Interview mit Matto Barfuss zu MALEIKA

Maleika: Matto Barfuss lebt mit Geparden © Camino Filmverleih

2013 traf Filmemacher Barfuss auf die Gepardin Maleika, die im darauf folgenden Jahr sechs Jungen zur Welt brachte. Morgen startet der Film „Maleika“ in den deutschen Kinos. Wir haben mit Barfuss über die aufregenden Dreharbeiten zu diesem bildgewaltigen Naturepos gesprochen.


Der Film soll mit einem FSK 0 in die Kinos kommen. Hast Du bereits Erfahrungen damit gemacht, wie Kinder mit der Grausamkeit der Natur umgehen?

Matto Barfuss: Wir hatten Kontakt mit der Schwarzenegger-Familie, die uns bei dem Projekt unterstützen wollte. Für sie haben wir ein Screening veranstaltet und sie waren begeistert von den Aufnahmen. Schwarzenegger teilte mir mit, dass die fünf Kinder in seinem Haus anschließend für eine Woche traumatisiert waren. Bei den „Terminator“-Filmen werden auch zahlreiche Menschen ermordet, aber die Kinder machen einen Unterschied zwischen Filmblut und echtem Blut. Daraus haben wir gelernt und vorab Kinder-Screenings veranstaltet. Kinder können mit dem natürlichen Tod viel besser umgehen, als die Erwachsenen. Wenn ich Lesungen habe, höre ich ganz oft von den Kindern, dass ihnen das Beutetier leid tut. Wenn ich ihnen aber erkläre, dass der Gepard keinen Metzger hat und sich selbst sein Fleisch zum Essen fangen muss, dann sie verstehen sie es. Im Film betonen wir immer wieder, dass der Gepard schnell tötet. Zudem haben wir die Jagdszenen so geschnitten, dass möglichst kein Blut zu sehen ist. Die Szenen, in denen die Jungen das Jagen lernen, sind sehr blutig. Aus diesem Grund haben wir diese Phase bewusst ausgeklammert.

Wie hat das Team jeden Morgen die Geparden-Familie wiedergefunden?

Matto Barfuss: Wir sind jeden Morgen gegen 4:30h aufgestanden und waren vor Sonnenaufstand bei den Tieren. Ich war den ganzen Tag hinter der Kamera, um nichts zu verpassen, da diese Tiere sehr spontan sind. Wir haben Maleika und ihre Jungen abends erst verlassen, wenn sie einen sicheren Schlafplatz hatte. So hatten wir eine Gewissheit, dass wir sie am nächsten Morgen wiederfinden würden. Während der Drehpausen ist mein Fahrer, ein Massai-Krieger, vor Ort geblieben und hat Maleika im Auge behalten. Auch jetzt nach Abschluss der Dreharbeiten ist das gesamte Team noch emotional mit dem Tier verbunden. Mittlerweile ist Maleika 15 Jahre alt und eine betagte Dame. Sie ist trotz ihrer Gebrechen noch relativ fit. Ihr größtes Problem sind ihre abgenutzten Reißzähne, die ihr irgendwann zum Verhängnis werden.

Das Modelabel Marc Cain hat eine Maleika-Kollektion entworfen. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Matto Barfuss: Meine Partnerin ist ein großer Fan des Labels. Um den Kinofilm präsent zu machen, habe ich mir im Vorfeld über Kooperationen Gedanken gemacht. Und da Marc Cain immer wieder Raubtierdesigns entworfen hat, passte es. Zudem ist Maleika ein bildhübsches Tier und verleiht der Kollektion eine Geschichte. Maleika war der Star der letzten Fashion Week in Berlin.

Wie wichtig war die Produktion in Dolby Atmos?

Matto Barfuss: Ich wollte den Film im Disney-Stil umsetzen. Der Zuschauer sollte eine große emotionale Nähe zu den Tieren aufbauen und dazu gehört für mich Dolby Atmos. Wir haben für 20 Tage ein Dolby Atmos-Kino gemietet und live im Studio den Ton gemischt. Der Ton gibt dem Film eine richtige Tiefe. Das Fiepen der Gepardenjungen kommt dadurch sehr gut zur Geltung.

Was hat Dich an Maleika beeindruckt?

Matto Barfuss: Ihre immense Kraft. Sie hat sechs Jungen bekommen, für die sie ganz alleine sorgen muss. Während sie sich um die Jungen kümmert, muss sie frühzeitig Feinde erkennen, auf die Jagd gehen und ihnen beibringen, selbst zu jagen. Es ist eine unbeschreibliche Leistung.

War es eine bewusste Entscheidung, den Film erst zu beginnen, wenn die Jungen bereits auf der Welt sind?

Matto Barfuss: Ich hatte bereits mit Maleika gedreht, bevor die Jungen geboren wurden. Insgesamt habe ich über 240 Stunden Rohmaterial. Doch aufgrund von Überlangen musste ich den Film kürzen. Ich hatte zunächst eine rund 10stündige Fassung, die ich immer und immer wieder überarbeitet habe. Um die Geschichte rund zu machen, haben wir uns auf die Jungen fokussiert. Die gesamte Produktion hat 4 Jahre gedauert. Irgendwann werde ich aus dem ganzen Material eine Serie machen. Und dieser Plan hat mir emotional beim Schneiden geholfen, weil nichts vom Rohmaterial verschenkt wird.

Gleich zu Beginn der Dreharbeiten hast Du dir einen Rippenbruch zugezogen. Hast Du jemals ans Aufgeben gedacht?

Matto Barfuss: Was mich mit Maleika verbindet ist die Hartnäckigkeit. Egal welche Herausforderung die Welt einen stellt, es gibt keinen Grund zum Aufgaben.

von Sandy Kolbuch

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