Chaos im Netz – Blu-ray Kritik zur Fortsetzung von Ralph Reicht’s

Vanellope und Ralph in Chaos im Netz ©2018 Disney

Die Kritik:

Fortsetzungen von erfolgreichen und beliebten Filmen sind ja gang und gäbe. Zugegeben überraschte es mich da ein wenig, dass die Geschichte um Randale Ralph und Vanellope von Schweetz von Disney fortgesetzt wird. Vorgänger „Ralph Reicht’s“ kam bei vielen eher mäßig gut an und ließ in meinen Augen viel Potenzial liegen. Somit ist der neue Teil CHAOS IM NETZ nunmehr der 57. abendfüllende Animationsfilm von Disney. Dabei entstand kein neues Meisterwerk wie ein „König der Löwen“, aber Teil zwei ist wesentlich einfallsreicher und ausgereifter als der Erste zuvor.

Chaos im Netz - Blu-ray Cover
Chaos im Netz – Blu-ray Cover © 2018 Disney

Viele Möglichkeiten, die nicht wieder dieselbe Geschichte wie zuvor in der Arcade-Welt zeigt, gab es nicht für CHAOS IM NETZ. Den einzigen Weg, den man für eine Fortführung gehen konnte und die sich offenkundig angeboten hatte, ist, dass die Spielfiguren das Internet entdecken. Um ein notwendiges Ersatzteil für ihr Spiel zu besorgen, sind Vanellope und Ralph gezwungen dorthin zugehen, bevor eine Katastrophe droht. Der einzige Weg diese abzuwenden liegt im Internet, und zwar … genau … bei eBay.
Dabei ist das Auktionshaus nicht der einzige bekannte Name, auf den man trifft: Snapchat, Facebook, Twitter, Amazon, Google und viele andere Logos findet man im Film wieder. Mal auffälliger, wie im Fall von Twitter, wo ein blauer Vogelschwarm den Weg der Helden kreuzt und zwitschern, und mal wenig auffällig, wie Amazon, bei denen es nur zum Schriftzug aus der Ferne reicht.

Was CHAOS IM NETZ so besonders macht ist, dass man diesmal wirklich das gesamte Potenzial, dass das Internet mit sich bringt ausnutzt und spaßig umsetzt. Pop-Up Straßenverkäufer, die einem ihre Werbung andrehen wollen oder die Jagd nach Likes für lustige Videos. Kaum ein Aspekt des Internets fehlt und diese Gesichtspunkte werden lustig und sympathisch umgesetzt. Nahezu ein jeder wird sich selber oder diverse klischeehafte Eigenarten beim Surfen wiedererkennen oder ist zumindest einmal mit vielen Dingen in Berührung gekommen.

Dabei sind die beiden Protagonisten wie Kleinkinder die keinerlei Ahnung von einem Auktionshaus haben und es für ein Spiel halten. So manche Eltern werden sich hier ein wenig an die eigenen Kids erinnert fühlen, die, ohne ein Gefühl dafür zu haben, dass es sich um echtes Geld handelt, bei einem Handy- oder Konsolenspiel ein paar extra Items kaufen. Dadurch müssen die beiden mit „Gelegenheitsjobs“ versuchen an die horrend hohe Summe zu kommen, was sie nahezu kreuz und quer durch noch mehr Ecken des Internets führt. Bis hin zum düsteren Darknet, was aber vollkommen entschärft und lediglich als zwielichtig und negativ dargestellt wird – was auch vollkommen richtig ist, da es sich immer noch um einen Disneyfilm handelt und die Mehrheit der Zuschauer junge Heranwachsende sind, die nicht mit allen Facetten dieser Welt in Berührung kommen müssen.

Vanellope und Ralph in Chaos im Netz
Vanellope und Ralph in Chaos im Netz ©2018 Disney

Was jetzt so klingt, als hätte man eine Checkliste gemacht, damit möglichst viel vom Internet in dem Film vorkommt, der hat recht und irrt zugleich.
CHAOS IM NETZ ist wie eine Abenteuerfahrt durch diese Welt und arbeitet sich tatsächlich etappenweise dadurch, allerdings sind die von mir erwähnten Inhalte nicht Hauptbestandteil der Geschichte, sondern lediglich mehr Querverweise, die am Rande ablaufen und teilweise die Handlung unterstützen.

Allerdings bieten genau diese Beobachtungen eben die besonderen Highlights des Films und allem voran der Besuch auf der Disney Fanpage, bei dem Fan-Service großgeschrieben ist. Daher kommt einem der Eindruck, als wäre man zu Besuch im Disneyland und man nicht weiß, wo man als erstes Hinschauen soll. So kann man neben den bekannten Disneyfiguren auch Helden aus den von Disney aufgekauften Franchisen, wie den Muppets, Star Wars und Marvel bestaunen. So wirkte CHAOS IM NETZ in diesem Moment auf mich wie Disneys Antwort auf „Ready Player One“, wo ebenfalls ein hohes Maß an bekannten Figuren zu erhaschen waren und vermutlich erst nach mehrmaligen sehen vollständig zu erkennen sind.
Besonders sticht das zuvor im Internet verbreitete Treffen von Vanellope und den Disney Prinzessinnen hervor, bei dem Disney sich selber auf die Schippe nimmt. Dieses Aufeinandertreffen ist unfassbar unterhaltsam und einfach nur Klasse umgesetzt, wenn sämtliche Disney-Prinzessinnen ihre Eigenarten nochmal besonders zu Tage tragen.

Vanellope und Ralph im Internet in Chaos im Netz
Vanellope und Ralph im Internet in Chaos im Netz ©2018 Disney

So verwundert es nicht, dass auch Vanellope ein wenig später einen Prinzessinnen Moment bekommt, der in einem typischen Offenbarungslied zum Vorschein kommt. Hervorragend ist hierbei der Kontrast von klassischem Disneymoment an einem ambivalenten Ort wie dem Rennspiel Slaughter Race, dass von seiner Kulisse stark an einen Mix aus „Mad Max“ und „Death Race“ erinnert. Der Song selbst kommt dabei von keinem geringeren als Alan Menken, der bereits acht Oscars in seinem Schrank für „Arielle, die Meerjungfrau“, „Die Schöne und das Biest“, „Aladdin“ und „Pocahontas“ hat und für viele weitere Werke für Disney nominiert wurde.
Die Mischung aus Klassik und Moderne ist auch ein Sinnbild für CHAOS IM NETZ. So ist auch der Score von Henry Jackman eine schöne Kombination aus althergebrachten und zeitgemäßen Klängen. Besonders beim Eintreffen im Internet, wird die Musik mit Synthesizern unterlegt und bekommt einen futuristischen Sound.

Als kleiner Hinweis: Nach dem Ende des Films lohnt es sich noch den Abspann zu gucken, da es zwei Extraszenen in der Mitte und am Ende gibt, die noch sehr lohnenswert wie spaßig sind.

Bild:

Die Blu-ray bietet ein sehr gut animiertes Bild, dass besonders farbenfroh erscheint, was dem Bild des Internets und dessen Vielfalt entspricht.

Ton:

Gerade in der Welt von Slaughter Race krachen die Motoren und bieten einen satten Sound. Die Synthesizer-lastige Musik klingt ebenfalls sanft und klangvoll.

Extras:

Vanellope und Ralph in Chaos im Netz
Vanellope und Ralph in Chaos im Netz ©2018 Disney

Es sind einige interessante Extras vertreten: Zum einen „Auf der Suche nach Easter Eggs“, was ganz cool ist, da man vieles nicht erkennen kann in der Masse. Allerdings ist es mit vier Minuten Länge dann doch recht kurz geraten.
Ebenso gibt es etwas über „Die Musik von Chaos im Netz“ (10 min.), sowie das kurze Extra „BuzzTube Katzen“ (2 min.) in dem die kleine Marie von „Aristocats“ einen kurzen und unscheinbaren Gastauftritt hat.
Hinzu kommt das Making of „Wie wir Chaos im Netz gemacht haben“ (33 Minuten), dass in zehn Einzelteile unterteilt ist, und fünf zusätzliche Szenen mit jeweiliger Einführung der beiden Regisseure. Zu guter letzt sind noch die Musikvideos zu den Songs von Imagine Dragons und Julia Michaels vorhanden.
Insgesamt kommt man auf ca. 75 Minuten Extras.

Blu-ray Wertung
  • 8.5/10
    - 8.5/10
  • 8/10
    - 8/10
  • 9/10
    - 9/10
  • 8/10
    - 8/10
8.5/10

Kurzfassung

CHAOS IM NETZ ist ein einfallsreicher und liebevoll sympathischer Animationsfilm, der das vollständige Potenzial des Internets nutzt und eine sehr erwachsene Geschichte über Freundschaft erzählt.

Fazit:

CHAOS IM NETZ ist einfallsreicher als sein Vorgänger und nutzt das Potenzial aus der riesen Spielwiese namens Internet vollkommen aus. Die Entdeckungen, die man machen kann, machen Spaß und sind mal mehr und mal weniger unterhaltsam. Die Handlung ist dabei sehr abwechslungsreich und zum Ende dann auch überraschend erwachsen.


von Christian Willach


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