HEARTBEATS-Interview mit Krystal Ellsworth und Amitash Pradhan

Interview in Berlin: Amitash Pradhan, blengaone-Filmredakteurin Sandy Kolbuch und Krystal Ellsworth

Der Begriff Bollywood, der umgangssprachlich für die indische Filmindustrie und ihre Hindi-Unterhaltungsfilme verwendet wird, ist eine Besonderheit für sich. Die farbenfrohen Filme, die mit einem großen Anteil an Musik und Tanz meist Dramen mit romantischen Momenten erzählt, begeistern eine große Fangemeinde. Bei den westlichen Kinobesuchern stoßen Filme dieser Art jedoch auf Kritik, weil das Sehverhalten und der Geschmack sehr unterschiedlich ist. In Duana Adlers Film “Heartbeats” vereinen sich Bolly- und Hollywood zu einem gelungenen Mix aus Drama, Romanze, Musik und Tanz, beeinflusst von indischen Traditionen im Stil der großen amerikanischen Genrefilme der letzten Jahre.

Anlässlich des Kinostarts von „Heartbeats“ waren die Hauptdarsteller Krystal Ellsworth und Amitash Pradhan in Berlin und haben uns die wichtigsten Fragen zum Film, ihrer Arbeit und den kulturellen Unterschieden beantwortet.


Heartbeats: Kelli (Krystal Ellsworth) © Capelight

Kelli und Aseem wirken so vertraut miteinander. Kanntet Ihr Euch bereits vorher oder habt Ihr Euch erst bei den Dreharbeiten zu „Heartbeats“ kennengelernt?

 

Amitash Pradhan: Wir haben uns erst kurz vor dem Dreharbeiten kennengelernt. Dadurch wirkt es so, als würden wir uns wirklich das erste Mal sehen und uns ineinander verlieben. Krystal ist während der Dreharbeiten krank geworden…

Krystal Ellsworth: …. und er hat sich sehr rührend um mich gekümmert!

Amitash Pradhan: Als ich damals erfahren habe, dass ich mit Krystal vor der Kamera stehen werde, war ich sehr aufgeregt. Wir haben für den Film unser Bestes gegeben, aber der Held des Films ist die Kamera, die wirklich sehr schöne Szenen eingefangen hat.

„Heartbeats“ ist der perfekte Mix zwischen Bollywood und Hollywood. Die Tanzszenen sind sehr beeindruckend. Wann habt ihr mit dem Tanzen angefangen?

Krystal Ellsworth: Ich habe mit 5 Jahren angefangen zu tanzen und im Alter von 7 Jahren Unterricht genommen.

Amitash Pradhan: Ich tanze bereits mein ganzes Leben. Ich habe das erste Mal mit 6 Jahren ein Tanzstudio betreten und bis 2014 Unterricht genommen. Das Training für den Film war sehr intensiv und hat täglich mehrere Stunden in Anspruch genommen.

Heartbeats: Aseem (Amitash Pradhan) © Capelight

Wann habt Ihr mit dem Training für den Film begonnen und wie viel Zeit hattet Ihr, um Euch auf Eure Rolle vorzubereiten?

Krystal Ellsworth: Wir hatten zwei Wochen Zeit, um uns vorzubereiten. Ich habe Duane Adler bereits einige Wochen zuvor in Los Angeles getroffen und hatte die Gelegenheit, mit dem Choreograph zu sprechen. Wir haben gemeinsam an meinem Charakter gearbeitet. Als wir in Indien angekommen sind, hatten wir 14 Tage Zeit, um alle Tanzsnummern einzustudieren.

Im Film wollen Kellis Eltern einen ganz anderen Weg, als sie selbst. Habt Ihr selbst die Erfahrung gemacht, dass Eure Eltern beruflich einen ganz anderen Weg für Euch gewählt hätten?

Krystal Ellsworth: Ich war schon etwas verrückt, als ich mein Zuhause verlassen habe, um in Los Angeles zu Tanzen (lacht). Aber in der Kleinstadt, wo ich aufgewachsen bin, waren meine Chancen sehr begrenzt. Ich hätte dort nur Lehrer werden können (lacht). Meine Eltern sind aber stolz auf mich. Immer wenn ich Ihnen erzähle, was ich gerade tue, fragen sie, wann sie mich in der Rolle sehen können. Sie haben mich immer unterstützt, sodass ich immer meinen eigenen Weg wählen konnte. Seine Karriere in Los Angeles aufzubauen ist sehr hart. Ich kann mich daher mit meiner Figur identifizieren.

Wer ist Euer größter Kritiker?

Krystal Ellsworth: Ich selbst. Ich denke es ist sehr hilfreich, wenn man sich selbst gut beurteilen kann. Ich treibe mich selbst zum Lernen an und weiß, wo meine Grenzen liegen.

Heartbeats: Kelli (Krystal Ellsworth) bei einem indischen Fest © Capelight

Kannst Du mir etwas über die Traditionen einer indischen Hochzeit erzählen? Gehört der Tanz, wie man ihn im Film sieht, zu einer traditionellen Hochzeitsfeier dazu oder ist dies etwas sehr Besonderes?

Amitash Pradhan: Wenn ein Amerikaner einen Film über Indien macht, dann zeigt er die amerikanische Perspektive von Indien. Das authentische Indien unterscheidet sich von dieser Perspektive. Im jetzigen Fall ist die Perspektive aber sehr authentisch. Der Tanz entspricht der Natur einer indischen Hochzeit. Tanz und Musik ist sehr wichtig für die Inder. Bei einer Hochzeit kommen alle zusammen und tanzen, egal ob sie tanzen können oder nicht. Wir haben diese Szenen auf einem Boot mitten auf dem Wasser gedreht. Als ich den Film gesehen habe, konnte ich auch die Emotionen spüren. Musik und Tanz hilft den Menschen zusammenzukommen. Die Ballszene haben wir ganz am Ende gedreht, kurz bevor Krystal Indien wieder verlassen hat. Daher konnte ich genau die Trauer fühlen, die auch an Aseem fühlt, kurz bevor Kelli wieder in die USA reisen wird.

Der Film dreht sich nicht nur um das Tanzen, sondern spricht auch politische Themen an. Aseem erklärt Kelli, während ihres gesamten Zusammenseins, die Besonderheiten seines Landes.

Krystal Ellsworth: Ich denke, was unseren Film von den bisherigen Tanzfilmen unterscheidet, ist die Geschichte. Es kommen so viele Faktoren zusammen. Deshalb mochte das Drehbuch bereits beim ersten Lesen sehr. Der Film ist daher auch für Leute, die nicht unbedingt auf Tanzfilme stehen.

Heartbeats: Kelli (Krystal Ellsworth) und Aseem (Amitash Pradhan) © Capelight

Im Fokus des Films geht es um eine Tanzshow, die für Kelli sehr wichtig ist. Welche Meinung habt ihr persönlich über diese Art von Fernsehshows?

Krystal Ellsworth: Meiner Meinung nach tragen die vielen unterschiedlichen Shows dazu bei, dass eine breite Fangemeinde entsteht. Die Arbeitslage für Tänzer verbessert sich durch das größere Interesse. Einigen Tänzern helfen die Shows sehr dabei, bekannt zu werden.

Amitash Pradhan: In Indien sind diese Shows sehr populär. Viele Prominente nehmen an diesen Shows teil. Die Shows sind eine Plattform, um unbekannte Tänzer berühmt zu machen. In Indien ist auch Playback eine sehr große Sache. Wir haben viele Realityshows, in denen Sänger auftreten, jedoch nicht selber singen. Die verschiedenen Shows helfen den Talenten, wirklich bekannt zu werden, was ich großartig finde.

Welche Plattformen nutzt Ihr, um Eure Talente auszuleben?

Krystal Ellsworth: In den letzten Jahren habe ich mich darauf konzentriert, meine eigenen Geschichten zu Papier zu bringen. Mein Plan ist, mein eigenen Filme zu produzieren. Ich will mein eigener Boss hinter der Kamera sein (lacht).

Heartbeats: Kelli (Krystal Ellsworth) und Aseem (Amitash Pradhan) teilen die Leidenschaft fürs Tanzen
Heartbeats: Kelli (Krystal Ellsworth) und Aseem (Amitash Pradhan) teilen die Leidenschaft fürs Tanzen © Capelight

Was bedeutet für Musik und Tanz für einen Inder?

Amitash Pradhan: Es bedeutet alles. Ich liebe Filme wie „La La Land“, „Moulin Rouge“ oder „Chicago“. Tanz und Musik sind bereits in der indischen Mythologie verankert. Wenn man durch die Straßen geht, leuchten überall Lichter und die Menschen singen und tanzen. Ich will in der Zukunft vieles außerhalb meiner eigenen Kultur kennenlernen. Musik ist in meinem Land eine große Marketingsache. Die Filme mit Sha Rukh Khan beinhalten mindestens 6 bis 7 Songs, die die Handlung tragen und emotional untermalen. Jeder einzelne Song hat seine eigene Stimmung und beschreibt ein eigenes Genre. Ich bin ein großer Bollywoodfan und haben meinen ersten Sha Rukh Khan-Film bereits mit 3 Jahren gesehen. Aus diesem Grund wollte ich Schauspieler werden. Er ist der größte Kinoheld der letzten 20 Jahren. Ich bin ein sehr großer Fan.

Krystal Ellsworth: In Indien kann man der Musik wirklich nicht entkommen. Überall auf der Straße wird gesungen und getanzt. Wir haben in Indien kurz vor Weihnachten „Star Wars“ im Kino gesehen. In der Mitte des Films gab es sogar eine Tanzeinlage. Das war total verrückt (lacht).

Amitash Pradhan: Indien ist eines der wenigen Länder, in denen Kinofilme für eine Darbietung unterbrochen werden.

Könnt Ihr etwas über Eure kommende Projekte erzählen?

Krystal Ellsworth: Es gibt einige Projekte, über die ich aber noch nichts erzählen darf. Ich schreibe zudem weiter an persönlichen Prokjekten.

Amitash Pradhan: Wirst Du mich für eine Rolle besetzten?

Krystal Ellsworth: Natürlich (lacht).

Amitash Pradhan: Ich bin im Moment sehr glücklich mit meinem Job und hoffe, dass ich weitere Projekte für englische und amerikanische Filme bekomme. Ich will aber auch weiterhin in indischen Projekten teilhaben.

Vielen Dank!

von Sandy Kolbuch

Mehr zum Artikel:

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*