Club der roten Bänder – Interview mit Ivo Kortlang und Nick Julius Schuck

Redakteurin Sandy Kolbuch mit Nick Julius Schuck und Ivo Kortlang

Ivo Kortlang (*1994) besuchte Schauspielworkshops bei Teresa Harder und Tim Garde und sammelte erste Erfahrungen vor der Kamera in Fernsehformaten wie „Rosa Roth“ (2008) oder Kinofilmen wie “Ameisen gehen andere Wege“(2011) und “Die schwarzen Brüder“ (2012). Nach dem Erfolg mit “Bibi und Tina – Voll verhext!“ (2014) stand Kortlang von 2015 – 2017 für die erfolgreiche VOX-Serie „Club der roten Bänder“ als Toni vor der Kamera.

Nick Julius Schuck (*2001) machte erste Schritte als Schauspieler im Fernsehen, u.a. in Sketchen mit Anke Engelke im Erfolgsformat „Ladykracher“ (ab 2008). 2011 war er in „Der letzte schöne Tag“ zu sehen. Eine Hauptrolle spielte der Nachwuchsdarsteller in der KiKA-Jugendserie „Sturmfrei“ (ab 2011). Es folgten Rollen u.a. in „Der letzte Bulle: Aller guten Dinge sind drei“ (2012), „Tatort: Trautes Heim“ oder „Ein Sommer in Rom“ (beide 2013). In der VOX-Serie „Club der roten Bänder“ (2015-17) sowie im gleichnamigen Kinofilm spielt er den guten Geist Hugo.


blengaone: Wie fühlt es sich für Euch an, in Eure Rollen und deren Beginn zurückzukehren?

Ivo Kortlang: Das ganze Team hat sich immer in einem gleichbleibenden Rhythmus getroffen, um zu drehen. Nach dem Drehschluss einer Staffel wussten wir jedoch nie, dass es eine weitere geben wird. Auch nach der dritten Staffel stand nicht fest, ob wir einen Kinofilm machen. Unsere Treffen waren aber wirklich regelmäßig, was uns allen gut gefallen hat, weil es in der Branche nicht üblich ist, über vier Jahre lang mit den gleichen Leuten zusammenzuarbeiten. Oftmals verlieren sich die Kontakte, die man während eines Projekts geschlossen hat, nach dem Abschluss dessen. 2017 haben wir die Nachricht bekommen, dass wir den Film machen werden und dort die Vorgeschichte der Serienhandlung erzählen werden. Ich hatte große Lust darauf, noch einmal in meine Rolle zu schlüpfen und dessen Vorgeschichte zu betrachten.

blengaone: Hugo ist in der Vorgeschichte älter, als in der Serie, weil auch Du erwachsen geworden bist…

Nick Julius Schuck: Ja, das stimmt (lacht). Ich war zu Beginn der Serie 13 und werde jetzt demnächst 18. Da Hugo auch der Erzähler der Geschichte ist, hat man bereits bei meinen Voice-Over-Texten gehört, dass ich älter geworden bin, weil sich meine Stimme natürlich verändert hat. Im Film hat man es so gemacht, dass Hugo den Film eröffnet, als er quasi in sein Koma springt. Als die anderen ins Krankenhaus kommen, liegt Hugo bereits ein Jahr lang im Koma. Ich habe oft mit Albert Espinosa telefoniert und wir haben uns über den Stoff, den wir erzählen wollten, unterhalten. Mir ging es nicht darum, dass ich mehr Szenen spielen wollte, aber meine Figur sollte auch nicht nur im Koma liegen. Hugo hat daher im Kinofilm wieder seine Zwischenwelt, wo er diesmal auch andere Figuren kennenlernt. Daher konnte auch ich mich sehr auf den Film freuen.

blengaone: Stand von Beginn an fest, dass Hugo als allwissender Erzähler fungieren wird?

NJS: Ich weiß gar nicht, wann die Idee entstanden ist. Mit Hugo als Off-Stimme passte es sehr gut, weil er trotz des Komas alles mitbekommt. Zu Toni hat er eine ganz spezielle Verbindung und sie können sogar miteinander kommunizieren. Generell wusste Hugo auch immer, wie es den anderen geht. Es passt einfach zur Rolle, auch weil Hugo auch später als Autor das Buch über den Club schreibt. Hugo hat den Überblick.

Toni (Ivo Kortlang) schaut sich mit seinem Opa (Dieter Schaad) Züge an. ©Universum/Martin Rottenkolber

blengaone: Ivo, wie hast Du dich auf die Rolle des Asperger-Patienten Toni vorbereitet?

IK: Ich hatte Kontakt mit einem Therapeuten von Asperger-Syndrom-Patienten, der mir sehr viel von seinen Patienten erzählt hat. Die Sache ist die, dass es nicht DEN Autismus gibt. Die Wissenschaft hat für das Krankheitsbild ein Spektrum aufgebaut, in dem es eine Störung gibt. Bei jedem Individuum zeigt sich der Autismus aber auf seine ganz individuelle Art. Autisten leben nach anderen Regeln und nehmen Dinge auf ganz individuelle Weise wahr. Die Rolle des Toni konnte ich mir völlig frei bauen. Ich wollte nichts kopieren, sondern die Rolle frei erschaffen. Aus diesem Grund habe ich mich mit dem Therapeuten getroffen und mich von den Geschichten, die er über die Jahre hinweg erlebt hat, inspirieren lassen. Ich fand es sehr spannend, zu erfahren, wo die großen Hindernisse von Autisten liegen. Darüber hinaus habe ich auch ganz viele Reportagen gesehen, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Toni ist aus all dem, was ich so erfahren habe, entstanden.

blengaone: Nick, als Hugo liegst Du in der ersten Staffel und auch im Film größtenteils im Koma. Hast Du dich im Vorfeld mit der Systematik eines Koma-Patienten auseinandergesetzt?

NJS: Auf jeden Fall. In der ersten Staffel liegt Hugo komplett im Koma. Während dieser Zeit hatte ich eine medienpädagogische Fachkraft am Set, die mich mental betreut und auch in den Drehpausen meine Hausaufgaben mit mir gemacht hat. Von Staffel 1 zu 3 wurde es für mich immer ernster. Zu Beginn war es für mich nur ein Hobby neben der Schule. Erst allmählich wurde mir alles bewusster, auch wenn ich vorher schon wusste, dass dies auch Arbeit ist. Nachdem Hugo in Staffel 2 wieder aufwacht und seinen Weg zurück ins Leben findet, habe ich mich mit einem ehemaligen Koma-Patienten getroffen. Mit ihm habe ich mich darüber unterhalten, wie es ist, auch dem Koma aufzuwachen und nichts mehr zu können. Hugo hat Unterstützung von Toni, der ihm dabei hilft, wieder sprechen, greifen und gehen zu lernen. Für mich war es anfangs schwierig, sich da hineinzuversetzen. In Staffel 3 ist Hugo bereits wieder komplett gesund, geht wieder zur Schule und hat dann dort seine Schwierigkeiten.

blengaone: Wie hat Dein Umfeld auf die Rolle reagiert?

NJS: Ich habe die erste Staffel zusammen mit meinen Freunden gesehen. Sie waren der Meinung, dass es sehr entspannt sein muss, im Schlaf Geld zu verdienen (lacht). Natürlich musste ich mir solche Sprüche anhören, was ich aber auch nicht schlimm fand. Mit meiner Erzählstimme hatte ich ja dann auch noch eine weitere Aufgabe. Generell hätte ich aber ungern über drei Staffeln hinweg nur im Koma gelegen. Ich fand es aber schön, dass ich genau diese Rolle hatte, weil sie sich vom absoluten Nichtstun hin zu wieder einem völlig gesunden Jungen entwickelt hat.

Club der roten Bänder -Der Film : Hugo (Nick Julius Schuck) kurz vor seinem Sprung ©Universum/Martin Rottenkolber

blengaone: Jede der Figuren hat außerhalb des Krankenhauses eine wichtige Verbindungsperson. Für Toni ist es sein Großvater. Wie war die Zusammenarbeit mit Dieter Schaad?

IK: Als ich Dieter das erste Mal am Set getroffen habe, war er 89 Jahre alt. Jetzt wird er 93. Das Schöne war, dass wir sofort eine gemeinsame Ebene miteinander gefunden haben, sie sich im Laufe der Zeit auch immer weiter vertieft hat. Wir haben in den Umbaupausen zusammengesessen und über Gott und die Welt geredet. Wir haben unser Leben auf Augenhöhe geteilt und ich hatte immer das Gefühl, ich rede mit jemanden in meinem Alter. Das war total schön und erfrischend. Die Beziehung zwischen Toni und seinem Opa konnte nur so gut erzählt werden, weil ich und Dieter diese Beziehung zueinander hatten. Uns war es eine große Freunde und Ehre, noch einmal miteinander vor der Kamera zu stehen. Und uns war wichtig zu zeigen, wie die Beziehung zwischen den beiden überhaupt erst entstanden ist. Dieter und ich sind mittlerweile auch privat im Kontakt und telefonieren regelmäßig miteinander.

blengaone: Könnt Ihr was über Eure kommenden Projekte verraten?

IK: Ein Freund von mir hat den Film “Cord“ gemacht, für den ich vor der Kamera stand. Das nächst größere Projekt steht bei mir im Sommer an, aber da kann ich noch keine Details verraten.

NJS: Bei mir steht erst einmal das Abitur an. Für danach habe ich noch nicht Festes, aber es sind noch ein paar Castings offen. Ich bin gespannt, was kommt. Und bis dahin werde ich mir eine kleine Auszeit nehmen und vielleicht verreisen.

blengaone: Herzlichen Dank für Eure Zeit.

von Sandy Kolbuch

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