Thor: Tag der Entscheidung – Interview mit VFX Supervisor Jake Morrison

JAKE MORRISON

Die Marvel-Filme der vergangenen Jahre wären ohne die Arbeit von VFX Supervisior Jake Morrison kaum denkbar gewesen. Ob „Iron Man2“, „The Avengers“ oder „Ant-Man“, Morrison sorgte für grandiose Welten. Anlässlich des Heimkinostarts von „Thor: Tag der Entscheidung“ sprach er mit uns über seine Arbeit an dem Film, für den er die Welten Askard und Sakaar real werden ließ.


blengaone: Seit 2010 arbeiten Sie für Marvel: IRON MAN 2, THE AVENGERS, THOR, ANT-MAN. Können Sie sich noch daran erinnern, wann die Zusammenarbeit zustande kam?

Jake Morrison: Ja, das kann ich. Ich wurde dazu gebracht, mich mit Victoria Alonso zu treffen, der unglaubliche Kopf der Visuell Effects und Post-Production. Zu jenem Zeitpunkt war der zukünftige Film namens „RUNAWAYS“ geplant, den wir mit Peter Sollett machen wollten, dem Regisseur, der „Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht“ mit Michael Serra gemacht hatte. Wir kamen darauf zu sprechen, dass das Projekt still lag. In Hollywood passiert so etwas immer wieder. Victoria fragte mich „Wie ist dein Französisch?“. Und ich antwortete „Nun, es ist tatsächlich nicht schlecht“. Darauf antwortete sie „Wir haben einen Visual-Effects-Anbieter in Paris, und wir möchten, dass du vorbeikommst und fragst, ob du bei THOR vielleicht etwas aushelfen könntest“. Ich bin für zwei Wochen rübergereist und erst nach fünf Monaten zurückgekommen. Wir haben das erste Asgard zusammengesetzt. Dann kamen ich und meine Frau aus Paris zurück und nach einer Woche in Los Angeles sind wird dann nach Albuquerque gezogen, um THE AVENGERS  zu drehen

blengaone: Sie sind für so viele Awards nominiert, dass man sie gar nicht auflisten kann. Das ist ziemlich erstaunlich. Denken Sie während des Drehs bereits an den fertigen Film und die Chancen auf einen Award?

Jake Morrison: Man kann seine Arbeit dahingehen nicht beeinflussen. Diese Entscheidungen treffen andere später. Ich denke, das Ziel ist, stets zu versuchen, das Beste zu geben mit dem, was das Handwerks hergibt. Jedes Mal, wenn man ein Bild malt oder ein Musikstück komponiert, will man die beste Kreation schaffen, die man liefern kann. Das persönliche Ziel ist es, weiterhin zu versuchen, dies zu einer kreativ erfüllenden Sache zu machen. Und die Hauptsache ist, dass wir mit einer Reihe sehr kreativen Menschen zusammenarbeiten. Es wird nicht zufällig die „kreative Industrie“ genannt. Wir möchten alle wirklich sicherstellen, dass die Vision des Regisseurs geschützt ist. Es ist sehr interessant, weil wir zwei Jahre lang mit einem Film beschäftigt sind und somit den gesamten Produktionsprozess verfolgen. Dabei geht man eine wirklich sehr intime Beziehung mit dem Regisseur ein und lernst schon früh seinen Geschmack, seine Vorlieben und Sensibilität kennen. Und dies nicht nur aus Sicht des Geschichtenerzählens, sondern … Ich meine, wenn man oft nebeneinander im Flugzeug sitzt und quer durch die Welt reist, beginnt man damit, sich über Filme zu unterhalten, die einen gefallen und die man liebt. Zum Beispiel Taika Waititi – wir sind in einem ähnlichen Alter, sind mit ähnlichen Filmen aufgewachsen und haben beide das englische Comic mit dem Titel „2000 AD“ gelesen, aus dem Judge Dredd stammt. Und wir lieben die englische Komödie Black. Man beginnt zu verstehen, was Regisseure lustig oder attraktiv finden, und dies wird nach einer Weile zur zweiten Natur.
Eines der spaßigen Dinge im Geschäft ist, dass einige Leute die ganze Zeit hinweg mit demselben Regisseur arbeiten. Ich finde das großartig und eines Tages werde ich das wahrscheinlich auch tun. Aber im Moment ist das Interessante, dass ich jeden bisherigen Film, mit einem anderer Regisseur gemacht habe. Man muss für jeden einzelnen Regisseur die Sprache neu erlernen. Als Beispiel: Ich gerade arbeite an dem Disney Film „Jungle Cruise“ mit dem spanischen Regisseur namens Jaume Collet-Serra, der „THE SHALLOWS“ und alle Actionfilme mit Liam Neeson wie „NON- STOP „oder“ RUN ALL NIGHT “ und auch kürzlich“ The Commuter “ gemacht hat. Er hat wieder eine ganz andere Sensibilität im Vergleich zu Taika. Ich lerne also wieder von vorne, welche Art von Objektiven und Rahmen er mag, welche Art von Kameraführung er schätzt und welche Beleuchtung er bevorzugt.

blengaone: Apropos Taika – Wie war Taikas Stil, als Sie mit ihm gearbeitet haben? Da wir alle wissen, dass er dieser wahnsinnig kreative Mensch ist, hat es Vorgaben gegeben? Hatten Sie vollkommene Freiheit oder hatte er eine ganz bestimmte Vision?

Jake Morrison: Er ist ziemlich locker und ein lustiger Typ, mit dem man arbeiten kann. Man könnte sagen, dass fast alles so ausgefüllt ist, dass man jetzt genau sieht, was man visuell machen kann. Taika ist in diesem Fall ein sehr aktiver Regisseur. Was er gerne macht, ist, die Kamera richtig einzustellen und dann einfach nur mit den Schauspielern zu malen. Er hält die Kamera gerne am Laufen und verbessert sie einfach. Wir stellen sicher, dass die Technologie für ihn transparent ist. In einer Szene hatten wir Hemsworth und Ruffalo zusammen, während Ruffalo die ganze Ausrüstung , die am Kopf montierte Kamera, seinen tollen Anzug und vieles mehr trug. Taika wollte die Kamera einfach nicht ausschalten, bis ein paar Techniker angerannt kamen und riefen: „Das ist Take 475!“ Er wollte einfach nur drehen. Wenn man sich anschaut, was wir alles im Hintergrund machen, ist es klar, dass er einfach die Kamera einschalten und drehen wollte. Es ist diese Art von Idee, die er in Australien zum Set brachte. Also wollten wir ihm nicht in die Quere kommen. Man will wirklich sicherstellen, dass die Vision des Regisseurs und die Kreativität der Schauspieler da ist, und dann malen wir alles weitere hinein. Ich denke, in Bezug auf eine leere Leinwand, war die Arbeit sehr stark. Er hatte extrem starke Vorstellungen von „was gut war“ und „was schlecht war“, aber wir hatten immer die Chance, ihm zu zeigen, was wir für cool hielten.

blengaone: Als Sie Asgard erschaffen haben, wie haben Sie Welt visualisiert und gibt es einen bestimmten Bereich in der Welt, von dem Sie inspiriert wurden?

Jake Morrison: Es ist interessant. Wir wussten, dass die zwei Welten komplett gegenteilig sein mussten. Asgard wurde schon viel früher gegründet und ist wahrlich nicht Beverly Hills. Es ist dennoch schick. Es gibt viele goldenen Schlösser, und jeder hat ein perfektes Leben und alle sind Götter. Thor ist quasi ein „gesegnetes Kind“. Sein Vater ist der König und er ist ein Prinz, dem das ganze Geld gehört. Als Thor in Sakaar vordrang, musste Sakaar genau das Gegenteil darstellen, daher passierten drei Dinge: Thor werden die Haare abgeschnitten, was möglicherweise seine Quelle der Macht ist, sein Hammer wird von Hela zerstört und er wird in eine Welt geworfen wird, wo fast jeder ein Gott ist. Thor trifft somit auf die ersten Herrscher. Vergleicht man Asgard und Sakaar, dann fällt auf, dass es in Sakaar kein Gold gibt. Wir haben Platin verwendet die Art von Farbe benutzt, die man überall in Raumschiffen sieht, weil das Wurmloch alles aus den verschiedensten Ecken des Universums gesaugt. Sakaar ist buchstäblich das Gegenteil von Asgard. Wenn man dort hinschaut, hat man das Gold, die Türme, all die Schönheit und dann auch noch die Natur, wenn man auf die Hügel blickt, die mit Tannen bedeckt sind. Wir haben dafür gesorgt, dass es auf Sakaar überhaupt keine Vegetation gab. Dies war eine sehr bewusste Entscheidung, um sicherzustellen, dass diese beiden Welten wie Yin und Yang sind. Und, dass das Publikum in jeder Szene genau weiß, in welcher Welt es sich gerade befindet.

blengaone: Können Sie einen typischen Tag beschreiben, wenn Sie an einem Film wie diesem arbeiten?

Jake Morrison: Das täglich Auf und Ab hängt immer davon ab, was auf dem Plan stehen. Die Vorproduktion ist immer der spaßige Teil des Triathlons und dann gehst du in den Dreh, wo man natürlich um 4 Uhr aufsteht und um 4.30 in den Tag startet. Wir haben in Australien hauptsächlich mit Tageslicht gefilmt und mussten früh anfangen. Man muss bei der Arbeit sein, bevor die Sonne aufgeht, und dann bereit sein. In der Postproduktion widmet man sich den Anforderungen, die sich einem stellen. Im Grunde sind wird der Sonne nachgejagt. Wir haben den Tag mit einer Telefonkonferenz begonnen, wo wir einen Bildschirm teilten, auf den ich malte. Während ich mit einem Stift und ein Tablett gearbeitet habe, wurde alles auf einen 30 Fuß breiten Bildschirm übertragen. Wir konnten darauf alles sehen, was die Firma in Deutschland über Nacht geschickt hat. Wir haben uns alles angesehen und ich habe derweil auf den Bildschirm gezeichnet. So konnten wir das ganze Material durchblättern und entscheiden, was „ist gut und was ist schlecht“. Wir sind von Deutschland nach London und von London an die Ostküste der Vereinigten Staaten gezogen. Und dann sind wir nach Vancouver, Los Angeles und dann nach Sydney, Melbourne und Adelaide in Australien gefahren. Irgendwo dort haben wir dem Regisseur und dem Studio die Arbeit präsentiert und viel Zeit in der Editier-Suite verbracht. Wenn man abends ins Bett gegangen ist, hat jeder auf dem Board weiter gearbeitet. Wenn man am nächsten Morgen aufgewacht ist, gab es neues Material. Der Vorteil ist, dass wir jetzt in der Zukunft leben, und man selbst, wenn man außerhalb des Büros ist, immer noch die Möglichkeiten hat zu sehen, was die anderen Leute tun. Ich konnte von überall aus sehen, was die anderen gepostet haben. Es hört nie auf – auf eine gute Art und Weise.

blengaone: Vielen Dank für die interessanten Einblicke!

von Sandy Kolbuch

Mehr zum Artikel:

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*