverständlich klar gemacht hat, dass er ihn ohne Zögern sterben lassen würde, wenn er sie nicht befolgt. Tagsüber besorgt der Forscher Holz und Materialien, während Gruner faulenzt und sich bedienen lässt, nachts stehen sie gemeinsam Wache und töten so viele Kreaturen wie sie können um sie hoffentlich bald ausgerottet zu haben. Ins Wanken gerät das Verhältnis ab dem Moment, ab dem sich Friend mehr für das gefangene Wesen (Aura Garrido), das er heimlich Aneris getauft hatte, zu interessieren beginnt. Fasziniert von ihrer Auffassungsgabe und Intelligenz zieht er bald den Zorn Gruners auf sich, der sein Eigentum in Gefahr sieht und immer unberechenbarer wird.

Allein die Ausgangssituation einer fast gänzlich unbewohnten Insel, fernab jeder Zivilisation, nichts als Steinstrand und Meer und dazu nachts gruselige Gestalten die
Blut lechzend aus dem Meer steigen bieten ein ganz eigenes Ambiente und könnten genauso gut der Feder H.P. Lovecrafts entsprungen sein. Der Hauptfokus liegt auf zwei Männern die gegensätzlicher kaum sein könnten und beide aus ihren jeweils im Verborgenen bleibenden Motiven die Abgeschiedenheit und Einsamkeit suchten. David Oakes, bekannt aus der Serie „Borias“, spielt einen betrübten und melancholischen jungen Mann, den das Leben so schwer gezeichnet haben muss, dass er freiwillig und absichtlich den Posten auf der menschenleeren Insel angenommen hat. Dennoch achtet er das Leben in jeder Form und erfreut sich daran Neues zu entdecken und zu verstehen.

Cold Skin: Gruner (Ray Stevenson)
Cold Skin: Gruner (Ray Stevenson) © Tiberius Film

Anders als Gruner, vortrefflich unberechenbar verkörpert von Ray Stevenson, der alles hasst was er nicht begreifen kann, und das Prinzip vertritt entweder zu töten oder zu unterwerfen. Vergrämt und von Grund auf negativ eingestellt geraten er und der ihm vollkommen gegensätzliche Friend des Öfteren aneinander und es entsteht für den Zuschauer eine fast greifbare Spannung, von der man nie weiß wann sie sich womöglich entlädt. Inmitten dieser beiden Männer findet sich Aneris, in Form von einer fantastisch spielenden Aura Garrido wieder, mit der man durchgehend mit leidet. Von ihrer Art getrennt und als mehr oder weniger freie Sklavin gehalten sieht der Zuschauer mit dem ersten Blick in ihre Augen, dass sie mehr ist als ein mordlüsternes Monster. Sie hat Gefühle und vermag ihren Emotionen, seien es Angst, Neugier, Freude oder Wut, Ausdruck zu verleihen, schafft es aber nicht allein sich gegen ihren Peiniger zur Wehr zu setzen. Das erkennt auch Friend und es entsteht eine rührende Art Freundschaft zwischen dem Neuankömmling und dem andersartigen Geschöpf mit der glatten Haut und den Schwimmflossen.

Cold Skin: Friend (David Oakes)
Cold Skin: Friend (David Oakes) © Tiberius Film

Die Dialoge sind zu gleichen Teilen poetisch wie sozialkritisch und transportieren trotz der fantastischen Einbettung sehr reale Problematiken und Ideologien. Alle drei Darsteller schaffen es ihre Charaktere glaubhaft und authentisch darzustellen, was mir sehr gut gefallen hat. Leider ist die Dramaturgie teils schleppend und hätte, um den Handlungsverlauf zu straffen, ruhig um eine viertel Stunde verkürzt werden können. Die Kulissen setzen sich zusammen aus malerischen Küstenlandschaften, weitem Meer und dem beklemmenden Inneren des Leuchtturms. Sie bilden einen schönen Rahmen für die ruhige Erzählweise und die dramatische Entwicklung. Verstärkt wird die erzielte Wirkung durch ruhige begleitende Melodien oder absichtliche Totenstille.

Bild:

Das Bild im 1080p (16:9) lässt keinerlei Wünsche offen und macht vor allem auf großen Fernsehgeräten Spaß. Die Farben sind, dem Ton des Films entsprechend, dunkel und kalt gehalten, zeigen aber als Kontrast auch satte und helle Momente in glasklarem HD.

Ton:

Der Ton ist in zwei Audiospuren (deutsch, englisch) im Format DTS-HD Audio 5.1 vorhanden und hat die typischen Tonschwächen, die leider viele Filme aufweisen: Die Dialoge sind zu leise und die Actionsequenzen viel zu laut. Im O-Ton besteht dieses Problem allerdings nicht.

Extras:

Extras sind bis auf diverse Trailer leider nicht vorhanden.

Fazit:

Cold Skin ist ein geschickt inszenierter Genremix mit dem Schwerpunkt Drama, der hier und da mit interessanten Wendungen punkten kann, wenn gleich man schon recht früh vorhersieht wohin die Reise schlussendlich gehen wird. Darüber kann man aber leicht hinweg sehen, wenn man dem das tolle Acting, die wunderschönen Kulissen, den fast schon epischen Soundtrack und die trotzdem fesselnde Geschichte gegenüberstellt. Auch lassen einen die Dialoge nicht kalt und bleiben auch noch lange nach dem Abspann im Gedächtnis. Wie ich finde eine sehr gut inszenierte, tiefgründige Abwechslung, die auf jeden Fall einen Blick wert ist.


von Christoph Berger


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